Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der zisterziensischen Vorstellung von Arbeit und dessen hochmittelalterlichen Realisierung. Den Hintergrund der nachfolgenden Untersuchung bilden die Agrarverfassung des 12. Jahrhunderts im Wandel von einer besonders durch das Villikationssystem dominierten Wirtschaftsorganisation zur Rentengrundherrschaft sowie weitere Merkmale des Hochmittelalters wie der Landesausbau, der Bevölkerungsanstieg, die Ausbreitung der Städte und die Belebung des Handels. In diesem Außenrahmen werden die Grundsätze und die spezielle Entwicklung der Zisterzienser hinsichtlich ihrer Arbeitsauffassung und Wirtschaftsstruktur beleuchtet.
Lehrmeinungen des Mittelalters, wie die von Bischof Adalbero von Laon, begriffen Handarbeit allgemein als eine von Gott erteilte Pflicht der „laboratores“, die innerhalb der Ordnung der ständischen Ungleichheit die Basis für die Aufgaben der „bellatores“ und „oratores“ darstellte.
Besonders die cluniazensischen „oratores“ nahmen ihre Mission, das Gebet und die Heiligung Gottes, entgegen Teilen der „Regula Benedicti“, welche dem Mönch auch körperliche Tätigkeiten auferlegt, auf einseitige Weise wahr.
Um das Mönchtum wieder zu seinen Ursprüngen zurückzuführen formierten sich im Hochmittelalter neue Ordensgemeinschaften, sich besinnend auf ein Leben in Weltabgeschiedenheit, Askese und Armut. Gemäß den Bestimmungen der „Regula Benedicti“ wollten besonders die Mönche aus dem Kloster Citeaux ihren monastischen Alltag gestalten.
Inhaltsverzeichnis
A) Einleitung
B) Hauptteil
1. Historischer Kontext
1.1. Anfänge des Zisterzienserordens
1.2. Agrarverfassung des Mittelalters
2. Bestimmungen über Arbeit und Wirtschaftsverfassung
2.1. „Regula Benedicti“ als grundlegende Verfassung
2.2. „Instituta Generalis Capitulis apud Cistercium“ von 1134
2.3. Bernhard von Clairvaux
3. Wirtschaftsweise und Arbeit
3.1. Grangiensystem
3.2. Handel und Geldgeschäfte
C) Ergebnis und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem ursprünglichen zisterziensischen Ideal der Eigenarbeit und der tatsächlichen hochmittelalterlichen Realisierung. Dabei wird analysiert, inwiefern wirtschaftliche Notwendigkeiten und organisatorische Entwicklungen zu einer Abkehr von den ursprünglichen Ordensidealen führten.
- Zisterziensische Arbeitsauffassung im 12. Jahrhundert
- Normative Grundlagen der Ordensstatuten und der Regula Benedicti
- Das Grangiensystem als spezifische Wirtschaftsform
- Der Wandel von asketischer Eigenarbeit zu marktorientierter Wirtschaftstätigkeit
- Sozioökonomische Faktoren und Auswirkungen auf die Ordensentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.1. Grangiensystem:
Während die ältere Forschung des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts bei der Betrachtung des Bereiches Wirtschaft und Arbeit die normativen Ausführungen der Zisterzienser wie beispielsweise die Statuten von 1134 fokussierte, beobachtet die jüngere Forschung die Verwirklichung dieser Normen in den einzelnen Klöstern, geprägt durch unterschiedliche klimatische Bedingungen und Verhältnisse vor Ort, so dass dem Orden keine ökonomische Unität mehr unterstellt wird.
Herkömmliche Tätigkeiten in einem Kloster bestanden in der Verwaltung, der Küche, der Ausführung der Ämter, den Werkstätten und im Skriptorium, wobei bei den Zisterziensern aufgrund der Verneinung von Grundherrschaft die klostereigenen Ackerhöfe dazukamen. Bewirtschaftet durch Konversen, freiwillige Mitglieder des Konvents, sowie entlohnte Laien, war diese Grangienwirtschaft keine eigentliche Grundherrschaft, da keine Herrschaft über Land und Menschen bestand. Aufgrund der zumeist kleinen Gründungsdotationen und der starken Besitzstreuung bemühten sich die Zisterzen früh um die Arrondierung ihrer Ländereien zwecks des Aufbaus einer effizienten Grangienwirtschaft, die gemäß den Ordensregeln die Existenz sichern sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Historischer Kontext: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Zisterzienserordens im 11. Jahrhundert und bettet sie in die allgemeine hochmittelalterliche Agrarverfassung ein.
2. Bestimmungen über Arbeit und Wirtschaftsverfassung: Hier werden die normativen Rahmenbedingungen, insbesondere die Regula Benedicti und die Ordensstatuten von 1134, hinsichtlich der Arbeitsvorgaben analysiert.
3. Wirtschaftsweise und Arbeit: Dieses Kapitel untersucht die praktische Umsetzung, insbesondere das Grangiensystem sowie die zunehmende Einbindung des Ordens in Handel und Geldgeschäfte.
Schlüsselwörter
Zisterzienserorden, Eigenarbeit, Grangienwirtschaft, Regula Benedicti, hochmittelalterliche Agrarverfassung, Wirtschaftsverfassung, Konversen, Bernhard von Clairvaux, Autarkie, Ordensstatuten, Handel, Geldgeschäfte, Klostereffizienz, Normkonflikt, Mittelalter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Diskrepanz zwischen dem idealisierten Bild der zisterziensischen Eigenarbeit und der praktischen wirtschaftlichen Umsetzung im ersten Jahrhundert nach der Ordensgründung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Arbeitsorganisation, die Wirtschaftsstruktur des Ordens, das Verhältnis zur Außenwelt sowie der Wandel der Ordensideale unter dem Druck ökonomischer Notwendigkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Zisterzienser ihre benediktinische Regel interpretierten und warum das Ideal der Eigenarbeit im Laufe der Zeit durch ökonomische Expansion und Marktintegration relativiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die verschiedene historische Quellen und Forschungsmeinungen zur Wirtschafts- und Ordensgeschichte des 12. Jahrhunderts zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die Analyse der normativen Vorgaben (Regel und Statuten) sowie eine detaillierte Betrachtung der praktischen Wirtschaftsweise, speziell des Grangiensystems.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Eigenarbeit, Grangienwirtschaft, Konversen, Autarkie sowie die Spannung zwischen religiösem Anspruch und wirtschaftlicher Effizienz.
Welche Rolle spielten die Konversen in der zisterziensischen Wirtschaftsordnung?
Die Konversen waren für die praktische Handarbeit und den Betrieb der Grangien zuständig und ermöglichten es den Chormönchen, sich stärker auf das Gebet und das Studium zu konzentrieren, was de facto zur Abkehr vom Ideal der Eigenarbeit durch alle Ordensmitglieder beitrug.
Warum konnte das Ideal der Eigenarbeit in der Praxis oft nicht aufrechterhalten werden?
Das Ideal scheiterte an der Notwendigkeit einer effizienten Existenzsicherung, der Zersplitterung des Landbesitzes und der geografischen Expansion, die den Einsatz von Lohnarbeitern und die Aufnahme von Abgaben von Hörigen erforderlich machten.
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- Jakob Dannenberg (Author), 2015, Arbeit im Zisterzienserorden. Die Norm und ihre Umsetzung im ersten Ordens-Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/302259