Durch den Beitritt der zehn neuen Mitgliedsländer aus dem mittel- und osteuropäischen Raum am 01.05.2004 hat sich die Bevölkerung der EU um 74 Millionen auf rund 455 Millionen Menschen erhöht. Einerseits wird diese Erweiterung der EU-Länder in der Öffentlichkeit nicht nur unter politischen Aspekten sondern auch mit Blick auf die konjunkturellen und wirtschaftlichen Konsequenzen mit Sorge verfolgt. Anderseits ergeben sich für die Einwanderer aus MOEL und für die Arbeitgeber aus den alten EU-Ländern aufgrund der Freizügigkeit des EU-Binnenmarktes neue berufliche Perspektiven. Deutschland ist in der heutigen Zeit mit mehr als 576 Tausend eingewanderten Bürgern aus den MOEL neben Großbritannien der größte Empfangsstaat von Migranten dieser Sendestaaten. Deshalb ist gerade in der BRD die Thematik, welche Konsequenzen die Zuwanderung von MOEL-Bürgern zukünftig haben wird, von hoher Bedeutung.
Da man zu Beantwortung dieser Frage umfassende empirische Studien durchführen müsste, was im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich ist, wird die Thematik umfassend aus allgemein-theoretischer Sicht dargestellt und an gegebener Stelle mit bereits vorhandenen Studien und Statistiken belegt.
Als Ausgangspunkt dieser Arbeit dient zunächst die Darstellung des gesamthistorischen Kontextes, der zu der gegenwärtigen Situation – insbesondere in Deutschland – geführt hat. Anschließend sind die aus heutiger Sicht entscheidenden Gründe, die zu einer Migrationsentscheidung führen, zu nennen und deren Relevanz unter Berücksichtigung von Statistiken zu deuten. Daraufhin werden insbesondere die kurzfristigen Lohn- und Arbeitsmarkteffekte, die Zuwanderung für den deutschen Markt hat, näher analysiert. In diesem Kontext werden grundlegende Migrationsmodelle zur Erklärung der Beschäftigungs- und Lohneffekte der Einwanderung von Arbeitskräften vorgestellt.
An dieser Stelle ist es wichtig, dass die Effekte von Migration für den deutschen Sozialstaat geschildert werden. Infolgedessen ist es interessant die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Erwerbsbeteiligung von Arbeitskräften aus MOEL in Deutschland zu nennen. Letztlich werden Schätzungsverfahren vorgestellt, mit denen man das Migrationspotenzial messen kann bzw. dieses gemessen wurde. In einem abschließenden Fazit werden die zentralen Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung
3 Historische Grundlagen
3. Migrationserfahrungen der BRD
3..1 Anwerbephase
3..2 Konsolidierungsphase
3..3 Abwehrphase
3..4 Akzeptanzphase
3. Migrationserfahrungen der MOEL in die EU
4 Determinanten für Zuwanderer aus MOEL
4. Wirtschaftliche Determinanten
4..1 Lohn und Einkommensdifferenz
4..2 Wahrscheinlichkeit einer Beschäftigung
4..3 Netzwerke und Verbindungen zu Zuwanderkolonien
4..4 Sozialstaatliche Einrichtungen
4..5 Bestehende Regulierungen des Empfangsstaates
4..6 Demographische Struktur des Sendelands
4..7 Höhe der Wanderungskosten
4. Sozio-kulturelle Determinanten
5 Ökonomische Effekte der Zuwanderung von Arbeitskräften aus den MOEL
5. Grundlegende Migrationsmodelle zur Erklärung der Beschäftigungs- und Arbeitsmarkteffekte der Zuwanderung von Arbeitskräften aus MOEL
5..1 Migration und Vollbeschäftigung: Das Berry-Soligo-Modell
5..2 Migration und Arbeitslosigkeit: Das Harris-Todaro-Modell
5..3 Zusammenfassung und Kritik an beiden Modellen
5. Entstehung kurzfristiger wirtschaftlicher Beschäftigungs- und Einkommenseffekte
5..1 Geschlossene Volkswirtschaft
5..2 Offene Volkswirtschaft
5.4 Effekte der Zuwanderung von Arbeitskräften aus MOEL für den Sozialstaat
6 Gesetzliche Rahmenbedingungen für die Erwerbsbeteiligung von Arbeitskräften aus MOEL in Deutschland
6.1 Rechtliche Grundlagen
6.2 Befristete Beschäftigungsverhältnisse aufgrund bilateraler Vereinbarungen
6.2.1 Gastarbeitnehmer
6.2.1 Saisonarbeitnehmer
7 Schätzverfahren des Migrationspotenzials von Arbeitskräften aus den MOEL-Ländern nach Deutschland
7.1 (Experten-)Befragungen
7.2 Strukturelle (dynamische) Modelle
7.3 Nicht strukturelle Modelle
7.4 Bewertung der Schätzungsverfahren
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der internationalen Migration als potenzielle Lösung für den nationalen Fachkräftemangel in Deutschland, mit einem besonderen Fokus auf die Zuwanderung aus mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL). Das primäre Ziel ist es, die ökonomischen Motive, Arbeitsmarkteffekte und politischen Rahmenbedingungen dieser Zuwanderung auf theoretischer Basis zu analysieren.
- Historischer Kontext der Zuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland
- Wirtschaftliche und sozio-kulturelle Determinanten der Migration
- Analyse der Migrationsmodelle nach Berry-Soligo und Harris-Todaro
- Kurzfristige Beschäftigungs- und Einkommenseffekte für den Sozialstaat
- Bewertung von Schätzverfahren des zukünftigen Migrationspotenzials
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Migration und Vollbeschäftigung: Das Berry-Soligo-Modell
Die einfachste Form der modellhaften Betrachtung von Migrationswirkungen wird durch das Berry-Soligo-Modell dargestellt. Ausgangspunkt ist eine Wirtschaft mit einem einzigen Sektor, deren Arbeitsmarkt als Konkurrenzmarkt formuliert ist. Die völlig flexiblen Löhne sorgen für den Ausgleich von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage, sodass zum herrschenden gleichgewichtigen Lohnsatz der Arbeitsmarkt geräumt ist. Es sei Folgendes angenommen: gibt eine Produktionsfunktion , die zweimal stetig differenzierbar ist und als Input den Produktionsfaktor Arbeit verwendet. Die Beschäftigten sind entweder Inländer oder Migranten sodass gilt Der Produktionsfaktor Kapital wird in dieser Darstellung nicht betrachtet und ist als fix angenommen. Die Zuwanderung ist exogen und begrenzt. Es wird zudem unterstellt, dass Inländer und Migranten homogen in Hinsicht auf die angebotene Arbeit sind. Weiter wird angenommen, dass die Anzahl an Migranten im Inland dem ausländischen Arbeitsangebot entspricht, mithin alle Zuwanderer Arbeit anbieten. Damit wird von der Zuwanderung von Familienangehörigen, die keine Arbeit anbieten, oder Kindern abstrahiert. Aus dieser Annahme folgt, dass
Zu Beginn der Betrachtung ist die Wirtschaft für die Migranten noch nicht geöffnet , das gesamte Einkommen der Inländer ergibt sich daher durch:
Nach der Zuwanderungswelle ergibt sich die folgende Wirkung auf das Inländereinkommen:
Eine Annahme des Grundmodells von Berry-Soligo lautet, dass allein die Inländer Kapital besitzen Aus der Zuwanderung ergibt sich somit als alleinige Wirkung eine Einkommenserhöhung.
Zusammenfassung der Kapitel
2 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Zuwanderung aus mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) in die Bundesrepublik Deutschland ein und skizziert den theoretischen Rahmen sowie den methodischen Aufbau der Arbeit.
3 Historische Grundlagen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die vier Phasen der Zuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland sowie die für die Migration in die EU maßgeblichen historischen Ereignisse.
4 Determinanten für Zuwanderer aus MOEL: Hier werden die vielfältigen wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Motive analysiert, die Zuwanderer dazu bewegen, aus den MOEL in die Bundesrepublik Deutschland zu migrieren.
5 Ökonomische Effekte der Zuwanderung von Arbeitskräften aus den MOEL: In diesem Kapitel werden theoretische Migrationsmodelle wie das Berry-Soligo- und das Harris-Todaro-Modell vorgestellt, um die Beschäftigungs- und Arbeitsmarkteffekte der Zuwanderung zu erklären.
6 Gesetzliche Rahmenbedingungen für die Erwerbsbeteiligung von Arbeitskräften aus MOEL in Deutschland: Es werden die rechtlichen Grundlagen und die bilateralen Vereinbarungen für befristete Beschäftigungsverhältnisse von Arbeitskräften aus den MOEL in Deutschland erläutert.
7 Schätzverfahren des Migrationspotenzials von Arbeitskräften aus den MOEL-Ländern nach Deutschland: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene methodische Ansätze und empirische Studien zur Schätzung des zukünftigen Migrationspotenzials.
8 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Zuwanderungsdeterminanten, Migrationsmodelle und die Einschätzungen zum Migrationspotenzial zusammen.
Schlüsselwörter
Internationale Migration, Fachkräftemangel, MOEL, Zuwanderung, Bundesrepublik Deutschland, Migrationsmodelle, Berry-Soligo-Modell, Harris-Todaro-Modell, Arbeitsmarkt, Beschäftigungseffekte, Sozialstaat, EU-Osterweiterung, Migrationspotenzial, Freizügigkeit, Arbeitserlaubnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern internationale Migration aus mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) dazu beitragen kann, den nationalen Fachkräftemangel in der Bundesrepublik Deutschland zu lindern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung der Zuwanderung in Deutschland, die ökonomischen Motive der Migranten, die theoretische Modellierung von Migrationsfolgen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen der Erwerbsbeteiligung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die ökonomischen Wirkmechanismen der Zuwanderung, wie Lohn- und Beschäftigungseffekte, theoretisch zu durchdringen und die Validität verschiedener Schätzungen zum zukünftigen Migrationspotenzial zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Auswertung bestehender theoretischer Migrationsmodelle sowie die Diskussion bereits vorhandener empirischer Studien und statistischer Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Migrationsgeschichte, die Analyse der wirtschaftlichen und kulturellen Determinanten, die mathematisch-theoretische Herleitung ökonomischer Effekte durch spezifische Modelle sowie die Erläuterung der gesetzlichen Grundlagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Migration, MOEL, Fachkräftemangel, Arbeitsmarkteffekte, Berry-Soligo-Modell, Harris-Todaro-Modell, Migrationspotenzial und EU-Osterweiterung.
Welche Rolle spielt das Berry-Soligo-Modell im Kontext der Analyse?
Es dient dazu, Wohlfahrtsgewinne für die Inländer unter der Annahme von Vollbeschäftigung in einem einfachen Modell abzubilden, wobei die Zuwanderung primär zu Lohnänderungen führt.
Warum wird das Harris-Todaro-Modell als notwendig für die Analyse erachtet?
Im Gegensatz zum BS-Modell berücksichtigt das HAT-Modell explizit die Arbeitslosigkeit in urbanen Sektoren, was für eine realistischere Analyse der Arbeitsmarktsituation in entwickelten Industrienationen als vorteilhafter angesehen wird.
- Quote paper
- Carlo Achenbach (Author), 2015, Internationale Migration als Lösung für nationalen Fachkräftemangel. Die Zuwanderung aus mittel- und osteuropäischen Ländern in die BRD, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/308012