Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung der Frau und versucht die Frage zu beantworten, inwieweit ihre Rolle in Rulfos Texten mit dem Stereotyp der Frau der mexikanischen Wirklichkeit übereinstimmt. Als Grundlage hierfür dienen die cuentos (Kurzgeschichten) "Luvina" und "Es que somos muy pobres". Zunächst ist es aber notwendig, sich kurz mit der Geschichte Mexikos zu beschäftigen, um die gesellschaftliche Situation zur Zeit Rulfos verstehen zu können. Dies beinhaltet auch die Analyse des Selbstverständnis der Mexikaner und der Rolle der Frau. Auf dieser Grundlage folgt dann die Interpretation der cuentos.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Mexiko – geschichtlicher Hintergrund
2.2 Mexicanidad und die Frau Mexikos
2.3 Die Frau in Rulfos Kurzgeschichten
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung weiblicher Figuren in Juan Rulfos Kurzgeschichtensammlung "El llano en llamas" und setzt diese in Bezug zum gesellschaftlichen Rollenbild der Frau in der mexikanischen Realität jener Zeit.
- Analyse des historischen Kontexts Mexikos und des Konzepts der "Mexicanidad" nach Octavio Paz
- Untersuchung der spezifischen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau im mexikanischen Kontext
- Interpretation der Kurzgeschichten "Es que somos muy pobres" und "Luvina" hinsichtlich weiblicher Rollenmuster
- Gegenüberstellung von Passivität und Leid in den Werken mit der aktiven Ausnahmeerscheinung der Figur Agripina
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Frau in Rulfos Kurzgeschichten
In Juan Rulfos Kurzgeschichten des El llano en llamas gibt es viele Frauenfiguren, die die vorherigen Erläuterungen illustrieren. Das anschaulichste Beispiel findet sich in der Kurzgeschichte Es que somos muy pobres. Die Geschichte handelt von einem Mädchen, Tacha, dessen Kuh, die als Mitgift dienen sollte, bei einem Unwetter ums Leben kommt. Zunächst fällt auf, dass die Geschichte wie alle anderen auch aus der Sicht einer männlichen Figur erzählt wird, nämlich aus der Sicht von Tachas Bruder. Das Leid, von dem er erzählt, ist nur Frauen widerfahren: Die Tante ist gestorben, die Kuh seiner Schwester wurde von dem Fluss mitgerissen und das Haus der Tambora, einer Frau aus dem Dorf, wurde überschwemmt. Dies lässt vermuten, dass die Frauen dem Leid stärker ausgesetzt sind, als die Männer, denn während den Frauen alles genommen wird, ist der Vater derjenige der gibt und nimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt Juan Rulfo als bedeutenden mexikanischen Schriftsteller vor und umreißt die Forschungsfrage nach der Darstellung der Frau in seinen Werken im Vergleich zur mexikanischen Realität.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert zunächst den historischen Hintergrund Mexikos, definiert das Konzept der Mexicanidad und untersucht abschließend die Rolle der Frau in Rulfos Kurzgeschichten anhand konkreter Textbeispiele.
3. Schlussbetrachtung: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst und bestätigt, dass Rulfos Frauenfiguren weitgehend dem passiven und leidenden Bild der realen mexikanischen Frau entsprechen, wobei Agripina als aktive Ausnahme fungiert.
Schlüsselwörter
Juan Rulfo, El llano en llamas, Mexikanische Literatur, Frauenbild, Mexicanidad, Geschlechterrollen, Machismo, passive Frau, leidende Frau, Sozialgeschichte, Revolution, Luvina, Es que somos muy pobres, Agripina, Fatalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Frauenfiguren in den Kurzgeschichten von Juan Rulfo dargestellt werden und inwieweit diese literarische Darstellung mit der soziokulturellen Realität der Frau im Mexiko des 20. Jahrhunderts korrespondiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Geschichte Mexikos, das gesellschaftliche Konzept der "Mexicanidad" (Mexikanität), Geschlechterrollen, die Unterdrückung der Frau und die literarische Verarbeitung von Armut und Fatalismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die Frauenfiguren in Rulfos Werken stereotype Rollenmuster der mexikanischen Gesellschaft widerspiegeln, wie etwa das der "leidenden Frau" (sufrida mujer).
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung historischer und soziologischer Kontexte, basierend auf Werken von Theoretikern wie Octavio Paz sowie Sekundärliteratur zur mexikanischen Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss Mexikos, eine theoretische Definition der männlichen und weiblichen Identität nach Paz und eine detaillierte textnahe Interpretation der Erzählungen "Es que somos muy pobres" und "Luvina".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Machismo, Opferrolle, Fatalismus, Mitgift, soziale Unterdrückung und die Dichotomie von aktiver und passiver Weiblichkeit charakterisiert.
Warum spielt die Kurzgeschichte "Es que somos muy pobres" eine zentrale Rolle?
Sie dient als exemplarisches Beispiel, um zu zeigen, wie das Leid in der Familie Rulfos Protagonisten Tacha besonders trifft, da sie durch den Verlust ihrer Mitgift ihre soziale Existenzgrundlage verliert.
Welche Rolle nimmt die Figur der Agripina in der Analyse ein?
Agripina bildet den theoretischen Gegenpol zu den passiven Frauenfiguren; sie wird als aktive Frau dargestellt, die Verantwortung übernimmt und somit die traditionelle Rollenverteilung in Rulfos Kurzgeschichten durchbricht.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2014, Die Darstellung der Frau in Juan Rulfos Kurzgeschichten und ihr Bezug zur mexikanischen Realität, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/301958