Krieg, Folter, Verfolgung, mangelnde Befriedigung der physischen und psychischen Bedürfnisse, Zwangsrekrutierung, Zwangsheirat, Vergewaltigung, Prostitution und/oder der Verlust der Angehörigen bewegen Kinder häufig dazu aus ihrer Heimat zu fliehen. Oft sind sie durch gravierende Einschnitte in ihrer Biografie oder durch Erlebnisse auf der oft langen und bedrohlichen Flucht traumatisiert.
Auch konnte ein Großteil der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge noch nie ein Leben in Sicherheit und „Normalität“, mit regelmäßiger Essensaufnahme, dem täglichen Schulbesuch und ohne wirtschaftliche Notsituationen, erleben. Diese Kinder fliehen vor der Perspektivlosigkeit in ihrem Herkunftsland oder aufgrund der völligen Zerstörung ihrer Existenzgrundlage. Sie suchen Schutz und eine Lebensperspektive in der Bundesrepublik Deutschland.
Aber was erleben diese unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Deutschland tatsächlich? Nach geltendem Recht stehen ihnen theoretisch wie allen anderen Menschen in Deutschland auch, jene Maßnahmen und Subventionen zu, welche sie vor allem in ihrer speziellen Lebenssituation schützen, fördern und unterstützen sollen. Erfahren diese essenziellen Grundbedürfnisse der unbegleitet minderjährigen Flüchtlinge in Deutschland aber tatsächlich Berücksichtigung? Wie sieht es speziell mit dem Recht auf (Schul-)Bildung aus?
Die vorliegende Hausarbeit setzt sich damit auseinander, inwieweit in Bezug auf die Integrations- und Bildungschancen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland von sozialer Gerechtigkeit gesprochen werden kann und welche Rolle diesbezüglich dem Spannungsfeld zwischen der sozialen Gerechtigkeit, wozu auch die eigentlichen sozialpädagogischen Ziele und Aufträgen der Sozialen Arbeit zählen und den Zuschreibungen und Bedingungen einer ordnungspolitisch bestimmten Zuwanderungspolitik in Deutschland, zu Teil wird?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Rechtsgrundlage für den Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland
1.1. Aufenthaltsstatus
1.2. Inobhutnahme/ Clearingverfahren
1.3. Fazit
2. Spannungsfeld zwischen ordnungspolitischen Rahmenbedingungen und sozialer Gerechtigkeit
3. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und ihre schulischen und beruflichen Bildungs- und Ausbildungschancen
3.1. Schule
3.2. Berufliche Chancen
3.3. Fazit Inklusion vs. Exklusion
4. Fazit
5. Wissenschaftliche Selbstreflexion
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit bei den Integrations- und Bildungschancen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland von sozialer Gerechtigkeit gesprochen werden kann und welches Spannungsfeld sich hierbei zwischen ordnungspolitischen Zuwanderungsbedingungen und sozialpädagogischen Anforderungen der Sozialen Arbeit ergibt.
- Rechtliche Grundlagen und Aufenthaltsstatus von unbegleiteten Minderjährigen
- Die Rolle der Inobhutnahme und Clearingverfahren im SGB VIII
- Herausforderungen im schulischen Bildungssystem und beim Spracherwerb
- Restriktionen beim Zugang zu beruflicher Ausbildung und Arbeitsmarkt
- Soziale Gerechtigkeit versus ordnungspolitische Steuerung
Auszug aus dem Buch
1.1. Aufenthaltsstatus
Der aufenthaltsrechtliche Status von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen stellt sich nach wie vor überwiegend sehr wage dar, da vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen nach § 55-56 Ausländergesetz nur eine Duldung zuteilwird. Eine Duldung verschafft den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen jedoch keinen rechtmäßigen Aufenthalt, sondern ist lediglich Ausdruck dessen, dass aktuell eine Abschiebung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht möglich ist. Eine Duldung bezeichnet demnach eine befristete und ungewisse "Aussetzung der Abschiebung". Alle geduldeten Flüchtlinge können prinzipiell jeden Tag abgeschoben werden – auch minderjährige unbegleitete Flüchtlinge.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es werden die Fluchtursachen von Kindern sowie die Fragestellung nach der tatsächlichen Umsetzung von Bildungs- und Schutzrechten in Deutschland dargelegt.
1. Rechtsgrundlage für den Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland: Das Kapitel analysiert die Bedeutung der UN-Kinderrechtskonvention, den unsicheren Aufenthaltsstatus durch Duldungen sowie die Praxis der Inobhutnahme nach SGB VIII.
2. Spannungsfeld zwischen ordnungspolitischen Rahmenbedingungen und sozialer Gerechtigkeit: Hier wird der Konflikt zwischen den Schutzzielen der Sozialen Arbeit und den ordnungspolitischen Interessen des deutschen Ausländerrechts sowie die Bedeutung des SGB VIII beleuchtet.
3. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und ihre schulischen und beruflichen Bildungs- und Ausbildungschancen: Dieses Kapitel thematisiert die ungleiche schulische Beschulung sowie die Hürden für eine berufliche Integration aufgrund des aufenthaltsrechtlichen Status.
4. Fazit: Das Fazit zieht eine kritische Bilanz, die soziale Ungleichheit und die mangelnde Beteiligungsgerechtigkeit für minderjährige Flüchtlinge feststellt.
5. Wissenschaftliche Selbstreflexion: Die Autorin reflektiert den Prozess der Themenfindung, der Quellenarbeit und die Herausforderungen bei der Strukturierung der Hausarbeit.
6. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Soziale Arbeit, SGB VIII, Inobhutnahme, Bildungschancen, Aufenthaltserlaubnis, Duldung, soziale Gerechtigkeit, Integration, Schule, Berufsausbildung, Diskriminierung, Kindeswohl, Clearingverfahren, Ausländerrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland im Kontext ihrer Bildungs- und Integrationsmöglichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind der rechtliche Aufenthaltsstatus, die Praxis der Inobhutnahme, der Zugang zu Schule und Berufsausbildung sowie das Spannungsfeld zwischen sozialpädagogischen Zielen und ordnungspolitischen Maßnahmen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwieweit kann in Bezug auf die Integrations- und Bildungschancen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland von sozialer Gerechtigkeit gesprochen werden?
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene Gesetzesgrundlagen, Berichte und wissenschaftliche Sekundärliteratur vergleicht und reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rechtsgrundlagen (Aufenthalt, Inobhutnahme), die Analyse des Spannungsfeldes zwischen Ordnungspolitik und Sozialer Arbeit sowie die detaillierte Betrachtung schulischer und beruflicher Ausschlussmechanismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Bildungsungleichheit, soziale Gerechtigkeit, SGB VIII und Aufenthaltsstatus.
Welche Auswirkungen hat der Aufenthaltsstatus auf die Bildung?
Der Status (z.B. Duldung) bestimmt maßgeblich, ob ein Anspruch auf Integrationskurse, Schulbesuch oder eine Ausbildung besteht, was oft zu einer faktischen Bildungsbenachteiligung führt.
Wie steht es um die Rolle der Sozialen Arbeit in diesem Kontext?
Die Fachkräfte in der Sozialen Arbeit agieren in einem schwierigen Spannungsfeld, da sie einerseits unterstützend tätig sind, andererseits aber oft als Exekutoren von ordnungspolitischen Vorgaben fungieren.
- Arbeit zitieren
- Henriette Ortel (Autor:in), 2015, Integrations- und Bildungschancen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/310096