Rechtsextremismus ist ein sehr vielschichtiges Phänomen, welches längst nicht mehr nur die Randgruppen betrifft. Das organisierte rechtsextreme Netzwerk nimmt nicht ab, sondern eher zu, obwohl der Pogrom gegen die jüdische Minderheit über 70 Jahre zurückliegt. Was kann man daraus schließen? Sind die Schatten der Vergangenheit noch immer nicht gebannt?
In der folgenden Ausarbeitung geht es darum, zu verdeutlichen, was der Begriff Rechtsextremismus bedeutet und worin die Ursachen in solchen extremen Einstellungen liegen. Man kann es nicht leugnen: Rassismus ist trotz des Untergangs des nationalsozialistischen Systems ein Teil der politischen und sozialen Realität in Deutschland und stellt bis heute noch immer eine wirkliche Gefahr dar. Voreingenommene Haltungen und diskriminierendes Verhalten führen zu grausamen Gewaltverbrechen.
Eine der schlimmsten Mordserien mit rechtsextremen Hintergrund, welche die Bevölkerung erschütterte und die Polizei vor ein Rätsel stellte, war die des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) von 2001- 2006. Neun Männer mit Migrationhintergrund und eine Polizistin fielen diesem zum Opfer. Bis zum Ende des Jahres 2011 konnten diese Taten nicht auf die rechtsextreme Organisation zurückgeführt werden. Die Neonazi- Gruppe konnte ungehindert zahlreiche Morde begehen. Wie ist das möglich? Wird der Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft verdrängt oder gar verharmlost?
Zu Beginn dieser Arbeit wird versucht, den Begriff Rechtsextremismus zu definieren, um anschließend Merkmale und Ursachen zu beleuchten. Es gilt, heraus zu finden, wie aus „Kindern“ der Mittelschicht kaltblütige Killer werden können, so wie es bei dem NSU-Trio der Fall war. Wie kann über ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des zweiten Weltkriegs solch brutaler rechter Terror gedeihen? Gibt es Antworten auf diese Fragen?
Ein weiterer Bestandteil der Ausarbeitung ist der Blick auf die thüringische Universitätsstadt Jena. Hierbei sollen, mit Hilfe eines Einblicks in die Vergangenheit, Antworten darauf gefunden werden, warum die Akzeptanz von Neo-Nazis in vielen ostdeutschen Gegenden so hoch ist. In einem letzten Schritt geht es überwiegend um den Nationalsozialistischen Untergrund und dessen Taten. Wie konnte das Trio so lange Zeit unerkannt im Untergrund leben? Wie sind Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, welche das Trio bildeten, aufgewachsen? Gab es schon in ihrer Kindheit Auffälligkeiten und Verbindungen zum rechten Netzwerk?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeiner Teil
2.1 Rechtsextremismus- eine Definition
2.2 Merkmale von Rechtsextremismus
2.3 Ursachen von Rechtsextremismus
3. Der Nationalsozialismus in Jena- ein Beispiel in Thüringen
4. Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU)
4.1 Das Trio
4.1.1 Beate Zschäpe
4.1.2 Uwe Mundlos
4.1.3 Uwe Böhnhardt
4.2 Leben im Untergrund
4.3 Verbrechen
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, den Begriff des Rechtsextremismus zu definieren und dessen Ursachen sowie Ausprägungen zu untersuchen. Dabei wird insbesondere analysiert, wie sich radikale Einstellungen entwickeln, welche Rolle das soziale Umfeld dabei spielt und wie die rechtsextreme Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) über Jahre hinweg unentdeckt agieren konnte.
- Definition und Merkmale des Rechtsextremismus
- Soziologische und individuelle Ursachen rechtsextremer Einstellungen
- Die historische und gesellschaftliche Situation in Jena im Kontext des Rechtsextremismus
- Analyse der Entstehung und Radikalisierung des NSU-Trios
- Hintergründe der Mordserie des NSU und das Versagen der Sicherheitsbehörden
Auszug aus dem Buch
4.1 Das Trio
„Mundlos ist der Kluge, Zschäpe das hübsche Mädchen und Böhnhardt der Mann fürs Grobe.“ (Fuchs/Goetz 2012: 69)
Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sind in Jena aufgewachsen und haben sich dort in einem Jugendclub im Stadtteil Winzerla kennen gelernt. Dort radikalisierten sie sich bis 1993 in eine neo-nazistische Richtung. Die Wände waren mit Hakenkreuzen versehen, die Musik animierte, um rechte Parolen zu rufen und Bomberjacken gehörten zum täglichen Auftreten dazu. Bereits 1996 nahmen alle drei an einer Demonstration zum Gedenken an Rudolf Heß teil. Doch wer waren diese Menschen wirklich? Gab es bereits in ihrer Kindheit alarmierende Auffälligkeiten? Wann war der Absturz in die rechtsradikale Szene?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des wachsenden Rechtsextremismus ein und stellt die Relevanz der Untersuchung des NSU-Komplexes dar.
2. Allgemeiner Teil: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Grundlage, indem es den Begriff des Rechtsextremismus definiert und die Merkmale sowie Ursachen dieses Phänomens erörtert.
3. Der Nationalsozialismus in Jena- ein Beispiel in Thüringen: Das Kapitel betrachtet die historische Entwicklung der Stadt Jena im Nationalsozialismus, um die regionale Akzeptanz rechtsextremer Tendenzen besser einordnen zu können.
4. Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU): Dieser Hauptteil analysiert die Entstehung des NSU, die Biografien der drei Mitglieder sowie die Vorgehensweise ihrer Mordserie und ihr Leben im Untergrund.
5. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, der Gefahr rechtsextremer Gewalt auf gesamtgesellschaftlicher Ebene entgegenzutreten.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Nationalsozialistischer Untergrund, NSU, Radikalisierung, Neonazismus, Terrorismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Jena, Mordserie, Politische Kultur, Gewalt, Demokratiefeindlichkeit, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Rechtsextremismus in Deutschland, wobei der Schwerpunkt auf der Untersuchung der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Definition und Ursachenforschung von Rechtsextremismus, die lokale Bedeutung des Nationalsozialismus in Jena sowie die detaillierte Betrachtung der Hintergründe und Verbrechen des NSU.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den gegenwärtigen Rechtsextremismus zu definieren und zu verstehen, wie es zu extremen Einstellungen kommt, die schließlich in tödliche Gewalt umschlagen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literatur- und Quellenanalyse, um Begriffe, historische Hintergründe und die Biografien der NSU-Mitglieder wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse des Trios (Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt), deren Radikalisierung im Umfeld von Jena, ihrem Leben im Untergrund und der Chronologie ihrer Verbrechen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Rechtsextremismus, NSU, Radikalisierung, Neonazismus, Terrorismus sowie das soziologische Umfeld der Täter.
Welche Rolle spielt der „Winzerclub“ in der Biografie des Trios?
Der Winzerclub im Jenaer Stadtteil Winzerla wird als der zentrale Ort der Radikalisierung beschrieben, an dem sich Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt kennenlernten und gemeinsam in die neonazistische Szene abrutschten.
Wie konnte das Trio so lange unerkannt bleiben?
Das Trio nutzte Tarnidentitäten und ein unauffälliges Auftreten als „normale Nachbarn“, während die Sicherheitsbehörden die Mordserie zunächst nicht in einen rechtsextremen Kontext einordneten, sondern in kriminellen Milieus suchten.
- Arbeit zitieren
- Luisa Eichhorn (Autor:in), 2015, Rechter Terror und Rechtsextremismus in Deutschland. Die Mordserie des NSU, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/306048