Ist Schreiben tatsächlich nur eine andere Form des Sprechens? Einfach nur das aufzuschreiben, wie man es gerade sagen würde? Erstellt man so tatsächlich Texte?
„S c h r e i b e n“ – das intellektuelle Produktionsmittel des Menschen . Es gehört zu den Grundfertigkeiten, die jeder beherrschen sollte. Besonders Lesen und Schreiben sind und bleiben die zentralen Bausteine einer modernen Allgemeinbildung. Daher wird dieses auch schon in den frühen Kindheits- und auch Schuljahren gelernt.
Es beginnt damit, dass man zuerst seinen eigenen Namen schreibt, dann vielleicht auch noch deren der Eltern und Geschwister. In der Grundschule lernen die Kinder dann „nach und nach“ die Buchstaben des Alphabetes kennen und können diese daraufhin bald zusammensetzen, sodass Wörter entstehen. Aus den gelernten Wörtern entwickeln sich Texte. Doch dieses ist „leichter gesagt bzw. geschrieben, als getan“. Es stellt sich an dieser Stelle die Frage, wie aus Wörtern Texte werden. Was passiert während des Schreibens mit dem Text? Wie werden Ideen, Rückschlüsse, Veränderungen und Neuformulierungen umgesetzt?
Grundsätzlich sieht man als Laie nur den fertigen Text und setzt sich nicht unbedingt mit der Erschaffung eines Textes auseinander. Meistens passiert dieser Vorgang der Textproduktion bei vielen Erwachsenen, aber auch bei Kindern unbewusst. Sodass sie gar nicht merken, wie sie zu diesem Text gekommen sind oder vielmehr, dass dieser Prozess gar nicht signifikant im Vordergrund steht, sondern nur noch das Resultat zentral ist.
Diese schriftliche Arbeit befasst sich mit dem Thema des „Schreibens“, wobei die Produktion von Texten den Kernpunkt einnimmt. Anhand eines ausgewählten Modells werden Inhalte erarbeitet, wie es möglicherweise zu einer Texterschaffung kommt. Die wechselseitigen Prozesse werden thematisiert und im Folgenden auch diskutiert. Da sich Modelle immer nur an einer allgemeinen, nicht individuellen Struktur orientieren, wird das Denkmuster von SuS der vierten Klasse anhand der Textform „Fantasiegeschichte“ genauer betrachtet und analysiert. Ob hier Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen den allgemeinen theoretischen Modellen von den Wissenschaftlern und den individuellen Texten von zufällig gewählten SuS auftreten, bleibt vorerst abzuwarten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Betrachtung des Schreibprozesses anhand von Schreibmodellen
2.1. Schreiben als Prozess, Prozedur und Produkt
2.2. Textmodell Hayes und Flower (1980)
3. Didaktisch- methodische Überlegungen zur Textproduktion in der Grundschule
3.1. Der Einfluss der Schreibforschung auf die Lehrpläne und Rahmenrichtlinien der Grundschule
3.2. Der Wert von Schreibaufgaben, -funktionen und –zielen innerhalb didaktischer Unterrichtskonzeption
3.3. Die Textproduktion bei der „Fantasiegeschichte“ anhand ausgewählter Aufsätze von Grundschülern der vierten Klasse
4. Reflexion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Schreibprozess bei Grundschülern der vierten Klasse unter Anwendung theoretischer Schreibmodelle, um zu analysieren, wie Kinder Texte erschaffen und wie dieser Prozess im Unterricht gezielt gefördert werden kann, um Schreibschwierigkeiten zu minimieren.
- Theoretische Grundlagen des Schreibprozesses (Modell Hayes und Flower)
- Einfluss der Schreibforschung auf schulische Lehrpläne
- Didaktik und Methodik der Textproduktion in der Grundschule
- Analyse und Bewertung individueller Schüleraufsätze (Fantasiegeschichten)
- Optimierungsmöglichkeiten für den Unterricht durch Prozessorientierung
Auszug aus dem Buch
2.2. Textmodell Hayes und Flower (1980)
Hayes und Flower sehen das Schreiben als einen komplexen Problemlöseprozess an, den der Schreiber bewältigen muss. Hierbei gibt es einen Ausgangszustand der zu einem Zielzustand überführt werden soll. Bei diesem Ausgangszustand (z. B. der Interpretation einer Schreibaufgabe) werden Operatoren eingesetzt, die dabei helfen sollen, denn Zielzustand zu erreichen. Solche Operatoren wären: Ziele setzen, Informationen generieren (aus dem Langzeitgedächtnis), Informationen anordnen, Versprachlichen der vorliegenden Informationen und Überarbeiten des bisher formulierten Textes. Diese Schritte müssen durchlaufen werden, um den Zielzustand des Textes zu erreichen.
Diesem Schreibmodell kann ein rekursiver als auch ein dialektischer Charakter zugeordnet werden. So kann zum Beispiel das entstandene Produkt immer wieder darauf überprüft werden, ob es den bestimmten Ansprüchen bzw. Kriterien (z. B. Verständlichkeit für den Leser) entspricht. Sollte dieses nicht der Fall sein, so kann der Schreiber in eine der vorangegangenen Phasen des Textproduktionsprozesses zurückkehren.
Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Hayes und Flower um ein Problemlöseprozess, dessen generelles Problem in Teilprobleme aufgeteilt wird. Diese Teilprobleme bzw. Teilziele sind hier beispielsweise das Sammeln von Ideen, das Anfertigen einer Gliederung oder das spätere Überarbeiten des bisher geschriebenen Textes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Schreibens als komplexes Produktionsmittel ein und definiert das Ziel der Arbeit, Schreibprozesse von Viertklässlern zu analysieren.
2. Betrachtung des Schreibprozesses anhand von Schreibmodellen: Dieses Kapitel erläutert Schreiben als Prozess, Prozedur und Produkt und stellt das kognitive Modell von Hayes und Flower als Problemlöseprozess vor.
3. Didaktisch- methodische Überlegungen zur Textproduktion in der Grundschule: Der Abschnitt diskutiert den Einfluss der Schreibforschung auf Lehrpläne, die Gestaltung von Schreibaufgaben sowie die praktische Analyse von Fantasiegeschichten verschiedener Leistungsniveaus.
4. Reflexion: In der Reflexion wird die Komplexität des Schreibens zusammengefasst und die Notwendigkeit betont, den Prozesscharakter des Schreibens stärker in den Unterricht einzubeziehen.
Schlüsselwörter
Schreibprozess, Textproduktion, Grundschule, Hayes und Flower, Schreibaufgabe, Schreibmodell, Schreibdidaktik, Problemlöseprozess, Schreibkompetenz, Fantasiegeschichte, Schreibförderung, Prozessorientierung, Schreibplanung, Schüleraufsätze.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung des Schreibens in der Grundschule, wobei der Fokus auf dem Prozess der Textentstehung liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind wissenschaftliche Schreibmodelle, die didaktische Umsetzung im Deutschunterricht und die Analyse individueller Textprodukte von Schülern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die kognitiven Prozesse bei der Texterstellung von Schülern zu verstehen, um Lehrkräfte bei der Gestaltung effektiver Schreibförderung zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Modellanalyse sowie eine exemplarische Auswertung von Schüleraufsätzen anhand eines Bewertungsbogens zur Ermittlung des individuellen Lernstandes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Modells von Hayes und Flower sowie in didaktische Überlegungen zur Textproduktion, ergänzt durch die Analyse konkreter Fallbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Schreibprozess, Textproduktion, Schreibförderung, Schreibmodelle und prozessorientierte Schreibdidaktik.
Warum ist das Modell von Hayes und Flower für diese Arbeit so bedeutend?
Es liefert das theoretische Grundgerüst, um Schreiben als kognitiven Problemlöseprozess zu begreifen, der in Teilprozesse wie Planen, Formulieren und Überarbeiten unterteilt werden kann.
Wie unterscheiden sich die drei analysierten Schüleraufsätze?
Die Aufsätze zeigen unterschiedliche Leistungsniveaus: Während eine Schülerin noch grundlegende Schwierigkeiten hat, zeigt ein anderer Schüler bereits fortgeschrittene Fähigkeiten in Strukturierung und Wortwahl.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Bewertung von Texten?
Der Autor plädiert dafür, nicht nur das Endprodukt zu bewerten, sondern den Prozesscharakter des Schreibens stärker in die Beurteilung einzubeziehen, um dem wirklichen Lernfortschritt gerecht zu werden.
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- Isabell Stock (Author), 2013, Die Textproduktion bei Grundschülern. Schreibprozesse und ihr Einfluss auf die Gestaltung des Deutschunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/310043