Ist Kreativität alles – oder nur die übliche Methodenkompetenz?
Ein Problem erst einmal erfassen und formulieren zu können, ist manchmal entscheidender, als seine Lösung zu finden. Aber was hat nun Kreativität mit Problemformulierung, -lösung und Organisationsberatung zu tun?
Es existiert die weitverbreitete Annahme, dass Organisationsberater Spezialisten für den Einsatz von technokratischen Methoden sind. Doch können sie auch kreative Prozesstreiber sein?
In diesem Essay soll es um den Begriff der Kreativität und die Frage nach den Beziehungen zwischen Handlungskompetenzen in der Organisationsberatung und kreativen Prozessen gehen.
Kreativität erscheint dabei zunächst als ein schillerndes und schwer bestimmbares Phänomen. Und in der Tat weiß man bis heute nur wenig über die entscheidenden Rahmenbedingungen und ihre Interdependenzen, obwohl Kreativität mittlerweile fester Bestandteil von Anforderungsprofilen in der Arbeitswelt ist. Umso mehr lohnt sich die Auseinandersetzung damit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kreativität als Prozess und Systemmodell
2.1 Systemmodell der Kreativität
2.2 Synergetischer Beratungsprozess
3. Kreativität und Handlungskompetenz als Metakompetenz
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Kreativität im Kontext der systemischen Organisationsberatung und geht der Frage nach, inwiefern ein kreativer Prozess mit dem professionellen Beratungsprozess korrespondiert. Ziel ist es, Kreativität als zentrale Metakompetenz des Beraters zu definieren, die über die reine Anwendung technokratischer Methoden hinausgeht und als wesentlicher Treiber für Selbstorganisationsprozesse in Organisationen fungiert.
- Beziehung zwischen Kreativität und systemischer Beratung
- Kreativität als "sinnvolle Neuartigkeit" in Beratungsprozessen
- Systemmodell der Kreativität nach Csíkszentmihályi
- Verzahnung von Handlungskompetenz und Kreativität als Metakompetenz
- Bedeutung der intrinsischen Motivation und Selbstorganisation
Auszug aus dem Buch
Das Systemmodell von Csíkszentmihályi als Brücke
Das Systemmodell von Csíkszentmihályi dient an dieser Stelle als eine weitere Verständnis-Brücke zwischen der systemischen Organisationsberatung und kreativen Prozessen. Prozessual orientiert sich das Systemmodell am Grundmodell des kreativen Prozesses von Graham Wallas aus dem Jahr 1926 (Sonnenburg, 2012:25 f.). Es gliedert den kreativen Prozess in die Phasen Präparation, Inkubation, Illumination und Verifikation. Csíkszentmihályi ergänzt hier nach der Präparation noch die Problemlösung als eigenständige Phase.
Morris Stein modifizierte den Ansatz weiter, indem er auch die soziokulturelle Dimension des kreativen Prozesses, also die Bewertung, Würdigung und Akzeptanz nach dem Prozessschritt Verstehen, thematisierte (Sonnenburg, 2012:27). Damit rücken die Assoziationen zur sinngebenden Beratung immer wieder in den Mittelpunkt. Und auch die Ähnlichkeit von kreativen Prozessen und Organisationsberatungsprozessen in ihrer offenen und komplexen Aufgabenstellung und ihren intensiven und unbewussten Vorgängen wird dadurch bewusster und verständlicher (Sonnenburg, 2012:28).
Diese Prozessauffassung entspricht wiederum der systemischen Schleife zur Etablierung von Klarheit und Verständnis im Organisationsberatungsprozess durch Informationssammlung, Hypothesenbildung, Interventionsplanung und Interventionsdurchführung als Meta- und Subprozess an sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen Kreativität und den Handlungskompetenzen in der Organisationsberatung.
2. Kreativität als Prozess und Systemmodell: Dieses Kapitel erläutert theoretische Modelle der Kreativität, insbesondere das Systemmodell von Csíkszentmihályi, und setzt es in Bezug zum synergetischen Beratungsprozess.
3. Kreativität und Handlungskompetenz als Metakompetenz: Hier wird diskutiert, warum Kreativität als wesentliche Metakompetenz zur Bewältigung komplexer Problemlösungen in Beratungssituationen fungiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine bewusste Auseinandersetzung mit kreativen Prozessen für Berater unerlässlich ist, um Flexibilität und neue Lösungsansätze jenseits rein technokratischer Methoden zu gewährleisten.
Schlüsselwörter
Kreativität, Organisationsberatung, Handlungskompetenz, Metakompetenz, Systemkompetenz, Selbstorganisation, Synergetik, Beratungsprozess, Problemlösung, Systemmodell, intrinsische Motivation, sinngebende Beratung, Coaching, Innovation, Komplexität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle von Kreativität in der professionellen Organisationsberatung und hinterfragt, ob sie lediglich als methodische Ergänzung oder als essenzielle Kernkompetenz zu verstehen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die systemische Beratung, die Kreativitätsforschung, die Theorie der Selbstorganisation sowie die Entwicklung von Handlungskompetenzen bei Beratern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern ein kreativer Prozess dem systemischen Organisationsberatungsprozess entspricht, wenn Kreativität als wichtigste Handlungskompetenz des Beraters begriffen wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse durch, indem er verschiedene Konzepte, wie die Theorien von Csíkszentmihályi und Amabile, mit systemischen Beratungsansätzen zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition von Kreativität als Prozess, der Anwendung des Systemmodells im Beratungskontext und der Analyse von Kreativität als Metakompetenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Kreativität, Systemmodell, Organisationsberatung, Handlungskompetenz und Metakompetenz charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise auf Kreativität in dieser Arbeit von einer rein technokratischen Betrachtung?
Die Arbeit betont, dass technokratische Methoden allein in komplexen Situationen blind machen können, während eine kreative Haltung hilft, Sinnkontexte zu entwickeln und flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren.
Was bedeutet die Schlussfolgerung des Autors für die Ausbildung von Beratern?
Der Autor schließt, dass Berater ihr "beraterisches Selbst" weiterentwickeln müssen, indem sie Kreativität bewusst als Interaktionskomponente integrieren, statt sich nur auf feste Methoden zu verlassen.
- Quote paper
- Vanessa Burgardt (Author), 2015, Kreativität oder Methodenkompetenz? Beziehungen zwischen Handlungskompetenzen und kreativen Prozessen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/305324