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Die gewaltsame Zerstörung von Oberföhring. Untersuchung einer Geschichte voller Widersprüche

Title: Die gewaltsame Zerstörung von Oberföhring. Untersuchung einer Geschichte voller Widersprüche

Term Paper , 2015 , 12 Pages , Grade: 2,1

Autor:in: Sebastian Repert (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

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Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte der Stadt München uns insbesondere der Frage: Ist der Brückenbrand von Oberföhring ein Mythos oder wirklich passiert?

Es geht um die Niederbrennung einer Brücke, genauer gesagt der Brücke bei Veringen (dem heutigen Oberföhring) und der Zerstörung der dort ansässigen Marktanlage durch Heinrich dem Löwen. Doch kann es möglich sein dass genau dieser berühmte Teil unserer Stadtgeschichte gar nicht so stattgefunden hat wie bisher vermutet? Ist es sogar möglich dass dieser Akt roher Gewalt nichts in dem Maße mit der eigentlichen Stadtgründung zu tun hat wie immer behauptet wird?

Die Zahl der Historiker die berechtigte Zweifel an der Darstellung dieser Schilderungen äußern, wächst stetig. Besonders der langjährige Mitarbeiter des pädagogischen Instituts des Münchner Stadtmuseums Dr. Freimut Scholz kam bei seinen Nachforschungen zu erstaunlichen Erkenntnissen. Mittlerweile ist das Thema aber keineswegs mehr bloß auf wissenschaftliche Schauplätze begrenzt, sondern auch große Tageszeitungen wie die Süddeutsche Zeitung oder die Abendzeitung scheinen großes Interesse an dem neusten Forschungsstand zur Stadtgeschichte zu zeigen.

In der nachfolgenden Arbeit soll neben einem groben Überblick über die bisherigen Annahmen zur Entstehung von München vor allem auf die neusten Erkenntnisse hinsichtlich des vermeintlich bedeutenden Brückenbrands und der Marktzerstörung eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung der Stadt München

3. Die Zerstörung von Oberföhring – eine Geschichte voller Widersprüche

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die traditionelle Erzählung der Münchner Stadtgründung, insbesondere die historisch verbreitete Darstellung einer gewaltsamen Zerstörung der Marktanlage und Brücke von Oberföhring durch Heinrich den Löwen im Jahr 1158. Ziel ist es, diese Legende anhand der Analyse der zentralen Schriftdokumente – des Augsburger Schieds und des Regensburger Schieds – sowie neuerer historischer Forschungsergebnisse zu hinterfragen und auf ihre Plausibilität zu prüfen.

  • Historische Einordnung der Münchner Stadtgründung im 12. Jahrhundert.
  • Analyse der Rolle von Heinrich dem Löwen und Bischof Otto I. von Freising.
  • Kritische Untersuchung des Augsburger Schieds und des Regensburger Schieds.
  • Hinterfragung der Legende um den Brückenbrand und die Marktzerstörung.
  • Vergleich der traditionellen Geschichtsdarstellung mit neueren Forschungserkenntnissen.

Auszug aus dem Buch

3. Die Zerstörung von Oberföhring – eine Geschichte voller Widersprüche

Die bisher gültige Annahme über die Entstehungsgeschichte der bayrischen Landeshauptstadt habe ich versucht möglichst knapp und prägnant darzustellen. Jahrelang hatte diese Geschichte der Stadtgründung bestand. Doch nicht alle Historiker haben sich mit dieser Geschichtsdarstellung zufrieden gegeben. Allen voran der Historiker Dr. Freimut Scholz setzte sich in den letzten Jahren kritisch mit den bisherigen Erkenntnissen auseinander. Auf den ersten Blick muss man sich natürlich fragen wieso man überhaupt Zweifel an der bisher als Faktum dargestellten Gründungsgeschichte erheben sollte, doch schon bei der genaueren Betrachtung der uns als Augsburger Schied bekannten Urkunde werden einige Fragen aufgeworfen. Warum wird die gewaltsame Zerstörung des Marktes in Föhring nicht explizit darin erwähnt? Und warum wurde der vermeintlich brutale Befehlsgeber des Überfalls dann nicht mit harten Sanktionen bestraft, sondern stattdessen, wie aus dem Augsburger Schied ja eindeutig hervorgeht mit der Regaliennutzung belohnt?

Diese Entwicklungen erscheinen noch widersprüchlicher wenn wir die Person des „Schiedsrichters“ Friedrich Barbarossa näher beleuchten. Er wird als ein Mann beschrieben, der nicht an kriegerischen Auseinandersetzungen interessiert ist wenn auch eine friedlichere Variante gewählt werden könnte. Es wirkt also nicht sehr realistisch, einfach anzunehmen eine derartige Tat würde der Kaiser einfach ungesühnt lassen, zumal in den Schäftlarner Annalen aus dem Jahre 1157, also ein Jahr vor der vermeintlichen Schandtat, noch von der Zeit gesprochen wird, die dort als „Fülle des Friedens“ angepriesen wird. Außerdem galt im Mittelalter die Theorie der „Zwei Schwerter“, wonach der Kaiser eine Rolle als Beschützer der Kirche einzunehmen hatte. Das auch Friedrich sich seiner Position bewusst war, können wir daran erkennen dass der Kaiser in einem Schreiben an den Papst versicherte die Kirche und allen Gefolgsleuten von ihr Schutz zu gewähren. Auch das spricht eindeutig gegen ein „Wegschauen“ des Kaisers, denn einen derartigen Wort- und somit auch Rechtsbruch wird sich der Herrscher kaum geleistet haben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Münchner Stadtgründung ein und stellt die kritische Forschungsfrage nach dem Wahrheitsgehalt der Legende um die gewaltsame Zerstörung von Oberföhring.

2. Die Entstehung der Stadt München: Das Kapitel beleuchtet die historischen Hintergründe und die Rolle von Heinrich dem Löwen sowie Bischof Otto I. von Freising bei der Gründung Münchens im Jahr 1158.

3. Die Zerstörung von Oberföhring – eine Geschichte voller Widersprüche: Hier werden die zentralen Urkunden (Augsburger Schied und Regensburger Schied) analysiert, um die Widersprüchlichkeit der Überlieferung einer gewaltsamen Marktzerstörung aufzuzeigen.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Notwendigkeit, die traditionelle Geschichtsschreibung kritisch zu hinterfragen, da historische Belege für die Legende fehlen.

Schlüsselwörter

Stadtgründung, München, Heinrich der Löwe, Augsburger Schied, Regensburger Schied, Bischof Otto I., Oberföhring, Marktzerstörung, Brückenbrand, Geschichtsforschung, Freimut Scholz, Mittelalter, Regalien, Handelsgeschichte, Historische Kritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Überprüfung der traditionellen Erzählung über die Gründung der Stadt München im Jahr 1158, speziell bezogen auf die vermeintlich gewaltsame Zerstörung der Marktanlage und der Brücke in Oberföhring.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind die mittelalterliche Stadtgründung, der Konflikt um wirtschaftliche Privilegien (Regalien) zwischen Heinrich dem Löwen und dem Freisinger Bischof sowie die historische Quellenauswertung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu hinterfragen, ob die in der Legende beschriebene gewaltsame Zerstörung von Oberföhring tatsächlich stattgefunden hat, oder ob es sich hierbei um eine spätere, historisch nicht belegte Ausschmückung handelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Methode, indem sie die beiden zentralen Dokumente – den Augsburger Schied (1158) und den Regensburger Schied (1180) – auf Basis neuerer historischer Forschungsergebnisse detailliert analysiert und vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der historische Kontext der Stadtgründung, die Machtinteressen der beteiligten Akteure und die widersprüchlichen Aussagen in den überlieferten Urkunden untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Stadtgründung, München, Heinrich der Löwe, Augsburger Schied, Regensburger Schied, Marktzerstörung und historische Quellenauswertung.

Warum spielt der Augsburger Schied eine so wichtige Rolle für das Verständnis der Gründung?

Der Augsburger Schied von 1158 ist das offizielle Dokument, in dem die Gründung Münchens und die Verteilung der Regalien geregelt wurden; er enthält jedoch keine explizite Erwähnung einer Zerstörung des Föhringer Marktes.

Welche Rolle spielt der Regensburger Schied bei der Aufdeckung der Widersprüche?

Der Regensburger Schied von 1180 wird oft fälschlicherweise als Beleg für die Zerstörung des Föhringer Marktes interpretiert, obwohl eine genauere Analyse nahelegt, dass damit eher eine unrechtmäßige Wiederaufnahme des Marktes gemeint ist und nicht die in der Legende beschriebene physische Gewalt.

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Details

Title
Die gewaltsame Zerstörung von Oberföhring. Untersuchung einer Geschichte voller Widersprüche
College
LMU Munich  (Geschichte)
Course
Mittelalterliche Geschichte
Grade
2,1
Author
Sebastian Repert (Author)
Publication Year
2015
Pages
12
Catalog Number
V309856
ISBN (eBook)
9783668081536
ISBN (Book)
9783668081543
Language
German
Tags
München; Geschichte Mittelalter Stadtgründung Quellen Mythos Brücke Brand LMU
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Repert (Author), 2015, Die gewaltsame Zerstörung von Oberföhring. Untersuchung einer Geschichte voller Widersprüche, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/309856
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