Der Einkauf ist in Abhängigkeit von der Branche für 50 bis 80 % der externen Wertschöpfung verantwortlich. Für ein Produktionsunternehmen ist es daher essentiell den passenden Lieferanten zu finden. Das benötigte Material muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort in der richtigen Menge verfügbar sein. Dies in einer angemessenen Qualität und zu einem möglichst niedrigen Preis. Der Beziehung zu seinen Lieferanten kommt für ein Unternehmen demnach im gesamten Produktionsprozess eine immense Bedeutung zu. Diese Bedeutung wird durch den steigenden Fremdbezugsanteil in jüngster Zeit noch gesteigert. Es stellt sich demnach die Frage welche Strategien für den Einkäufer von heute und morgen sinnvoll sind und im Unternehmensalltag gewinnbringend beziehungsweise kostensenkend eingesetzt werden können.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, gilt es geeignete Methoden zu finden und anzuwenden. Reines Kostendenken ist im Einkauf künftig nicht genug, folglich ist der Einkäufer zukünftig auf weitergehende Ansätze angewiesen. In dieser Arbeit soll ein Überblick über die möglichen Ansätze zur Herangehensweise an diese Problemstellung vermittelt werden. Dabei soll aufgezeigt werden inwieweit die Konzepte der Sourcing Strategien und die der Portfolio-Analyse beziehungsweise deren Kombination dem strategischen Einkäufer behilflich sein können, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Ebenfalls kritisch beleuchtet werden soll dabei speziell das Modell der Wertschöpfungspartnerschaften.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielstellung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Sourcing Strategien
2.1 Grundsätzliches
2.2 Nach Anzahl der Lieferanten
2.3 Nach Herkunft der Lieferanten
2.4 Nach Beschaffungsobjekt
3 Portfolio-Analyse / Normstrategien
3.1 Bedeutung und Herleitung
3.2 Standard Materialien
3.3 Engpass Materialien
3.4 Kernmaterialien
3.5 Strategische Materialien
4 Kombination von Norm- und Sourcing-Strategien
4.1 Mögliche Paarungen
4.2 Risiken von Wertschöpfungspartnerschaften
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, wie produzierende Unternehmen durch eine strukturierte Kombination von Sourcing-Strategien und Portfolio-Analysen ihren Einkauf effizienter gestalten und langfristige Wettbewerbsvorteile durch Wertschöpfungspartnerschaften sichern können.
- Grundlagen und Differenzierung von Sourcing-Strategien
- Methodik der Portfolio-Analyse zur Materialklassifizierung
- Kombinationsmöglichkeiten von Beschaffungs- und Normstrategien
- Analyse der Vorteile und Risiken von Wertschöpfungspartnerschaften
Auszug aus dem Buch
2.4 Nach Beschaffungsobjekt
Die Abgrenzung der Sourcing-Strategien nach dem Beschaffungsobjekt führt zu folgenden Unterscheidungen: Unit Sourcing, Modular Sourcing beziehungsweise System Sourcing.
Beim Unit Sourcing sind die Beschaffungsobjekte in der Regel einteilig, wie etwa Rohstoffe oder Einzelteile mit geringer Komplexität und Wertschöpfung. Diese einteiligen Beschaffungsobjekte werden beim einkaufenden Unternehmen meist weiterverarbeitet und gehen in ein Endprodukt mit ein. Wesentlich ist dabei die Sicherstellung der passgenauen Schnittstellenkompatibilität zu den Produkten des Abnehmers.
Wesentlich weitergehender ist dagegen der Ansatz des Modular Sourcing, da hier komplexe Beschaffungsobjekte (Baugruppen bzw. Module) vom Lieferanten beschafft werden. Die wesentlichen Vorteile ergeben sich aus der Verlagerung des Beschaffungs- und Lagerrisikos, sowie lohnkostenintensiver Montageaktivitäten auf den Modullieferanten. Damit kann sich das beschaffende Unternehmen auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Nachteile ergeben sich aus der Abhängigkeit von einem Lieferanten und damit einhergehendem mangelnden Preis- und Wettbewerbsdruck. Voraussetzung für Modular Sourcing sind daher ein enges, vertrauensvolles und längerfristiges Verhältnis zwischen beschaffender Unternehmung und dem Modullieferanten. Durch den Aufbau von Modullieferanten reduziert sich die Anzahl der Zulieferer erheblich. Dabei wird die logistische Komplexität der Lieferbeziehungen vereinfacht. Dieser Reduktionsprozess ist heute in vielen Unternehmen bereits realisiert. Vorreiter war und ist hierbei die Automobilindustrie wo das Beziehen kompletter Fahrwerks- und Antriebseinheiten (Bremsanlagen, Dämpfungssysteme), Armaturentafeln und Innenausbauten schon länger zum Standardprocedere gehört. Der Modullieferant wird innerhalb der Lieferantenpyramide (Organisationsstrukturform aus Sicht der Automobilhersteller) als Lieferant zweiten Grades bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert die hohe Bedeutung des Einkaufs für produzierende Unternehmen und leitet die Forschungsfrage sowie das Ziel der Arbeit ab.
2 Sourcing Strategien: Dieses Kapitel systematisiert Beschaffungsstrategien nach verschiedenen Kriterien wie Lieferantenanzahl, Herkunft und Art des Beschaffungsobjekts.
3 Portfolio-Analyse / Normstrategien: Es wird die 4-Felder-Matrix zur Klassifizierung von Materialgruppen erläutert und für jede Gruppe eine passende Normstrategie abgeleitet.
4 Kombination von Norm- und Sourcing-Strategien: Hier werden die theoretischen Konzepte verknüpft, um für verschiedene Materialgruppen optimale Sourcing-Ansätze zu identifizieren, mit Fokus auf Wertschöpfungspartnerschaften.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer strategischen, objektiven Herangehensweise an die Lieferantenauswahl zur langfristigen Erfolgssicherung.
Schlüsselwörter
Einkaufsmanagement, Sourcing-Strategien, Portfolio-Analyse, Wertschöpfungspartnerschaften, Lieferantenmanagement, Beschaffung, Materialwirtschaft, Single Sourcing, Modular Sourcing, System Sourcing, Risikomanagement, Wettbewerbsvorteile, Produktionsunternehmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die strategische Neuausrichtung des Einkaufs in produzierenden Unternehmen durch den Einsatz professioneller Beschaffungsmethoden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition und Anwendung von Sourcing-Strategien sowie die klassifizierende Analyse von Beschaffungsgütern mittels Portfolio-Techniken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Unternehmen durch die Kombination von Sourcing-Strategien und Portfolio-Analysen Lieferantenbeziehungen effektiv gestalten können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der systematischen Analyse bestehender Modelle aus dem strategischen Einkaufs- und Lieferantenmanagement.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Sourcing-Arten, die Einordnung von Materialien in eine Portfolio-Matrix und die Herleitung spezifischer Normstrategien.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Typische Charakteristika sind Sourcing-Strategien, strategischer Einkauf, Wertschöpfungspartnerschaften und Lieferantenmanagement.
Warum wird die Automobilindustrie als Beispiel herangezogen?
Sie gilt als Vorreiter für komplexe Sourcing-Konzepte wie das Modular- und System-Sourcing, die heute zunehmend in anderen Branchen Anwendung finden.
Welche Risiken ergeben sich bei engen Wertschöpfungspartnerschaften?
Das Hauptrisiko ist eine starke Abhängigkeit vom Lieferanten und die Gefahr bei dessen Ausfall, weshalb eine objektive Risikoanalyse vor der Partnerschaft essenziell ist.
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- Florian Brinkmann (Author), 2014, Die Entwicklung von Sourcing Strategien im Rahmen von Wertschöpfungspartnerschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/307923