Da jede Sprache unterschiedliche Determinierer besitzt, unterscheiden sich auch die Möglichkeiten, wann welcher Determinierer auftreten muss und wann das Nomen blank bleiben darf. Letzterem Aspekt wird sich hier zugewendet und geklärt, wann diese blanken Nomen, also „bare nouns“, in den genannten Sprachen auftreten und wann ein Determinierer benötigt wird.
Nach kurzem Einblick in die Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, sowie weitere romanischen Sprachen, werden die Frankokreolsprachen Haitian Creole, Seychelles Creole und Réunionnais Creole auf die Verwendung von bare nouns, sowie deren Referenzarten, Spezifität und Numerus untersucht.
Anschließend werden die Erkenntnisse in einer Korpusanalyse angewendet und die Frage nach Vorlieben in Spezifität und Numerus geklärt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bare nouns in europäischen Sprachen
3. Bare nouns in Frankokreolsprachen
3.1. Réunionnais Creole
3.2. Seychelles Creole
3.3. Haitian Creole
4. Korpusanalyse
5. Conclusion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verwendung und Interpretation von bare nouns (nomen ohne begleitende artikel) in den frankokreolsprachen im vergleich zu ausgewählten europäischen sprachen, um aufzuzeigen, unter welchen bedingungen diese in verschiedenen referenzarten auftreten können. Der fokus liegt dabei insbesondere auf den einsatzmöglichkeiten und den semantischen auswirkungen auf numerus und spezifität.
- Vergleichende analyse von bare nouns in europäischen sprachen (Deutsch, Französisch, Englisch).
- Untersuchung von Réunionnais Creole, Seychelles Creole und Haitian Creole.
- Analyse von referenzarten wie existential, generic und definite reading.
- Empirische korpusanalyse anhand einer transkribierten radiosendung aus dem Haitian Creole.
Auszug aus dem Buch
3.1. Réunionnais Creole
Die erste Kreolsprache ist das auf Französisch basierende Kreol aus der Réunion, einer Insel nahe Madagaskar, genannt Réunionnais Creole. Im RC sind vier verschiedene Möglichkeiten zur Verwendung von Determinierern vorhanden: Definit Indefinit Singular: le/ lo (maskulin); la (feminin) in Plural: le bane, lé in bane Die/ eine der beiden: le koté (d) in koté (d) Dual – Det. („Beide“): lé dé dé.
Der Definit–Determinierer la ist mit dem aus dem Französischen bekannten Determinierer la gleichzusetzen. Allerdings besteht keine Adjektivkongruenz, was bedeutet, dass der Genus der Adjektive nicht angeglichen wird. Da die Wörter des Französischen aus dem 17. Jahrhundert in das RC übernommen wurden, ist ein späterer Genuswechsel (in Französisch) unbedeutsam. So war z.B. der Genus des heutigen le sable/ le poison vor dem 18. Jahrhundert weiblich, weswegen sie bis heute im RC als la sab, bzw. la poizon verwendet werden. Aufgrund der Orientierung des RC am Französischen nehmen häufig auch nicht französische Wörter wegen ihrer Ähnlichkeit zu Polysemen/ Minimalpaaren den weiblichen Artikel an (z.B. la tant (Malagasy: = spezieller Korb) aufgrund der Ähnlichkeit zu la tante (= Tante); la tente (= Zelt)).
Da man das Kreol als direkte Methode, also durch Konversation, erlernte, wurde der Determinierer in einigen Fällen als Teil des Wortes interpretiert. Man spricht hier von Agglutination. Bei dem französischen Wort les épaules [lezepol] wurde die Liaison als Teil des Wortes verstanden. So entstand das kreolische Wort le zépol. Ein weiteres Beispiel wäre lopital, was sich aus dem Französischen l’hôpital [lopital] ableitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die einleitung führt in die fragestellung der artikelverwendung ein und erläutert die methodik des sprachvergleichs zwischen europäischen sprachen und frankokreolsprachen.
2. Bare nouns in europäischen Sprachen: Dieses kapitel vergleicht die verwendungsmöglichkeiten von bare nouns in Deutsch, Französisch und Englisch anhand verschiedener referenzarten wie existential, generic und definite reading.
3. Bare nouns in Frankokreolsprachen: Hier werden die determinierersysteme und bare noun-anwendungen im Réunionnais Creole, Seychelles Creole und Haitian Creole detailliert untersucht.
4. Korpusanalyse: Das kapitel analysiert eine transkription einer radiosendung aus dem Haitian Creole, um die theoretischen erkenntnisse zur verwendung von bare nouns praktisch zu überprüfen.
5. Conclusion: Das fazit fasst die ergebnisse zusammen und stellt fest, dass frankokreolsprachen eine freiere verwendung von bare nouns erlauben als die betrachteten europäischen sprachen.
Schlüsselwörter
Bare nouns, Frankokreolsprachen, Réunionnais Creole, Seychelles Creole, Haitian Creole, Determinierer, Referenzarten, Existential reading, Generic reading, Definite reading, Korpusanalyse, Spezifität, Numerusinterpretation, Sprachvergleich, Morphosyntax.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die arbeit befasst sich mit der linguistischen untersuchung von bare nouns (nomen ohne artikel) und deren interpretation in bezug auf spezifität und numerus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind der vergleich zwischen europäischen sprachen und frankokreolsprachen hinsichtlich der determinierer-verwendung sowie die analyse von referenzarten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, unter welchen bedingungen bare nouns in verschiedenen sprachen auftreten und wie sich ihre interpretation in kreolsprachen von europäischen systemen unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende sprachwissenschaftliche analyse durchgeführt, ergänzt durch eine korpusbasierte untersuchung eines transkripts aus dem Haitian Creole.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der hauptteil deckt sowohl theoretische grundlagen zu bare nouns in europäischen sprachen als auch spezifische fallanalysen zu drei verschiedenen frankokreolsprachen ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige begriffe sind unter anderem bare nouns, Frankokreolsprachen, determinierer, referenzarten und korpusanalyse.
Warum spielt die Agglutination im Réunionnais Creole eine Rolle?
Die agglutination erklärt, warum bestimmte determinierer in der kreolsprache als fester bestandteil von nomen wahrgenommen werden, da sie historisch durch konversation falsch segmentiert wurden.
Was ist das Ergebnis der Korpusanalyse bezüglich der Spezifität?
Die analyse zeigt, dass spezifische bare nouns in der untersuchten stichprobe häufiger im singular auftreten, während nicht-spezifische formen eher im plural vorkommen.
- Arbeit zitieren
- Franz Stiegler (Autor:in), 2015, „Bare Nouns“ in europäischen Sprachen und den Frankokreolsprachen von Réunion, Haiti und den Seychellen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/309907