Die Kamera wird umgedreht: Deodatos außergewöhnliches Werk Cannibal Holocaust (dt. Nackt und zerfleischt) gilt als besonders kontrovers und wurde oft in der Vergangenheit diskutiert. Auch heute noch löst dieses abscheuliche Kunstwerk Ekel beim Zusehen aus. Oberflächlich betrachtet handelt es sich um einen blutrünstigen Kannibalenfilm, der von Splatter und Goreszenen wimmelt. Diese vereinfachte Betrachtung wird der Sache aber nicht ganz gerecht. Schaut man unter die Oberfläche entdeckt man einen zutiefst medienkritischen und komplexen Film.
In diese Rezension begebe ich mich essayistisch ebenfalls in das "Grüne Inferno", um der Frage nachzugehen, wer der wirklich "Wilde" ist und wie Deodato es schafft Medienskepsis im Zuschauer wasch zu rütteln sowie an der Definition des "Dokumentarfilmes".
Inhaltsverzeichnis
α) Kleines Vorwort
β) Rezension
γ) Verwendete Medien
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert Ruggero Deodatos Film "Nackt und zerfleischt" hinsichtlich seiner medienethischen Implikationen und seiner Rolle als Mockumentary, um die Konstruktion von Authentizität und die voyeuristische Rolle des Zuschauers zu hinterfragen.
- Analyse von Medialität und Authentizität in "Nackt und zerfleischt"
- Vergleich der Mockumentary-Struktur mit "The Blair Witch Project"
- Untersuchung von Voyeurismus und Konsum von Gewalt im Film
- Kritische Reflexion der Rolle des Publikums als metaphorische Kannibalen
- Evaluation von Medienethik und Skepsis gegenüber visuellen "Speicherungen"
Auszug aus dem Buch
Das Objekt wird zum kannibalischen Subjekt
Das Kannibalen-(Ur-)Motiv zieht sich von Anfang an durch die literarischen und postalischen Medien. Seinen Höhepunkt aber erreicht es mit Mondo Cannibale von 1972 (auch wenn der Ursprung dieser Exploitationfilme, also Filme, die besonderen Wert auf rohe Gewalt und Ausbeutung legen, schon in den 60er ankert). Doch vielleicht steckt schon allein im dem Begriff „Exploitationfilm“, von to exploit (ausbeuten), ein wichtiger Verweis darauf, um was es wirklich geht: Um Konsum und Ethik bzw. um die Evaluieren von dieser immerhin noch immer konsumierbaren – schließlich wurde und wird sie ja angesehen – „Gewalt“ in gleichzeitiger Selbstreflexivität bzw. mit Verweis auf die eigene Medialität.
Mit Nackt und zerfleischt zeichnet sich allerdings etwas ab – eine Wendepunkt –, das genau unter die Lupe genommen werden kann: Anfang der 80er fängt das Konstrukt des kannibalischen und primitiven Monsters mit dem Knochen im Haar an zu bröckeln und dies hängt bei Deodato nicht nur mit der narrativen Ebene zusammen: Tatsächlich gibt Cannibal Holocaust vor eine Mischform aus Kannibalenfilm und Dokumentation zu sein, da er in zwei Teile geteilt ist. Diese so realistisch anmutenden Bilder sollen bewusst etwas suggerieren: Vorgetäuschte Authentizität – ein Topos der Zeit, und dies tun sie auch noch heute wirkungsvoll, doch die Entlarvung geht so weit, dass sich die Bilder ins „eigene Fleisch“ schneiden, sich selbst entlarven. Doch zunächst zum Inhalt.
Zusammenfassung der Kapitel
α) Kleines Vorwort: Dieses Kapitel führt in die Genre-Problematik von Deodatos Werk ein und stellt Bezüge zu anderen Mockumentaries wie "The Blair Witch Project" her, um die mediale Konstruktion von Realität zu beleuchten.
β) Rezension: Hier wird der Film inhaltlich analysiert, wobei der Fokus auf dem Kannibalen-Motiv, der Rolle des Kamerateams und der Kritik am Voyeurismus sowie der ethischen Verantwortung des Konsumenten liegt.
γ) Verwendete Medien: Dieses Kapitel listet die für die Analyse herangezogenen Filme und Internetquellen auf.
Schlüsselwörter
Nackt und zerfleischt, Cannibal Holocaust, Ruggero Deodato, Mockumentary, Medienethik, Authentizität, Voyeurismus, Exploitationfilm, Medialität, Kannibalismus, Gewalt, Dokumentation, Filmtheorie, Rezeption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine medienwissenschaftliche Rezension des Films "Nackt und zerfleischt" und untersucht, wie der Film durch seine spezifische Form als Mockumentary ethische Fragen zur Darstellung von Gewalt aufwirft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Konstruktion von Authentizität in Dokumentationen, die Kritik am Konsum von voyeuristischen Inhalten und die Analyse des Exploitation-Genres.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Deodatos Film als eine kritische Reflexion über Medialität und die eigene Verantwortung des Zuschauers im Umgang mit schockierenden Bildern zu dekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche Text- und Inhaltsanalyse, die durch den Vergleich mit anderen Werken des Genres und medientheoretische Reflexionen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der narrativen Struktur des Films, der Rolle des Anthropologen und der Demontage des "primitiven Monsters" zugunsten einer Entlarvung der westlichen "zivilisierten" Akteure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Medienethik, Mockumentary, Authentizität, Voyeurismus und Medialität definiert.
Wie unterscheidet der Autor zwischen dem "Kannibalen" im Film und dem Zuschauer?
Der Autor argumentiert, dass der Zuschauer zum "metaphorischen Kannibalen" wird, da er gierig nach Gewaltbildern konsumiert und damit die Produktion solcher Bilder erst provoziert.
Welche Funktion hat das Filmmaterial im Kontext der Handlung?
Das Filmmaterial dient als "objektiver" Zeuge und letzte Spur der Verschwundenen, wird jedoch durch die filmische Inszenierung als fragwürdiges und manipuliertes Konstrukt entlarvt.
- Arbeit zitieren
- Paul Parszyk (Autor:in), 2012, "Nackt und zerfleischt" von Ruggero Deodato. Medienethik und -skepsis dokumentieren?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/305518