Oft wird uns der Eindruck vermittelt, dass unsere Gesellschaft keine wirklichen Tabus mehr kennt. Die Medien sind voll von Menschen, die über intimste Dinge berichten und diskutieren. Sie reden offen über ihre Sexualität und ihre Wünsche und es entsteht der Eindruck, als könne man ohne Probleme darüber sprechen.
Ich bezweifele, dass unsere Gesellschaft wirklich so offen ist, wie sie in den verschiedensten Medien dargestellt wird.
Durch aktuelle Medienberichte bin ich auf das Thema Sexualität und Behinderung aufmerksam geworden. In den Schlagzeilen ist zu lesen, dass es in einer Einrichtung für behinderte Menschen zu sexuellen Kontakten gekommen sein soll, wofür sich die Betroffenen haben bezahlen lassen.
Viele Stimmen wurden laut, wie Menschen mit einer Behinderung überhaupt Sexualität haben und leben können. Ich möchte nicht weiter auf die Schlagzeile und damit verbundene Reaktionen eingehen, das Thema hat mich aber zum nachdenken gebracht.
Die Menschen mit einer geistigen Behinderung in einer Wohneinrichtung sind in vielerlei Hinsicht den Betreuern, ihren Normen und Werten ausgeliefert. In wie weit ist es für sie möglich ihre Sexualität zu leben? Und vor welchen Problemen könnten sie stehen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben
2.1.Sexuelle Selbstbestimmung
2.2. Probleme und Vorurteile
3. Was kann man tun
3.1.Aufklärung
3.2.Die Rolle der Betreuer
3.3. Sexualbegleitung
3.3.1. Passiv
3.3.2. Aktiv
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten zur Wahrung der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung in Wohneinrichtungen. Dabei liegt der Fokus auf der Identifikation struktureller und gesellschaftlicher Barrieren sowie auf der Darstellung konkreter Unterstützungsansätze wie Aufklärung und Sexualbegleitung.
- Sexuelle Selbstbestimmung als fundamentales Menschenrecht
- Gesellschaftliche Vorurteile und strukturelle Hindernisse in Wohneinrichtungen
- Bedeutung professioneller Sexualerziehung und Aufklärung
- Die Rolle der Betreuungskräfte in der Begleitung intimer Bedürfnisse
- Methoden und Formen aktiver sowie passiver Sexualbegleitung
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Passiv
„ Passive Hilfe bedeutet, konkrete Voraussetzungen für Sexualität zu schaffen [...] oder auch bezüglich sexueller Praktiken aufzuklären und zu beraten.“ (Krenner 2003: 34)
Erinnern wir uns an die Definition von Sexualität in Kapitel 2.1 von der Weltgesundheitsorganisation und verbinden ihn mit den obigen Satz, heißt er viel mehr als man auf den ersten Blick vermutet. Denn konkrete Voraussetzungen für Sexualität zu schaffen meint dann nicht nur das rein sexuelle, sondern wirkt sich auch auf weitere Lebensbereiche aus, so auch in der passiven Sexualbegleitung. Es umfasst zum Beispiel die richtige Körperpflege der betroffenen Personen. Eine Sexualbegleitung kann aufzeigen was nötig ist um sich im eigenen Körper wohl zu fühlen, wie man sich richtig an verschiedenen Körperstellen rasiert und pflegt oder sie kann helfen Dessous zu finden.
Auch kann sie helfen in der allgemeinen Planung von Sexualität. Wo gibt es Freiräume, wo können die Menschen hin, wenn sie in einem Doppelzimmer leben und wann ist dafür eigentlich Zeit. (vgl. Krenner 2003: 34-35)
Für diese alltäglichen Dinge wäre es nicht unbedingt notwendig eine Sexualbegleiterin zu engagieren, doch wie schon erwähnt, hängt die sexuelle Selbstbestimmung oft mit der Einrichtung und den dort tätigen Mitarbeitern zusammen. Eine außenstehende Person kann die Dinge ganz anders sehen und beurteilen. Sie kann Betroffenen helfen die Sicht der Dinge zu verändern und zu verbessern, sich der eigenen Wünsche bewusst werden.
Passive Sexualbegleitung umfasst aber auch noch anderes. Sie hat eine informierende und beratende Rolle in welcher Fragen auch bis ins kleinste Detail gestellt werden dürfen. Auch können sie helfen Klienten anzuleiten den eigenen Körper kennen zu lernen. Ebenso kann sie eine vermittelnde Rolle haben, zum Beispiel an Prostituierte oder Callboys falls gewünscht. (vgl. Krenner 2003: 35)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Wahrnehmung von Sexualität bei behinderten Menschen und legt den Fokus auf die Abhängigkeitsverhältnisse in Wohneinrichtungen.
2. Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Selbstbestimmung und analysiert, warum Menschen mit Behinderungen im Alltag häufig in ihrer Autonomie eingeschränkt sind.
2.1.Sexuelle Selbstbestimmung: Hier wird anhand der WHO-Definition erläutert, wie essenziell sexuelle Gesundheit für das allgemeine Wohlbefinden ist.
2.2. Probleme und Vorurteile: Das Kapitel arbeitet die Barrieren auf, die durch familiäre Prägungen, gesellschaftliche Stigmatisierung und institutionelle Wohnstrukturen entstehen.
3. Was kann man tun: Dies ist der praktische Teil, der aufzeigt, dass Menschen mit Behinderung die gleichen Möglichkeiten zur sexuellen Entfaltung zustehen wie allen anderen.
3.1.Aufklärung: Hier werden Anforderungen an eine erfolgreiche sexuelle Aufklärung definiert, etwa durch den Einsatz von leichter Sprache und anschaulichen Modellen.
3.2.Die Rolle der Betreuer: Dieses Kapitel thematisiert die Verantwortung der Fachkräfte, ihre eigenen Normen zu reflektieren und Offenheit im Umgang mit Sexualität zu zeigen.
3.3. Sexualbegleitung: Es wird die Notwendigkeit der Sexualbegleitung als Unterstützung für Menschen mit geistiger Behinderung eingeführt.
3.3.1. Passiv: Erläutert die beratende und unterstützende Rolle der Sexualbegleitung bei der Schaffung von Rahmenbedingungen.
3.3.2. Aktiv: Beschreibt konkrete körpernahe Hilfestellungen und Begleitungsangebote bei der Ausübung von Sexualität.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine aktive Unterstützung der Selbstbestimmung durch adäquate Hilfsmittel.
Schlüsselwörter
Sexualität, geistige Behinderung, Selbstbestimmung, Wohnheim, Sexualbegleitung, Aufklärung, Betreuer, sexuelle Gesundheit, Privatsphäre, Vorurteile, Teilhabe, sexuelle Bildung, Assistenz, Lebensqualität, Körperbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung in stationären Wohneinrichtungen zu gewährleisten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Selbstbestimmung, die Analyse gesellschaftlicher und struktureller Barrieren sowie Methoden der professionellen Unterstützung durch Aufklärung und Sexualbegleitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Probleme aufzuzeigen, die Menschen mit Behinderungen den Zugang zu einem selbstbestimmten Sexualleben erschweren, und positive Lösungsansätze zu präsentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse relevanter Fachquellen, um den aktuellen Wissensstand zum Thema Sexualität und Behinderung darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden rechtliche Grundlagen, soziale Vorurteile, die notwendigen Anforderungen an Aufklärungsangebote sowie die Aufgaben von Betreuern und das Konzept der Sexualbegleitung detailliert ausgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Sexualität, geistige Behinderung, Selbstbestimmung, Sexualbegleitung und institutionelle Teilhabe charakterisieren.
Warum spielt die Wohnstruktur eine so große Rolle für die sexuelle Selbstbestimmung?
Die Wohnstruktur, insbesondere Doppelzimmer und fehlende Privatsphäre, schränkt die Möglichkeit zur intimen Entfaltung ein, da Bewohner den Blicken und Urteilen von Betreuern oder Mitbewohnern unmittelbar ausgesetzt sind.
Was unterscheidet aktive von passiver Sexualbegleitung?
Die passive Sexualbegleitung fokussiert auf Beratung, Planung von Rahmenbedingungen und Aufklärung, während die aktive Sexualbegleitung physische Hilfestellungen und die Begleitung in sexuelle Situationen umfasst.
Welche Bedeutung hat das Zitat vom "Zwerg und der Leiter"?
Es verdeutlicht, dass Chancengleichheit nicht bedeutet, allen die gleichen Voraussetzungen zu bieten, sondern gezielte individuelle Unterstützung (die "Leiter") bereitzustellen, damit jeder sein Recht auf Selbstbestimmung wahrnehmen kann.
- Arbeit zitieren
- Franziska Kraus (Autor:in), 2013, Sexualität und geistige Behinderung. Wie kann Selbstbestimmung gefördert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/305602