Die Deutsche Bundesbank hatte vor der Einführung des Euros als Buchgeld am 1. Januar 1999 und dem Kompetenzverlust durch den Vertrag über die Europäische Union (1993) die geldpolitischen Befugnisse in Deutschland inne. Die nationale Zentralbank Deutschlands war aufgrund ihrer geldpolitischen Aufgaben und Funktionen eine der bedeutendsten Institutionen für die deutsche Wirtschaft. So trug sie, unter anderem durch ihre strenge Geldpolitik, zur starken deutschen Wirtschaft bei. Aufgrund der führenden Position Deutschlands in Europa, auch als damaliger Exportweltmeister, nahm die Deutsche Bundesbank sogar Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Deswegen spielte sie eine bedeutende Rolle in der internationalen Wirtschaft.
Im Zuge einer fortschreitenden europäischen Integration über die Europäische Union wurde eine gemeinsame Währung in Europa, der Euro, eingeführt. Diese Einführung einer gemeinsamen Währung führte dazu, dass eine neue zentrale geldpolitische Institution entstand, die der neue „Hüter“ des Euros werden sollte. Diese neue Institution sollte die geldpolitischen Aufgaben der beteiligten nationalen Zentralbanken übernehmen. Dabei entstand die Europäische Zentralbank 1998 als Organ der Europäischen Union. Durch die direkte Entstehung der Europäischen Zentralbank aus den nationalen Zentralbanken heraus, waren hier die erprobten und erfolgreichen Systeme der nationalen Zentralbanken maßgebend. Das erfolgreiche System der Deutsche Bundesbank hatte deshalb essentiellen Einfluss auf den Aufbau und die Reglementierungen der Europäischen Zentralbank.
Aufgrund dieser Tatsache ist ein Vergleich der Deutschen Bundesbank in den frühen 1990igern mit der Europäischen Zentralbank von heute eine überaus interessante Betrachtung und soll vor allem die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Institutionen aufzeigen, nicht zuletzt in der differenzierten Ausgestaltung ihrer Übertragenen geldpolitischen Pflichten.
Inhaltsverzeichnis
1 Entwicklungsgeschichte
2 Vergleich der Europäischen Zentralbank mit der Deutschen Bundesbank
2.1 Europäische Zentralbank
2.1.1 Aufbau
2.1.1.1 Die Organe und der institutionelle Rahmen
2.1.1.2 Die Sicherung der Unabhängigkeit
2.1.2 Das vorrangige Ziel der Preisniveaustabilität
2.1.3 Die geldpolitischen Instrumentarien
2.1.3.1 Offenmarktgeschäfte
2.1.3.2 Ständige Fazilitäten
2.1.3.3 Mindestreserve
2.2 Deutsche Bundesbank
2.2.1 Wahl des Betrachtungszeitraums
2.2.2 Aufbau
2.2.2.1 Die Organe und der institutionelle Rahmen
2.2.2.2 Die Sicherung der Unabhängigkeit
2.2.3 Das Geldmengenziel als Orientierungsgröße
2.2.4 Die geldpolitischen Instrumentarien
2.2.4.1 Offenmarktgeschäfte
2.2.4.2 Refinanzierungspolitik
2.2.4.3 Mindestreservepolitik
3 Diskussion
3.1 Verdeutlichung der Ähnlichkeiten in den beiden Systemen
3.2 Vor- und Nachteile sowie Chancen der beiden Systeme
4 Verlust der Stabilitätsorientierung als kleine Revolution durch eine evolutionäre Erweiterung der Geldpolitik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Übergang der geldpolitischen Verantwortung von der Deutschen Bundesbank auf die Europäische Zentralbank. Ziel ist es, durch einen systematischen Vergleich von Aufbau, gesetzlichem Rahmen, Zielsetzungen und Instrumentarium zu analysieren, ob diese Entwicklung als notwendige Evolution oder als revolutionärer Bruch mit der Stabilitätsorientierung zu bewerten ist.
- Vergleich des institutionellen Aufbaus von EZB und Deutscher Bundesbank
- Analyse der geldpolitischen Instrumentarien und ihrer Anwendung
- Untersuchung der Unabhängigkeit der Zentralbanken und deren Sicherung
- Bewertung der Stabilitätsorientierung im Kontext der Eurokrise
- Herausarbeitung von Chancen und strukturellen Problemen der Währungsunion
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Die geldpolitischen Instrumentarien
Mit Hilfe der folgenden Instrumentarien setzt die EZB die geldpolitischen Beschlüsse um. Während die Maßnahmen zentral im EZB-Rat beschlossen werden, übernehmen die einzelnen nationalen Zentralbanken dezentral die Ausführung dieser Beschlüsse.
Durch den Zwang zur Haltung einer Mindestreserve in Zentralbankgeld wird die Grundlage für die Geldpolitik der EZB geschaffen. Die Mindestreservehaltung verursacht bei den Geschäftsbanken eine strukturelle Liquiditätslücke, wodurch ein Bedarf zur Refinanzierung geschaffen wird. Durch diesen Refinanzierungsbedarf wird sichergestellt, dass die Kreditinstitute nicht unabhängig von der EZB agieren können und somit an diese gebunden sind. Des Weiteren verfügt die EZB über die Möglichkeit geldpolitische Operationen mit Hilfe von Offenmarktgeschäften und Ständigen Fazilitäten durchzuführen. Hierbei wird beabsichtigt den Tagesgeldzinssatz festzulegen und damit Signale über den beabsichtigten geldpolitischen Kurs an den Kapitalmarkt zu senden. Natürlich verfügt die EZB über weitere geldpolitische Instrumente, die vor allem zur Feinsteuerung eingesetzt werden. Da deren Bedeutung aufgrund des geringen Einsatzes eingeschränkt ist, werden diese hier nicht konkret betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Entwicklungsgeschichte: Das Kapitel skizziert die historische Rolle der Deutschen Bundesbank und den Übergang der geldpolitischen Befugnisse im Zuge der europäischen Integration und der Einführung des Euro.
2 Vergleich der Europäischen Zentralbank mit der Deutschen Bundesbank: Dieser Hauptteil analysiert detailliert den institutionellen Aufbau, die Unabhängigkeit, die Ziele sowie die geldpolitischen Instrumente beider Zentralbanken.
3 Diskussion: Hier werden die theoretischen Ähnlichkeiten gegenübergestellt und die Vor- sowie Nachteile der Systeme im Kontext aktueller Herausforderungen kritisch beleuchtet.
4 Verlust der Stabilitätsorientierung als kleine Revolution durch eine evolutionäre Erweiterung der Geldpolitik: Das Fazit bewertet die Entwicklung der EZB im Kontext der aktuellen Eurokrise und hinterfragt, ob die EZB ihre Unabhängigkeit gegenüber politischen Einflüssen bewahren kann.
Schlüsselwörter
Geldpolitik, Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank, Preisniveaustabilität, Unabhängigkeit, Eurosystem, ESZB, Offenmarktgeschäfte, Mindestreserve, Währungsunion, Eurokrise, Stabilitätsorientierung, Refinanzierung, Zinspolitik, EZB-Rat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Seminararbeit befasst sich mit einem vergleichenden Blick auf die Deutsche Bundesbank und die Europäische Zentralbank (EZB) hinsichtlich ihrer Struktur, ihrer geldpolitischen Instrumente und ihrer Ziele.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der institutionelle Rahmen, die Unabhängigkeit der Notenbanken, die geldpolitische Steuerung (Instrumente) und die Stabilitätsorientierung im Zeitverlauf.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob die Entstehung der EZB als eine logische evolutionäre Fortführung des bewährten Bundesbanksystems zu sehen ist oder ob sie eine revolutionäre Abkehr von der klassischen Stabilitätsorientierung darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und einem systematischen Vergleich (Soll-Ist-Vergleich) der gesetzlichen Grundlagen und geldpolitischen Konzepte anhand von Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gegenüberstellung der EZB und der Deutschen Bundesbank, inklusive einer Untersuchung der Offenmarktgeschäfte, Refinanzierungsmöglichkeiten und der Mindestreservepolitik.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Geldpolitik, Unabhängigkeit, Stabilitätsorientierung, Eurosystem und Preisniveaustabilität.
Wie bewertet der Autor den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB?
Der Autor ordnet Staatsanleihenkäufe als problematisch ein, da sie den Prinzipien der Unabhängigkeit einer Zentralbank und den stabilitätspolitischen Leitlinien der ehemaligen Bundesbank widersprechen.
Welche Rolle spielt die Unabhängigkeit der Zentralbank in diesem Dokument?
Die Unabhängigkeit wird als zentrale "Kardinalfrage" der Währungspolitik bezeichnet, die sowohl institutionell, personell als auch finanziell verankert sein muss, um eine effektive Geldpolitik zu ermöglichen.
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- Alexander Schmitt (Author), 2011, Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Ein Vergleich zwischen Europäischer Zentralbank und Deutscher Bundesbank, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/300809