Im Rahmen dieser Arbeit soll Friedrich Daniel Ernst Schleiermachers Werk „Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern“ als religionstheoretisches Modernisierungsprogramm präsentiert und dessen gegenwärtige Bedeutung vorgestellt werden. Zu diesem Zwecke ist es notwendig, zuerst auf die Situation zum Zeitpunkt der Veröffentlichung einzugehen und Schleiermachers biographische Prägung und deren Besonderheiten zu veranschaulichen. Darauf aufbauend sollen seine Reden hinsichtlich ihres Zweckes als Modernisierungsprogramm in den Mittelpunkt gerückt werden. Da die Frage nach der Religion auch heutzutage nicht an Relevanz verloren hat, soll auch die gegenwärtige gesellschaftliche Bedeutsamkeit seines Verständnisses von Religion behandelt werden, um seinen Reden über die Religion zum Schluss eine kritische Würdigung geben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Ausgangslage und Voraussetzungen
2.1.1 Situation zum Zeitpunkt der Reden
2.1.2 Schleiermachers biographische Prägung
2.2 Reden über die Religion
2.2.1 Religion, Metaphysik, Moral
2.2.2 Entdogmatisierung von Glaubensüberzeugungen
2.2.3 Individualisierung und Pluralität
2.2.4 Deinstitutionalisierung von Religion
2.3 Die gegenwärtige Bedeutung der Reden
2.3.1 Religionsauffassung
2.3.2 Interreligiosität und Interkulturalität
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Friedrich Schleiermachers Werk „Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern“ auseinander, um dessen Potenzial als religionstheoretisches Modernisierungsprogramm zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Schleiermachers Verständnis von Religion als subjektive Erfahrung und Gefühl auch heute noch eine bedeutende Antwort auf religiöse und gesellschaftliche Fragestellungen bieten kann.
- Historische Einordnung und biografische Prägung Schleiermachers
- Differenzierung von Religion, Metaphysik und Moral
- Die Entdogmatisierung und Individualisierung des Glaubens
- Herausforderungen der Deinstitutionalisierung von Religion
- Bedeutung für heutigen Pluralismus, Interreligiosität und Interkulturalität
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Individualisierung und Pluralität
Schleiermacher prägt mit seinem Begriff des Universums, welcher „als Korrelat der religiösen Einstellung […] nichts anderes als die Totalitätsdimension des Kontingenten“34 bedeutet, die Verschränkung von Immanenz und Transzendenz. Die höchste Stufe religiösen Bewusstseins ist demnach erreicht, wenn man das Universum „anschaut als Eins und Alles“35, welches „auch ohne die Idee eines Gottes“36 möglich ist. Offenbarung stellt für ihn keinen supranaturalen Macht erweis des göttlichen Absoluten dar, sondern bedeutet vielmehr das Erscheinen des Unendlichen im Endlichen bzw. die Transparenz des Endlichen für das Un endliche.37 Folglich ist das religiöse Erleben als Beziehung auf das Absolute die wechselseitige Anschauung des Unendlichen im Endlichen.38 Alle immanenten Erfahrungen werden in eine Unendlichkeitsperspektive gerückt werden, oder wie Schleiermacher es nennt, den „Sinn und Geschmack fürs Unendliche.“39
Die Vorstellungen dieses Göttlichen haben jedoch im gleichen Maße wie das Unendliche selbst, unendlich viele individuelle Ausprägungen als legitime Folge.40 Diese religiöse Anschauung des Universums in ihrer jeweiligen indivi duellen Ausprägung ist jedoch keineswegs die Begründung dafür sich von ande ren Religionen abzugrenzen. Vielmehr ist nach Schleiermacher einzusehen, dass es religiöse Ansichten gibt, die „eben so fromm sind und doch von den seinigen gänzlich verschieden […]41, denn „im Unendlichen […] steht alles Endliche un gestört neben einander […]“42
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein, wie Religion in einer säkularisierten, vernunftorientierten Welt ihren Platz finden kann, und stellt Schleiermachers Werk als Antwort auf die zeitgenössische Religionskritik vor.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert Schleiermachers Ansatz, Religion von Metaphysik und Moral zu lösen, hin zu einem subjektiven Erlebnis des Universums, und diskutiert dessen Modernisierungspotenzial sowie die Bedeutung für Pluralismus und institutionelle Kirchenkritik.
3. Fazit: Das Fazit würdigt die Reden als eine kämpferisch verfasste, stringente Argumentation, die trotz ihres Alters eine bemerkenswerte Aktualität bewahrt und als Impulsgeber für zeitgenössische religiöse Diskurse dienen kann.
Schlüsselwörter
Friedrich Schleiermacher, Reden über die Religion, Religionsverständnis, Subjektivität, Unendlichkeit, Aufklärung, Moderne, Modernisierungsprogramm, Pluralität, Individualisierung, Entdogmatisierung, interreligiöser Dialog, Glaubensgemeinschaft, religiöses Erleben, Universum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Friedrich Schleiermachers Werk „Über die Religion“ und analysiert dieses als religionstheoretisches Modernisierungsprogramm im Kontext seiner Zeit und hinsichtlich seiner heutigen Bedeutung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung der Religion gegenüber Metaphysik und Moral, die Forderung nach Entdogmatisierung, die Rolle der Individualisierung sowie der Umgang mit religiösem Pluralismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Schleiermachers Verständnis von Religion als subjektive Erfahrung und Gefühl („Sinn für das Unendliche“) kritisch zu würdigen und zu zeigen, wie dieses Modell zur Bewältigung gegenwärtiger Herausforderungen beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und theologiegeschichtliche Analyse, die Schleiermachers Text unter Berücksichtigung historischer Kontexte und wissenschaftlicher Sekundärliteratur interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der historischen Ausgangslage, die systematische Analyse der „Reden“ sowie die Reflexion über deren gegenwärtige Bedeutung für Interreligiosität und die Stellung der Kirche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Schleiermacher, Religionsverständnis, Subjektivität, Modernisierung, Individualisierung, Pluralität und interreligiöser Dialog.
Wie unterscheidet Schleiermacher Religion von Metaphysik und Moral?
Schleiermacher argumentiert, dass Religion nicht aus vernünftigen Beweisen (Metaphysik) oder ethischen Handlungsanweisungen (Moral) besteht, sondern eine eigene Provinz des Gemüts ist, die auf einer unmittelbaren Empfänglichkeit für das „Universum“ gründet.
Wie reagiert Schleiermacher auf den Atheismusstreit seiner Zeit?
Anstatt Gott als rational beweisbares Objekt zu verteidigen, verlagert er den Fokus auf die Unmittelbarkeit des religiösen Erlebens, wodurch die Religion immun gegenüber dogmatischen Angriffen gemacht wird.
Warum hält Schleiermacher organisierte Kirchenstrukturen für problematisch?
Er kritisiert, dass Kirchen ihre Mitglieder oft zu religiöser Passivität erziehen und durch das Übermaß an Dogmen den eigentlichen Zweck der gegenseitigen religiösen Kommunikation behindern.
Kann Schleiermachers Ansatz heute noch für interreligiöse Arbeit genutzt werden?
Ja, da er das Bewusstsein schärft, dass die eigene religiöse Anschauung nur ein Teil des Ganzen ist, was ein respektvolles und tolerantes Nebeneinander unterschiedlicher religiöser Positionen ermöglicht.
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- Anonym (Author), 2014, Schleiermachers religionstheoretisches Modernisierungsprogramm in seinem Werk „Über die Religion“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/307830