Die internationalen Migrationsbewegungen provozieren eine Transformation globaler Gesellschaften zu Migrationsgesellschaften. Dieser Prozess hat nicht nur einen Einfluss auf diejenigen, die in der Zielregion leben, sondern betrifft auch die Migrierenden selbst. Somit verlangt und ermöglicht ein Leben in einer Migrationsgesellschaft, andere Lebensweisen und Stile kennenzulernen, sich immer wieder in neuen Kontexten zu orientieren und über selbst gesetzte Grenzen hinauszudenken. Zudem bedingt das Zusammenleben kultureller Vielfalten eine bestimmte Organisation von Wissen und Zusammenführung von Werten.
In dieser Seminararbeit wird untersucht, wie eine Organisation von Wissen und bestimmter Werte in dem für die Migrationsgesellschaft repräsentativen Forschungsfeld der ‚Migrantenfamilie‘ erfolgt. Anhand der Darstellung von Strukturen und Geschlechterdifferenzen in Migrationsfamilien soll ein Rahmen geschaffen werden, der eine anschließende Analyse von intergenerationellen Weitergabeprozessen von Wissen und Werten ermöglicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Migrationsgesellschaft
2.1 Zum Begriff „Migrationsgesellschaft“
2.2 Die Strukturen und Geschlechterdifferenzen in Migrationsfamilien
3. Die Forschung von Wissen und Werten in Migrationsfamilien
3.1 Zu den Begriffen „Wissen“ und „Werte“
3.2 Die Forschung von Wissen und Werten
3.3 Die Herausforderungen für pädagogische Organisationen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht, wie die Organisation von Wissen und Werten innerhalb von Migrantenfamilien erfolgt und welche Rolle dabei intergenerationale Weitergabeprozesse spielen. Unter Einbeziehung der dokumentarischen Methode nach Karl Mannheim und Orientierungsmustern von Ralf Bohnsack wird analysiert, wie implizites Wissen in pädagogischen Kontexten der Migrationsgesellschaft transformiert und vermittelt werden kann.
- Transformation globaler Gesellschaften zu Migrationsgesellschaften
- Strukturen und Rollenverständnisse in Migrationsfamilien
- Unterscheidung zwischen explizitem und implizitem Wissen
- Methoden der Rekonstruktion und Versprachlichung von Handlungswissen
- Pädagogische Herausforderungen im Kontext kultureller Heterogenität
Auszug aus dem Buch
3.1 Zu den Begriffen „Wissen“ und „Werte“
Nach einer Definition aus der griechischen Antike wird Wissen als Erkenntnis bestimmt. Das Wissen steht dem Glauben oder Meinen different gegenüber. Grund hierfür ist, dass Glauben und Meinen auf subjektiven Überzeugungen beruhen und Wissen einen objektiven Wahrheitsgehalt fordert.
Um Wissen überprüfbar machen zu können, bedarf es ausreichender Erklärungen und Rechtfertigungen (vgl. Thiel 2007, S. 154).
Aus systemtheoretischer Sicht ist Wissen das Ergebnis von Informationsverarbeitung. Diese Informationen sind individuell interpretierte Daten, also im Kontext eines spezifischen Relevanzhorizonts selektierte und mit einer persönlichen Bedeutung geprägte Daten. Um eine Abgrenzung vom Wissensbegriff zum Informationsbegriff vornehmen zu können, wird Wissen als ein strukturierter und dynamischer Ordnungszusammenhang definiert. Ein Erwerb neuen Wissens findet nach persönlichen kognitiven Schemata statt, die sowohl die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, als auch das Handeln lenken (vgl. Thiel 2007, S. 155).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Transformation zur Migrationsgesellschaft und stellt die Forschungsfrage nach der Organisation von Wissen und Werten innerhalb der Migrantenfamilie.
2. Die Migrationsgesellschaft: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Migrationsgesellschaft und analysiert spezifische Familienstrukturen sowie traditionelle Geschlechterrollen.
3. Die Forschung von Wissen und Werten in Migrationsfamilien: Der Hauptteil erläutert theoretische Wissenskonzepte, untersucht intergenerationale Transmission und analysiert die spezifischen Anforderungen an pädagogische Organisationen.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung diskutiert politische Handlungsoptionen im Kontext der Assimilationspädagogik und fasst die logischen Konsequenzen für eine einheitliche Sozialisation zusammen.
Schlüsselwörter
Migrationsgesellschaft, Migrationsfamilie, implizites Wissen, explizites Wissen, dokumentarische Methode, Wertetransmission, Intergenerationalität, Habitus, Assimilationspädagogik, pädagogische Organisation, Sozialisation, Orientierungsmuster, kulturelle Vielfalt, Bildungsauftrag, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Mechanismen der Weitergabe von Wissen und Werten innerhalb von Migrantenfamilien in einer modernen Migrationsgesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Definition von Migration, die Analyse von Familienstrukturen, Wissensmanagement-Theorien und die Herausforderungen für das Bildungssystem.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie Wissen intergenerationell übertragen wird und wie dieses implizite Wissen pädagogisch zugänglich gemacht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die dokumentarische Methode nach Karl Mannheim sowie auf Konzepte der Orientierungsmuster von Ralf Bohnsack.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Begriffsdefinitionen von Wissen und Werten, Mechanismen der Generationenüberlieferung und die Auswirkungen auf pädagogische Institutionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Migrationsgesellschaft, implizites Wissen, Habitus, Assimilationspädagogik und Intergenerationale Transmission.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen explizitem und implizitem Wissen?
Explizites Wissen wird als methodisch artikulierbar definiert, während implizites Wissen als erfahrungsgesättigtes Prozedurenwissen beschrieben wird, das schwer in Worte zu fassen ist.
Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in Migrantenfamilien laut der Arbeit?
Die Arbeit stellt fest, dass in vielen Migrantenehen traditionelle Rollenbilder vorherrschen, die jedoch durch eine wachsende Tendenz zu egalitären Konzepten in der jungen Generation herausgefordert werden.
Wie reagieren pädagogische Organisationen auf kulturelle Heterogenität?
Die Arbeit zeigt auf, dass diese Organisationen häufig einen monolingualen Habitus verfolgen, der mit dem multilingualen Habitus der Schüler in Konflikt geraten kann.
Welche politischen Handlungsmöglichkeiten werden in der Schlussbetrachtung vorgeschlagen?
Es werden Ansätze wie Sprachförderprogramme, standardisierte Sprachtests und die Intensivierung der sekundären Sozialisation durch pädagogische Seminare diskutiert.
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- Marian Schneider (Author), 2014, Die Erforschung von Wissen und Werten in der Migrationsgesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/305078