Diese Arbeit setzt sich mit dem relativ neuen Phänomen der Transmigration auseinander. Wie konzepieren Transmigranten ihre Identität? Wie verändert Transmigration im Kontext der Globalsierung das klassische Verständnis von Volk und Nationalstaats einerseits für ihre Herkunftsländer und andererseits für die Aufnahmeländer? Welche Konsequenzen ergeben sich für Staat und Gesellschaft?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Transmigration
3 Historischer Abriss der Transmigration
4 Nationalstaat und Transnalisierung
5 Transnationalisierung durch Transmigration
5.1 Transnationalisierung der Wirtschaft
5.2 Transnationalisierung der Politik
5.3 Transnationalisierung von Kulturen und Identitäten
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Transmigration und analysiert, wie diese Form der Migration zur Transnationalisierung von Wirtschaft, Politik sowie Kulturen und Identitäten beiträgt. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwiefern traditionelle Konzepte des Nationalstaates und des territorial gebundenen Sozialraums durch diese transnationalen Prozesse an Relevanz verlieren.
- Kritische Auseinandersetzung mit klassischen Migrations- und Assimilationsmodellen
- Konzeptualisierung von Transmigration als Prozess, der soziale Felder über Staatsgrenzen hinweg erschließt
- Analyse der ökonomischen Auswirkungen von Transmigration (Humankapital, Rücküberweisungen)
- Untersuchung der politischen Dimensionen wie Langstrecken-Nationalismus und transnationale Identitätsbildung
- Veränderung kultureller Identitäten durch Prozesse der Kreolisierung und hybride Lebensstile
Auszug aus dem Buch
2. Transmigration
Seit den 1970er Jahren waren, vor allem unter philippinischen, karibischen und mexikanischen Einwanderern in den USA, Verhaltensweisen zu beobachten, die nicht in die klassischen Bilder von Migration einordnen lassen. Sie waren weder permanente noch temporäre Migranten. Vielmehr bewegten sich die Migranten ständig zwischen ihrer Herkunfts- und ihrem Aufnahmeland hin und her. Sie wechselten ihren Wohnsitz und Arbeitsplatz regelmäßig zwischen diesen zwei Ländern. Sie pflegten zahlreiche soziale Beziehungen und Aktivitäten über Staatsgrenzen hinweg. Diese Beziehungen und Verhaltensweisen behielten sie über Generationen hinweg bei, nahmen gleichzeitig am sozialen Leben des Residenzlandes wie auch ihrer Heimat teil, und lebten die nicht isoliert von der Aufnahmegesellschaft. Ebenso lehnten sie aber auch eine vollständige Assimilation ab und empfanden diese als Unterwerfung. Unter ihnen war beispielsweise, dass die in den USA geborenen Kinder der Migranten oftmals zum Studieren oder Arbeiten zeitweise in das Land ihrer Vorfahren zurückkehrten, wenn sich dort bessere Chancen boten, oder auch einfach um ihre kulturelle Verbundenheit mit diesem Land zu pflegen. Ihr Lebensmittelpunkt befindet sich nicht in einem Land. Vielmehr sind sie in zwei Länder verankert. Besitzen enge soziale (meist familiäre) Netzwerke über beide Länder hinweg. Aus der Perspektive von Migranten kann Transnationalisierung zu einer instabilen "Weder-hier-noch-da"-Lebenssituation führen, in der sie den schnell wechselnden globalen Wirtschaftstrends schutzlos ausgeliefert sind. Beziehungen zu mehreren Staaten zu unterhalten ermöglicht den Migranten aber auch, zwischen den Vor- und Nachteilen einzelner nationaler Regime abzuwägen, als vorteilhaft empfundene Regeln zu befolgen und andere zu umgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Migrationsforschung und Abgrenzung traditioneller Ansätze zum neueren Konzept der Transmigration.
2 Transmigration: Definition und Erläuterung des Transmigrationsbegriffs sowie Darstellung der Lebensrealität von Transmigranten zwischen zwei Gesellschaften.
3 Historischer Abriss der Transmigration: Einordnung der Transmigration in den Kontext globaler Migrationsbewegungen und der ökonomischen Rahmenbedingungen seit den 1970er Jahren.
4 Nationalstaat und Transnalisierung: Kritische Analyse des klassischen, an territoriale Grenzen gebundenen Staatsverständnisses im Zeitalter transnationaler Prozesse.
5 Transnationalisierung durch Transmigration: Detaillierte Untersuchung der Auswirkungen von Transmigration auf die Bereiche Wirtschaft, Politik sowie kulturelle Identitätsbildung.
5.1 Transnationalisierung der Wirtschaft: Analyse der ökonomischen Wechselwirkungen, wie Rücküberweisungen und die Zirkulation von Humankapital zwischen Herkunfts- und Zielländern.
5.2 Transnationalisierung der Politik: Betrachtung politischer Loyalitäten, des Langstrecken-Nationalismus und der Bemühungen von Staaten, ihre Exilbevölkerung politisch zu binden.
5.3 Transnationalisierung von Kulturen und Identitäten: Erörterung der Entstehung hybrider kultureller Identitäten, der Bedeutung von Mehrsprachigkeit und der Kreolisierung von Lebensstilen.
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Entterritorialisierung sozialer Räume und der Notwendigkeit, moderne Gesellschaften nicht mehr rein nationalstaatlich zu denken.
Schlüsselwörter
Transmigration, Transnationalisierung, Nationalstaat, Migration, Assimilation, Identität, Soziale Netzwerke, Humankapital, Langstrecken-Nationalismus, Kreolisierung, Globalisierung, Hybridität, Exil, Sozialraum, Territorium.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Transmigration, bei dem Migranten dauerhafte soziale, wirtschaftliche und politische Verbindungen zwischen ihrem Herkunftsland und ihrem Aufnahmeland aufrechterhalten, statt sich vollständig zu assimilieren.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Auswirkungen der Transmigration auf drei Kernbereiche: die globale Wirtschaft, die nationale Politik und die Entwicklung hybrider kultureller Identitäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Transmigration die traditionelle, an ein festes territoriales Staatsgebiet gebundene Vorstellung von Gesellschaft herausfordert und zur Transnationalisierung zentraler Lebensbereiche führt.
Welche methodische Herangehensweise wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte soziologische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse basiert, um das Konzept der Transmigration aus soziologischer Perspektive zu definieren und zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss der Transmigration, eine kritische Analyse des klassischen Nationalstaatsverständnisses sowie eine detaillierte Untersuchung der Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und Kultur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Transmigration, Transnationalisierung, Identität, Nationalstaat, soziale Netzwerke, Globalisierung und Kreolisierung.
Was versteht man unter "Langstrecken-Nationalismus" im Kontext dieser Arbeit?
Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass im Ausland lebende Bürger weiterhin politisch aktiv an den Geschehnissen und Konflikten ihres Herkunftslandes teilnehmen, etwa durch Lobbyarbeit, Internetaktivismus oder finanzielle Unterstützung.
Wie verändert Transmigration das Verständnis von kultureller Identität?
Transmigration führt oft zu "Sowohl-Als-Auch"-Identitäten, bei denen Menschen Elemente verschiedener Kulturen zu neuen, hybriden Lebensstilen kombinieren, anstatt sich für eine einzige kulturelle Identität entscheiden zu müssen.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Steidle (Autor:in), 2013, Transnationalisierung durch Transmigration, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/302506