Schon seit einigen Jahren wird in den Medien kritisch über unser Bildungssystem diskutiert. So ist die PISA-Studie aus 2000 sicherlich eine der Hauptursachen, warum es zur Einführung des Zentralabiturs gekommen ist. Unter Berücksichtigung des sozialen Umfelds von Kindern, den Regionen, in denen sie leben und Migrationshintergrund, oder nicht, lassen sich teilweise große Bildungsunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern und Ländern aufzeigen. Wie kann man nun also Gerechtigkeit und somit auch Vergleichbarkeit schaffen? Mit gleichen Bedingungen für alle?
Es muss einen Standard, eine Norm geben, an der sich alle orientieren können und müssen. Am 25.06.2002 beschloss die Kultus-Minister-Konferenz (KMK) schließlich die Einführung nationaler Bildungsstandards für bestimmte Jahrgangsstufen und Abschlussarbeiten. Der Hamburger Schulsenator Ties Rabe, welcher auch amtierender Präsident der KMK ist, erklärte am 22.05.2012 über die Internetseite www.hamburg.de: „Zentrale Abiturprüfungen in allen Fächern schaffen Gerechtigkeit und Klarheit...“. Ist das aber wirklich so? Welche Veränderungen gehen nun tatsächlich mit der Einführung des Zentralabiturs einher? Diese Hausarbeit soll sich dem Thema dieser Veränderungen widmen. Im Fokus steht die Hansestadt Hamburg und beispielhaft die Erfahrungen einer Gymnasiallehrerin mit der Umstellung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorierahmen Fragestellung, Hypothesen
2.1 Theorierahmen: Individualisierungsthese nach Ulrich Beck
2.1.1 Herleitung der Forschungsfrage
2.1.2 Forschungslücke
2.1.3 Forschungsfrage formulieren
2.1.4 Ableitung der Hypothesen
3 Methoden
3.1 Qualitative Sozialforschung
3.2 Feldzugang: Das Experteninterview
3.3 Qualitative Inhaltsanalyse nach Phillip Mayring
3.4 Interpretation der Ergebnisse
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Einführung des Zentralabiturs auf die Arbeitsprozesse und die zeitliche Belastung von Lehrkräften, basierend auf der Perspektive einer Gymnasiallehrerin in Hamburg, und analysiert kritisch, ob durch die Standardisierung eine tatsächliche Vergleichbarkeit von Leistungen erreicht werden kann.
- Individualisierungsthese nach Ulrich Beck
- Einfluss des Zentralabiturs auf die Arbeitsbelastung von Lehrkräften
- Methodik der qualitativen Sozialforschung mittels Experteninterviews
- Kritische Analyse der Vergleichbarkeit von Prüfungsergebnissen
- Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
Auszug aus dem Buch
Qualitative Sozialforschung
Quantitativ oder qualitativ hängt von der Forschungsfrage, dem Forschungsgegenstand ab. In der quantitativen Sozialforschung strebt man die höchstmögliche Standardisierung von Interviewabläufen an. Soziale Phänomene dagegen fallen durch dieses strukturierte Raster, die Befragten können ihre Sicht nicht frei formulieren, da es nur festgelegte Antwortkategorien gibt. „Qualitative Sozialforschung ist an der Subjektperspektive, an den «Sinndeutungen» des Befragten interessiert.“ (Diekmann, 2000, S. 443f). Kennzeichnend für qualitative Sozialforschung sind Fallstudien, sowie Stichproben von bedeutend kleinerem Umfang als in der quantitativen Sozialforschung. Vielmehr geht es hier darum die interviewte Person umfangreich zu befragen und diese auch ebenso umfangreich antworten zu lassen, also eine offene Befragung durchzuführen. Dieses gesammelte Material wird intensiv ausgewertet und zielt nicht auf statistische Kennwerte ab (Diekmann, 2000, S. 447).
Ist der zu erforschende soziale Bereich noch relativ unerforscht, oder nur wenig erforscht, wird man explorative Studien durchführen (to explore (engl.) – etwas erkunden/ erforschen). Idealweise wird in der Qualitativen Sozialforschung mit explorativen Studien geforscht, oder umgekehrt bei explorativen Studien kommen vorwiegend qualitative Arbeitsweisen zum Einsatz (Diekmann, 2000, S. 30 + 444). So ist für die Erstellung eines Fragebogens der quantitativen Forschung, ein grundlegendes Vorwissen über das soziale Feld von Nöten. Und eben hierfür bieten sich vorwiegend qualitative Methoden, wie das Experteninterview, an (Diekmann, 2000, S. 30f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Debatte um Bildungsstandards und das Zentralabitur ein und begründet das Forschungsinteresse am Beispiel einer Hamburger Gymnasiallehrerin.
2 Theorierahmen Fragestellung, Hypothesen: Hier werden die Individualisierungsthese von Ulrich Beck als theoretische Basis genutzt, die Forschungsfrage hergeleitet und die zu prüfenden Hypothesen entwickelt.
3 Methoden: Dieses Kapitel erläutert den Einsatz der qualitativen Sozialforschung, die Durchführung von Experteninterviews sowie die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
4 Fazit: Die Ergebnisse deuten auf eine zeitliche Entlastung der Lehrkräfte hin, während die angestrebte Vergleichbarkeit der Ergebnisse kritisch hinterfragt und als schwer umsetzbar bewertet wird.
Schlüsselwörter
Zentralabitur, Individualisierungsthese, Bildungsstandards, Lehrerarbeitszeit, Qualitative Sozialforschung, Experteninterview, Qualitative Inhaltsanalyse, Phillip Mayring, Schulentwicklung, Vergleichbarkeit, Hamburg, Lehrertätigkeit, Bildungsreform, Arbeitsbelastung, Standardisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Einführung des Zentralabiturs in Hamburg auf die tägliche Arbeitspraxis und die zeitliche Belastung einer Gymnasiallehrerin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Standardisierung des Bildungswesens, die Individualisierungsthese nach Beck, die Lehrerarbeitszeitmodelle und die methodische Vorgehensweise in der qualitativen Bildungsforschung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Welche Auswirkungen hat die Einführung des Zentralabiturs auf Lehrer in Hamburg, aus Sicht einer Gymnasiallehrerin?
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?
Es wurde eine qualitative Sozialforschung durchgeführt, konkret ein exploratives Experteninterview, das mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Phillip Mayring ausgewertet wurde.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Einbettung, der Methodik sowie der Auswertung des Experteninterviews im Hinblick auf Arbeitserleichterung und Vergleichbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentralabitur, Lehrerarbeitszeit, qualitative Sozialforschung, Standardisierung und Vergleichbarkeit sind die prägendsten Begriffe.
Wie bewertet die befragte Lehrerin die Arbeitsbelastung durch das Zentralabitur?
Die Lehrkraft berichtet von einer zeitlichen Entlastung, da die Erstellung der Prüfungsthemen und Fragen durch die zentralen Vorgaben der Behörde wegfällt.
Warum bezweifelt die Autorin die Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen?
Die Autorin stellt fest, dass durch unterschiedliche Schulprofile und die teilweise Abschaffung externer Zweitkorrektoren die angestrebte einheitliche Vergleichbarkeit der Leistungen in der Praxis nur schwer zu erreichen ist.
- Quote paper
- Jana Wurdel (Author), 2012, Folgen der Einführung des Zentralabiturs auf eine 30-jährige Lehrerin in Hamburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/303414