Im Jahre 1963 wurden, veranlasst durch die Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der Deutschen Demokratischen Republik, die „Zehn Artikel über Freiheit und Dienst der Kirche in der DDR“ ausgearbeitet und beschlossen.
Diese Artikel geben Richtlinien vor wie die Kirche und die Gemeinde mit verschiedenen Sachverhalten und Problemen der jeweils aktuellen Staatsform umzugehen haben soll.
Jeder dieser zehn Artikel liefert zunächst einige inhaltliche Grundaussagen zu dem jeweils behandelten Thema und schließt damit ab, unter welchen Bedingungen es, bezogen auf den behandelten Sachverhalt, zum Unglauben und Ungehorsam gegenüber Gott kommt.
Die jeweiligen Inhalte der Artikel sollen innerhalb dieses Essays nach Möglichkeit mit eigenen Worten beschrieben, zusammengefasst und gegebenenfalls kommentiert werden. Ein Fazit wird dieses Essay abschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Auftrag der Verkündigung
2. Das Leben im Glauben und Gehorsam
3. Wissenschaft und Wahrheit
4. Rechtfertigung und Recht
5. Versöhnung und Friede
6. Die Arbeit
7. Die Obrigkeit
8. Leben und Dienst der Kirche
9. Die Ordnung der Kirche
10. Die Hoffnung der Kirche
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay hat zum Ziel, die 1963 von der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR verfassten „Zehn Artikel über Freiheit und Dienst der Kirche in der DDR“ inhaltlich zusammenzufassen und zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie die Kirche in der damaligen politischen Situation ihre theologischen Richtlinien definierte und wie sie das Verhältnis zwischen kirchlichem Auftrag und staatlicher Ideologie abgrenzte.
- Theologische Begründung der kirchlichen Verkündigung
- Abgrenzung des christlichen Glaubens von irdischen Ideologien
- Verhältnis von Kirche zu Wissenschaft, Staat und Rechtsordnung
- Die Bedeutung von Frieden, Versöhnung und Arbeit im christlichen Kontext
- Struktur und Ordnung der Kirche unter dem Vorzeichen von Gottes Herrschaft
Auszug aus dem Buch
Die Obrigkeit
Die zentrale Aussage des nächsten Artikels „Die Obrigkeit“ ist, dass eben diese stattliche Obrigkeit niemals höher als oder auf einer Stufe mit Gott stehen kann und auch nie in dieser Größenordnung verehrt werden sollte. Staatsoberhäupter sollten laut dem Artikel bestenfalls im Sinne von Gottes handeln. Daraus ergibt sich, dass, wenn die Autorität weltlicher Herrscher geachtet wird, schlussendlich im beschriebenen Idealfall letztendlich Gott damit geehrt. Insofern steht der Text auch hier wieder für eine Abkehr einer Vergöttlichung des Irdischen, in diesem Fall der irdischen Herrscher. Auch diese sollen nicht zu Götzen werden. Man solle ihnen, da sie bestenfalls nach Gottes Willen handeln, Vertrauen und Anerkennung schenken, aber niemals einem irdischen Herrscher stärker gehorchen als Gott und Jesus Christus. Machtmissbrauch dürfe somit beispielsweise nicht von der Gemeinde geduldet werden, da dies den göttlichen Richtlinien, welche stets Vorrang haben sollen, widersprechen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
Der Auftrag der Verkündigung: Dieser Artikel legt fest, dass Christen Gottes Willen in allen Lebensbereichen verkünden sollen, ohne dabei einen irdischen Nutzen zu suchen.
Das Leben im Glauben und Gehorsam: Hier wird betont, dass Christen im Alltag Gott treu bleiben und Ideologien nicht als Götzen verehren dürfen.
Wissenschaft und Wahrheit: Es wird ein gesundes Maß im Umgang mit Wissenschaft gefordert, wobei Gott als Schöpfer nicht durch rein irdische Erklärungen ersetzt werden darf.
Rechtfertigung und Recht: Dieser Abschnitt fordert, dass staatliche Rechtsordnungen stets die Menschenwürde achten müssen und nicht ideologisch missbraucht werden dürfen.
Versöhnung und Friede: Die Kirche soll sich aktiv für den Frieden einsetzen und sowohl Soldaten als auch Wehrdienstverweigerern Unterstützung bieten.
Die Arbeit: Arbeit wird als wichtig erachtet, darf aber nicht zum alleinigen Lebenssinn werden oder den Glauben an Gott verdrängen.
Die Obrigkeit: Staatliche Macht wird anerkannt, darf aber niemals über Gott gestellt werden oder einen Götzenstatus erhalten.
Leben und Dienst der Kirche: Die Kirche wird als eine durch den Auftrag Jesu Christi begründete Konstanz verstanden, die sich von politischen Verstrickungen fernhalten muss.
Die Ordnung der Kirche: Die kirchliche Ordnung soll biblisch begründet sein und darf nicht willkürlich durch irdische Ideologien verändert werden.
Die Hoffnung der Kirche: Der Text schließt mit der Zuversicht, dass das Gute über das Böse siegen wird, da das Reich Gottes über dem irdischen Reich steht.
Schlüsselwörter
Evangelische Kirche, DDR, Freiheit, Dienst der Kirche, Zehn Artikel, Gottes Wille, Ideologiekritik, Verkündigung, Christlicher Glaube, Staat, Obrigkeit, Götzen, Friede, Versöhnung, Hoffnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay primär?
Der Essay befasst sich mit der Analyse der „Zehn Artikel über Freiheit und Dienst der Kirche in der DDR“ aus dem Jahr 1963 und deren inhaltlicher Bedeutung für die Kirche in der damaligen Staatsform.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Rolle der Verkündigung, den Umgang mit weltlichen Ideologien, das Verhältnis von Kirche zu Staat und Recht sowie die christliche Haltung zu Arbeit und Frieden.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, welche Richtlinien die evangelische Kirche für ihr Handeln in der DDR formulierte und wie sie das Spannungsfeld zwischen göttlichem Auftrag und irdischen Machtverhältnissen definierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theologische Textanalyse und Zusammenfassung der „Zehn Artikel“, ergänzt um interpretative Kommentare des Autors.
Was wird im Hauptteil detailliert beleuchtet?
Der Hauptteil gliedert sich entlang der zehn Artikel, wobei jeder Punkt inhaltlich erläutert und die theologische Distanzierung von irdischen Strukturen kritisch beleuchtet wird.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Glauben, Gehorsam, Abgrenzung vom Irdischen, Auftrag Gottes und die Warnung vor der Vergöttlichung von Ideologien.
Wie bewertet der Autor den Schreibstil der Artikel?
Der Autor merkt an, dass der Stil für Außenstehende plakativ wirken kann, da die Artikel absolute Grenzziehungen vornehmen, was jedoch dem Zweck richtungsweisender Schriften entspricht.
Warum wird im Essay das "Dritte Reich" erwähnt?
Der Autor nutzt das Beispiel der „Deutschen Christen“ im Dritten Reich, um zu verdeutlichen, welche Form von politischen Verstrickungen die „Zehn Artikel“ explizit ablehnen.
- Arbeit zitieren
- Konrad Altmann (Autor:in), 2015, Essay zum Text „Zehn Artikel über Freiheit und Dienst der Kirche in der DDR“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/304502