Da Schwangerschaftsabbrüche und Schwangerschaftskonflikte nach wie vor als eine der größten Herausforderungen an die medizinische Ethik aber auch an eine Frau selbst und somit auch die Soziale Arbeit gelten, möchte ich mich im Rahmen der Hausarbeit mit dem Schwangerschaftskonflikt und dem Schwangerschaftsabbruch aus ethischer Sicht befassen.
In dieser Arbeit wird lediglich der Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung betrachtet und nicht ein Schwangerschaftsabbruch nach einer pränatalen Diagnostik. Wie in Punkt 2 erläutert werden wird, gilt die ungewollte Schwangerschaft immer als Ausgangslage für einen Schwangerschaftsabbruch. Deswegen gehe ich in dieser Arbeit auch von einer ungewollten Schwangerschaft aus. Ich möchte den Schwangerschaftskonflikt und den Schwangerschaftsabbruch näher beleuchten und hinterfragen.
Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 715.000 Kinder geboren. Dagegen wurden 99.715 Schwangerschaften mit einem Schwangerschaftsabbruch beendet. Im Jahr 2013 waren es 682.069 Geburten und 102.802 Schwangerschaftsabbrüche. 2012 wurden 673.544 Geburten und 106.815 Schwangerschaftsabbrüche gezählt. Somit stehen den in Deutschland geborenen Kindern 14% bis 16% an Schwangerschaftsabbrüchen gegenüber.
Dass trotz verschiedenster Möglichkeiten immer noch recht viele Schwangerschaften konstant in einer Abtreibung enden, soll hinterfragt werden. Warum ist das so? Welche Hintergründe gibt es und, welche Möglichkeiten um dies zu verändern? Ebenfalls möchte ich die Handlungsmöglichkeiten, die eigene ethische Sicht, aber auch Herausforderungen und Grenzen im Feld der Sozialen Arbeit und für die Sozialarbeiterinnen behandeln. Ich beschränke mich in dieser Arbeit auf die Form der Sozialarbeiterin, da ich trotz einiger Recherche keine Männer in der Schwangerschaftskonfliktberatung finden konnte. Wenn es sich um allgemeine Anforderungen an die Soziale Arbeit und ihre Mitarbeiter handelt, verwende ich beide Formen.
Mit der Definition des Schwangerschaftskonflikts und des Schwangerschaftsabbruchs beginnend in Punkt 1 wird im darauffolgenden Punkt 2 und 2.1. sich mit dem Schwangerschaftsabbruch und den dafür geltenden gesetzlichen Regelungen auseinandergesetzt. In Punkt 2.2 werden mögliche Hintergründe betrachtet, warum sich eine Frau für einen Schwangerschaftsabbruch bzw. gegen ein/das Kind entscheiden. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definitionen
1.1. Schwangerschaftskonflikt
1.2. Schwangerschaftsabbruch
2. Schwangerschaftsabbruch
2.1. Gesetzliche Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch
2.2. Mögliche Ursache/Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch
3. Ethische Sicht auf den Schwangerschaftskonflikt & den Schwangerschaftsabbruch
3.1 Wann beginnt menschliches Leben und wann kommt ihm Würde zu?
3.2 Zusammenfassung
4. Schwangerschaftskonfliktberatung als Handlungsfeld Sozialer Arbeit
4.1. Gesetzliche Grundlagen zur Schwangerschaftskonfliktberatung
4.2. Schwangerschaftskonfliktberatung
4.2.1. Maßnahmen und Möglichkeiten zur Entscheidung für das Kind
4.3. Haltung des Sozialarbeiters / der Sozialarbeiterin in der Schwangerschaftskonfliktberatung und die Position der Sozialen Arbeit
5. Fazit - Schlussfolgerung für die Soziale Arbeit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Perspektive auf Schwangerschaftskonflikte und -abbrüche im Kontext der Sozialen Arbeit. Ziel ist es, die Herausforderungen für Sozialarbeiterinnen in der Beratungsarbeit zu analysieren, insbesondere im Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Vorgaben, dem Schutz des ungeborenen Lebens und dem Selbstbestimmungsrecht der Frau.
- Ethische und moralische Begründungen zum Lebensbeginn und zur Menschenwürde.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Schwangerschaftsabbrüche und Konfliktberatung.
- Untersuchung der Motive für Schwangerschaftsabbrüche und unterstützende Hilfsangebote.
- Reflexion der professionellen Haltung und berufsethischen Prinzipien in der Sozialen Arbeit.
Auszug aus dem Buch
Wann beginnt menschliches Leben und wann kommt ihm Würde zu?
Die Frage, ab wann menschliches Leben beginnt und dem Embryo ein moralischer Status zugesprochen werden kann, macht den Schwangerschaftskonflikt vom intrapersonellen Konflikt zum interpersonellen. Man muss sich die Frage stellen wer oder was außer der Frau von einer Abtreibung betroffen ist? Es geht im Falle eines Schwangerschaftsabbruchs auch immer um ein Lebewesen, das sich im Körper einer werdenden Mutter entwickelt (vgl. Büchner / Kaminski / Löhr, Beckmann 2014, S. 35f).
In diesem Zusammenhang spielt die Frage, ab wann ein Mensch ein Mensch ist eine wesentliche Rolle. Entwickelt sich der Embryo als Mensch oder zum Menschen? Was ist ein Embryo und welchen rechtlichen Status hat er? Wird der Mensch erst Mensch, wenn er angenommen wird? Hat ein ungewolltes Kind kein Lebensrecht? Dies sind die Kernfragen des medizinethischen Problems. Welche mit der Betrachtung der unterschiedlichen Positionen beleuchtet, jedoch nicht endgültig beantwortet werden können und sollen (vgl. Buth/Schirrmacher, 2013, S. 417).
Es liegt in der Natur der Sache, dass die Antworten auf die Frage, wann ein Mensch ein Mensch ist, unterschiedlich ausfallen. Es gibt verschiedene Positionen, zu dem Thema, wann ein Mensch ein Mensch ist oder wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Relevanz für die Soziale Arbeit und des methodischen Vorgehens der Hausarbeit.
1. Definitionen: Klärung der zentralen Begriffe Schwangerschaftskonflikt und Schwangerschaftsabbruch.
2. Schwangerschaftsabbruch: Erläuterung der aktuellen Statistiken sowie der gesetzlichen Regelungen und Hintergründe, die zu einem Schwangerschaftsabbruch führen können.
3. Ethische Sicht auf den Schwangerschaftskonflikt & den Schwangerschaftsabbruch: Intensive philosophische Auseinandersetzung mit Fragen zum Lebensbeginn, der Menschenwürde und den unterschiedlichen ethischen Argumentationslinien.
4. Schwangerschaftskonfliktberatung als Handlungsfeld Sozialer Arbeit: Detaillierte Betrachtung der gesetzlichen Grundlagen der Beratung sowie der Herausforderungen an die Haltung der Sozialarbeiterinnen in diesem speziellen Arbeitsfeld.
5. Fazit - Schlussfolgerung für die Soziale Arbeit: Zusammenfassende Reflexion über die widersprüchlichen Zielsetzungen im Beratungskontext und Ausblick auf notwendige Weiterentwicklungen für die Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
Schwangerschaftskonflikt, Schwangerschaftsabbruch, Soziale Arbeit, Ethik, Beratungsregelung, Lebensschutz, Selbstbestimmungsrecht, Menschenwürde, Embryo, Konfliktberatung, medizinische Ethik, Schwangerschaftskonfliktgesetz, Professionelle Haltung, Hilfsangebote, Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ethischen Dilemmata und praktischen Herausforderungen, mit denen Sozialarbeiterinnen in der Schwangerschaftskonfliktberatung konfrontiert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der medizinischen Ethik (Lebensbeginn, Würde), den gesetzlichen Bestimmungen zur Abtreibung sowie der berufsethischen Haltung von Fachkräften.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu hinterfragen, wie die gesetzlich vorgeschriebene Konfliktberatung mit dem Selbstverständnis und den berufsethischen Prinzipien der Sozialen Arbeit vereinbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene fachliche Positionen und gesetzliche Rahmenbedingungen zueinander in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ethische Grundsatzdiskussion zum Status des Embryos und eine praxisorientierte Analyse des Handlungsfeldes Schwangerschaftskonfliktberatung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Schwangerschaftskonflikt, Selbstbestimmung, Lebensschutz, professionelle Haltung, Beratungsregelung und Menschenwürde.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Beratungsstelle?
Die Autorin stellt kritisch fest, dass die doppelte Anwaltschaft zwischen dem Schutz des ungeborenen Lebens und der Unterstützung der Frau eine enorme Herausforderung an die persönliche Reflexion und fachliche Kompetenz der Beraterin darstellt.
Welche Bedeutung hat das "Argument der Potenzialität"?
Es dient der ethischen Debatte: Es besagt, dass ein Embryo bereits das Prinzip besitzt, sich als Mensch zu entwickeln, was nach einigen Positionen einen besonderen Schutzstatus begründet.
- Arbeit zitieren
- Elisabeth Fischer (Autor:in), 2015, Schwangerschaftskonflikt und Schwangerschaftsabbruch. Ethische Sicht auf ein Handlungsfeld der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/307945