Die vorliegende Makro-Analyse offizieller Statistiken des Jahres 2011 zeigt mittels multi-variater Regression, dass die Effekte von Migration auf das Kriminalitätsaufkommen deutscher Stadt- und Landkreise nur schwach, vereinzelt sogar negativ signifikant sind. Zudem wird nachgewiesen, dass andere Faktoren, wie beispielsweise die Armut, im Gegensatz zur Migration einen weitaus größeren Einfluss auf delinquentes Verhalten haben und dieses fördern.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 KONZEPTIONELLER MODELLRAHMEN UND ÖKONOMETRISCHES MODELL
3 DATEN
4 ERGEBNISSE
5 FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die wissenschaftliche Lücke in der statistischen Analyse des Zusammenhangs zwischen Migration und Kriminalität in Deutschland zu schließen. Durch eine multivariate Regressionsanalyse auf Ebene deutscher Stadt- und Landkreise wird untersucht, ob Migration einen signifikanten Einfluss auf verschiedene Deliktsarten ausübt, oder ob andere sozioökonomische Faktoren eine dominierende Rolle spielen.
- Analyse des Einflusses von Migrationskonzepten auf das Kriminalitätsaufkommen
- Differenzierung zwischen verschiedenen Deliktskategorien wie Gewaltverbrechen und Eigentumsdelikten
- Theoretische Einordnung durch etablierte Kriminalitätstheorien (u.a. soziale Desorganisation, ökonomische Theorie der rationalen Wahl)
- Überprüfung sozioökonomischer Einflussfaktoren wie Armut und Arbeitslosenquote
- Vergleich zwischen engem Ausländerbegriff und breitem Migrationshintergrundkonzept
Auszug aus dem Buch
2 Konzeptioneller Modellrahmen und ökonometrisches Modell
Die Theorien zur Kriminalität lassen sich nach Mikro- und Makroebene unterscheiden. Theorien auf Mikroebene erklären Ursachen für Kriminalität mit den Entscheidungen einzelner Individuen. Dagegen erklären Theorien auf Makroebene Kriminalität durch äußere Lebensverhältnisse und Umstände innerhalb derer sich die Individuen bewegen. Im Folgenden werden vier Theorien vorgestellt, die dem Autor vor dem Hintergrund des aggregierten Datenmaterials (Makroebene) besonders geeignet und relevant erscheinen.
Die Theorie der sozialen Desorganisation (Shaw und McKay 1942) beruht in ihrer ursprünglichen Fassung auf drei strukturellen Faktoren: niedriger ökonomischer Status, ethnische Heterogenität sowie Mobilität der Bevölkerung. Diese wurden im Zeitablauf um zwei weitere Faktoren – Familienzerrüttung und Verstädterung – ergänzt (Sampson und Groves 1989).
Die Kernaussage dieser Theorie besteht darin, dass die o. g. Faktoren Kriminalität fördern, indem sie die Lebensverhältnisse und sozialen Strukturen in einer formellen oder informellen Gemeinschaft (z. B. in einem Wohnviertel) negativ beeinflussen. Mit Zunahme der Einwanderung aus einer Vielzahl von Ländern steigt die ethnische Heterogenität. Variablen, die die ethnische Heterogenität in einer Region widerspiegeln können, sind daher der Ausländeranteil bzw. der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Der ökonomische Status kann durch die Arbeitslosenquote (ALQ) oder die Leistungsberechtigtenquote abgebildet werden. Der Faktor Urbanität fließt durch die Unterscheidung zwischen SK und LK in das Modell ein. Die Mobilität der Bevölkerung wird durch eine Wanderungsquote berücksichtigt. Eine hohe Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl bringt möglicherweise gefestigte soziale Strukturen zum Ausdruck.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die Problematik des Zusammenhangs zwischen Migration und Kriminalität ein und formuliert das Ziel der Arbeit, diese durch eine multivariate Regressionsanalyse empirisch zu untersuchen.
2 KONZEPTIONELLER MODELLRAHMEN UND ÖKONOMETRISCHES MODELL: Hier werden theoretische Ansätze zur Kriminalitätsentstehung diskutiert und ein ökonometrisches Modell zur Überprüfung der Hypothesen hergeleitet.
3 DATEN: Dieses Kapitel erläutert die verwendeten Datengrundlagen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik und dem Statistischen Bundesamt sowie die Definition der Migrationskonzepte.
4 ERGEBNISSE: Die empirischen Ergebnisse der Regressionsanalyse werden präsentiert, wobei zwischen verschiedenen Kriminalitätskategorien und deren Einflussfaktoren differenziert wird.
5 FAZIT: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass Migration keinen signifikanten Treiber für Kriminalität darstellt, während andere sozioökonomische Faktoren stärker wirken.
Schlüsselwörter
Migration, Kriminalität, Regressionsanalyse, Stadt- und Landkreise, Polizeiliche Kriminalstatistik, Migrationshintergrund, soziale Desorganisation, ökonomische Theorie, Armut, Arbeitslosenquote, Delinquenz, Gewaltverbrechen, Eigentumsdelikte, Deutschland, sozioökonomische Faktoren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht auf empirischer Basis, ob ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Anteil von Migranten in deutschen Regionen und dem dortigen Kriminalitätsaufkommen besteht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Einfluss von Migration auf unterschiedliche Deliktsarten, die Relevanz sozioökonomischer Rahmenbedingungen sowie der Vergleich verschiedener theoretischer Kriminalitätsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Debatte um Migration und Kriminalität durch eine multivariate Makro-Analyse zu objektivieren und eine fundierte statistische Evidenz für Deutschland zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine multivariate Regressionsanalyse genutzt, um den Einfluss von Migrationsvariablen unter Kontrolle weiterer sozioökonomischer Faktoren auf Kriminalitätsdaten zu isolieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Erläuterung der Datenquellen (PKS und Zensus-Daten) sowie die detaillierte Auswertung und Interpretation der Regressionsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Studie am besten?
Die Studie lässt sich am besten über Begriffe wie Kriminalitätsstatistik, Migration, multivariate Regression, soziale Desorganisation und sozioökonomische Strukturfaktoren beschreiben.
Warum unterscheidet die Arbeit zwischen einem "engen" und einem "breiten" Migrationskonzept?
Diese Differenzierung erlaubt einen präziseren Blick auf die Daten: Während das enge Konzept nur Ausländer umfasst, schließt das breite Konzept alle Personen mit Migrationshintergrund ein, was eine umfassendere Analyse ermöglicht.
Welche Rolle spielen "Städte" (Stadtkreise) im Vergleich zu Landkreisen im Modell?
Die Unterscheidung dient als Proxy für den Faktor Urbanität, um strukturelle Unterschiede in den Lebensbedingungen und dem Kriminalitätsaufkommen zwischen verdichteten Räumen und ländlichen Regionen zu berücksichtigen.
- Quote paper
- Felix Hofmann (Author), 2015, Kriminalität und Migration. Eine empirische Analyse auf Ebene deutscher Stadt- und Landkreise, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/308819