In der Erzählung “Die Kunde von den Bäumen” benutzt Wolfgang Hilbig die Symbolik des Mülls, um die Erinnerung an den Alltag in der DDR zu untersuchen. Müll kann man als einen Vermittler der kulturellen Erinnerung, Reservoir an Erinnerungen betrachten.
Wolfgang Hilbig verwendet in seiner Erzählung “Die Kunde von den Bäumen” diese Kategorie des Abfalls, um die Schwierigkeiten des Erinnerns und Schreibens im Alltag zu erforschen.
Was mag er erreichen? Hier wird die Problematik des Schreibens, des Schaffens thematisiert, ob er in neuer Zeit schaffen kann, oder will er durch diese Evokation die Vergangenheit dieses Schaffens anregen? Er beschäftigt sich mit der Thematik des problematischen Verhältnisses zwischen Menschen und Gegenständen beim Gedächtnisprozess.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Mülldeponie als Metapher für den Verlust und die Ablehnung
3. Das Problem des Schreibens und die Identitätssuche
4. Die Figur des Müllarbeiters als Hüter der Erinnerung
5. Vergleich mit Durs Grünbein und Samuel Beckett
6. Die Symbolik der Schaufensterpuppen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die symbolische Bedeutung der Mülldeponie in Wolfgang Hilbigs Erzählung „Die Kunde von den Bäumen“ als zentrales Motiv für die schwierige Identitätssuche und den Schreibprozess in der DDR-Nachkriegszeit. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie der Protagonist Waller durch die Konfrontation mit materiellem Abfall seine traumatische Vergangenheit verarbeiten und ein Verhältnis zur Gegenwart aufbauen kann.
- Die Mülldeponie als Ort der Erinnerung und des kollektiven Gedächtnisses
- Das Spannungsfeld zwischen DDR-Alltag, politischer Entfremdung und individuellem Schreibprozess
- Vergleichende Analyse zur literarischen Darstellung von Abfall bei Durs Grünbein und Samuel Beckett
- Die Rolle von Symbolen wie Schaufensterpuppen bei der Identitätskonstruktion
- Die kritische Auseinandersetzung mit der sozialistischen Gesellschaftsstruktur
Auszug aus dem Buch
Die Mülldeponie als Ort der Erinnerung
In der Erzählung “Die Kunde von den Bäumen” benutzt Wolfgang Hilbig die Symbolik des Mülls, um die Erinnerung an den Alltag in der DDR zu untersuchen. Müll kann man als einen Vermittler der kulturellen Erinnerung, Reservoir an Erinnerungen betrachten.
Was diese Ausstellung betonen wollte, war das komplexe Verhältnis zwischen der materiellen Kultur, Gedächtnisses und der Identität und Müllobjekte als Vermittler der kulturellen Erinnerung. Die Wahrnehmung der DDR Bürger, aber auch heutzutage kann man auch dies anwenden, ist von den Prozessen des Konsums und der Entsorgung beeinflusst und Müll (im Sinne von den Überresten) bedeutet für sie eine identitätsstiftende Kategorie. Diese Kategorie benutzt auch Hilbig in seiner Erzählung als Mittel zum Ausdruck des komplexen Verhältnisses zwischen dem Vergessen und Erinnern in der DDR. Müllobjekte bedeuten für Hilbig diese Vermittler der Erinnerung aber er zeigt uns auch, wie dieser Weg in die Vergangenheit empfindlich ist. Jeder Gegenstand hat seine Geschichte und evoziert Erinnerungen. Die Gegenstände sind das Mittel, um die Erinnerungen zu erreichen. Waller erinnert sich nicht an die aufbewahrten Gegenstände, sondern es geht um das Erinnern mittels weggeworfener Gegenstände. Die Mülldeponie hat eine negative Konnotation, der Ort, wo etwas abgelagert wird, um zerstört zu werden. Das kollektive Gedächtnis tendiert gelöscht zu werden, wenn es keine andere Quelle gibt, aufgrund deren es konstruiert wird, wendet man sich an tote Gegenstände, um die Vergangenheit zu rekonstruieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Symbolik des Mülls bei Wolfgang Hilbig ein und verknüpft sie mit soziologischen Konzepten des kulturellen Gedächtnisses.
2. Die Mülldeponie als Metapher für den Verlust und die Ablehnung: Dieses Kapitel erläutert die Mülldeponie als Ort, an dem die DDR-Vergangenheit symbolisch "entsorgt" wird, und analysiert die menschliche Bereitschaft zu diesem schmerzhaften Prozess.
3. Das Problem des Schreibens und die Identitätssuche: Hier wird Wallers existenzielles Dilemma thematisiert, das durch die Unfähigkeit zum Schreiben und die fragmentarische Identität in einer repressiven Gesellschaft geprägt ist.
4. Die Figur des Müllarbeiters als Hüter der Erinnerung: Das Kapitel untersucht die Müllarbeiter als "Priester des Mülls", die für Waller eine metonymische Verbindung zur Vergangenheit ermöglichen.
5. Vergleich mit Durs Grünbein und Samuel Beckett: Die Arbeit stellt Parallelen zwischen Hilbigs Erzählweise und der Ästhetik Becketts sowie den Mülldeponie-Motiven bei Durs Grünbein her.
6. Die Symbolik der Schaufensterpuppen: Der Abschnitt analysiert die Schaufensterpuppen als memento mori und als Ausdruck der Entfremdung und Standardisierung der DDR-Bürger.
Schlüsselwörter
Wolfgang Hilbig, Die Kunde von den Bäumen, Geopoetik, DDR-Literatur, Mülldeponie, kollektives Gedächtnis, Identitätssuche, Erinnerung, materielle Kultur, Entfremdung, Schreibprozess, Schaufensterpuppen, Durs Grünbein, Samuel Beckett, soziale Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Motiv der Mülldeponie und den Prozess des Erinnerns in der Erzählung „Die Kunde von den Bäumen“ von Wolfgang Hilbig.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das kollektive Gedächtnis der DDR, die materielle Kultur als Erinnerungsspeicher und die Schwierigkeit der Identitätsfindung nach 1989.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Protagonist Waller durch die Konfrontation mit Abfall versucht, seine fragmentierte Vergangenheit zu ordnen und die eigene Identität zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung von Gedächtnistheorien (Aleida Assmann) und vergleichender Literaturbetrachtung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Symbolik des Mülls, den Einflüssen auf das Schreiben, den Parallelen zu Beckett und Grünbein sowie der Bedeutung der Schaufensterpuppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Wolfgang Hilbig, Mülldeponie, Identitätssuche, DDR-Literatur, Erinnerung und Entfremdung.
Welche Rolle spielen die Schaufensterpuppen für den Protagonisten?
Die Schaufensterpuppen fungieren als memento mori und Symbol für die Entindividualisierung und Fremdsteuerung der Menschen im DDR-Regime.
Warum sucht Waller ausgerechnet auf der Mülldeponie nach Antworten?
Für Waller ist die Deponie ein Ort, an dem die Reste des gelebten Lebens bewahrt werden, die in der offiziellen Geschichtsschreibung oder im Alltag verloren gegangen sind.
- Quote paper
- Tatjana Georgievska (Author), 2015, "Die Kunde von den Bäumen" von Wolfgang Hilbig. Waller als zentrale Person und die Identitätssuche, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/301771