Unter der Standardaussprache versteht man diejenige Ausspracheform, die kodifiziert und frei von dialektalen Einflüssen ist.
Im Gegensatz zu Dialekten, auch Mundarten genannt, gilt die Standardaussprache in vielen öffentlichen Bereichen wie z. B. im Rundfunk und Fernsehen als verbindlich und hat dabei einen breiten sozialen Geltungsbereich.
Im allgemeinen Sprachgebrauch wurde die deutsche Standardaussprache häufig mit der Bezeichnung „Hochdeutsch“ eng verbunden. Wenn wir sagen, dass jemand Hochdeutsch spricht, meinen wir, dass er eine akzentfreie Aussprache beherrscht, die den Regeln der deutschen Standardaussprache entspricht. Ursprünglich ist Hochdeutsch jedoch eine geographisch geprägte Bezeichnung für die im südlichen Deutschland gesprochen Mundarten, die sich zum heutigen Niederdeutschen im Norden abgrenzten.
Im Verlauf der Zeit entwickelten sich diese Mundarten durch Lautverschiebungen langsam zur heutigen Standardaussprache.
Die Initiative, eine überregionale einheitliche Aussprache auf dialektalem Substrat zu bilden, lag wohl in sozialökonomischen Bedürfnissen der frühen Gesellschaft. Sie soll als Instrument zur gesamtgesellschaftlichen Kommunikation dienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Begriff der Standardaussprache
2. Zur Entwicklung der deutschen Standardaussprache
3. Warum Standardaussprache?
4. Die richtige Aussprache im DaF-Unterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der deutschen Standardaussprache sowie ihre Bedeutung und praktische Anwendung im Unterricht Deutsch als Fremdsprache (DaF), wobei sie den Spagat zwischen sprachwissenschaftlicher Normierung und der Realität regionaler Sprachvarietäten thematisiert.
- Historische Entwicklung und Kodifizierung der deutschen Standardaussprache.
- Soziale Funktionen und Prestige der Standardaussprache.
- Notwendigkeit der Standardaussprache in einem vereinheitlichten Sprachraum.
- Didaktische Perspektiven auf den Umgang mit Sprachvarietäten im DaF-Unterricht.
- Förderung rezeptiver und produktiver Aussprachekompetenzen bei Lernenden.
Auszug aus dem Buch
3. Warum Standardaussprache?
Die Aussprache ist ein wichtiges Stilelement der gesprochenen Sprache. Sie hat damit nicht nur die Aufgabe, ausreichend präzise inhaltlich bezogene Laute zu produzieren, um die Verständlichkeit einer Äußerung im Kommunikationsprozess zu gewährleisten, sondern kann auch die soziale Nähe oder Distanz zwischen Kommunikationspartnern vermitteln. Die Aussprache signalisiert die regionale und soziale Zugehörigkeit des Sprechers und wird als Ausdruck von Kultiviertheit und Bildungsniveau des Sprechers verstanden. Demzufolge beeinflusst die Aussprache die Akzeptanz gegenüber einem Sprecher in einer bestimmten sozialen Rolle ganz massiv.
Wenn man dann überlegt, welche Ausspracheform eine hohes soziales Prestige besitzt und damit eine breite Angemessenheit und Akzeptanz erreicht, fällt die Standardaussprache als Antwort nicht schwer. Laut den heutigen Aussprachenachschlagewerken wie z.B. Duden Aussprachewörterbuch und Großes Wörterbuch der deutschen Aussprache ist die Standardaussprache folgendermaßen charakterisiert:
• Die Standardaussprache ist überregional und enthält keine typisch landschaftlichen Ausspracheformen. Sie kann von jedem Muttersprachler verstanden werden.
• Die Standardaussprache besitzt einen umfassenden Geltungsbereich und ist allgemeingültig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Begriff der Standardaussprache: Dieses Kapitel definiert die Standardaussprache als kodifizierte, überregionale Ausspracheform und beleuchtet deren historische Entstehung im Kontext gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklungen.
2. Zur Entwicklung der deutschen Standardaussprache: Hier wird die Geschichte der Normierung beschrieben, angefangen bei Wilhelm Viëtor und Theodor Siebs bis hin zur Etablierung moderner Aussprachewörterbücher.
3. Warum Standardaussprache?: Das Kapitel erörtert die soziale Funktion der Standardaussprache als Mittel zur überregionalen Verständigung und als Indikator für soziale Akzeptanz und Höflichkeit.
4. Die richtige Aussprache im DaF-Unterricht: Dieser Abschnitt diskutiert die didaktische Diskrepanz zwischen der geforderten Standardaussprache und der Anerkennung regionaler Varietäten im Unterricht Deutsch als Fremdsprache.
Schlüsselwörter
Standardaussprache, DaF-Unterricht, Deutsch als Fremdsprache, Kodifizierung, Sprachvarietät, Kommunikation, Phonetik, Ausspracheform, Sprachkultur, regionale Varianten, Hochdeutsch, Hörleitbilder, Sprachnorm, Sprachdidaktik, Überregionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der deutschen Standardaussprache, ihre historische Entwicklung und die Herausforderungen, die sich aus ihrer Vermittlung im Rahmen des Unterrichts Deutsch als Fremdsprache ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition der Standardaussprache, der Kritik an ihrer normativen Fixierung, der sozialen Relevanz von Sprachvarietäten und den didaktischen Empfehlungen für den Fremdsprachenunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie die deutsche Standardaussprache im DaF-Unterricht vermittelt werden sollte, unter Berücksichtigung des plurizentrischen Charakters der deutschen Sprache.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Aussprachewörterbücher und wissenschaftlicher Diskurse zur Phonetik und Sprachdidaktik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die historische Entwicklung der Normierung, die soziale Begründung der Standardaussprache und die Analyse des DaF-Unterrichts hinsichtlich der Integration regionaler Sprachformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Standardaussprache, DaF-Unterricht, Sprachvarietät, Kodifizierung, Sprachnorm und rezeptive/produktive Fertigkeiten.
Inwiefern beeinflusst die Standardaussprache die soziale Akzeptanz eines Sprechers?
Laut dem Autor fungiert die Standardaussprache als Ausdruck von Bildungsniveau und Kultiviertheit; sie minimiert soziale Distanz und wird als Mittel für eine erfolgreiche Integration angesehen.
Warum wird im Unterricht heute auch über andere Sprachvarietäten als den Standard diskutiert?
Da Deutsch eine plurizentrische Sprache ist, wird zunehmend anerkannt, dass regionale Varianten (wie österreichisches oder Schweizer Deutsch) ebenfalls zur Sprachrealität gehören und den Lernenden zumindest rezeptiv bekannt sein sollten.
Was empfiehlt der Autor für den produktiven Bereich im Sprachunterricht?
Für die produktive Anwendung wird weiterhin eine neutrale Standardaussprache empfohlen, da diese nicht an einen bestimmten Dialekt gebunden ist und somit die universelle Verständlichkeit im deutschsprachigen Raum am besten gewährleistet.
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- Hsing-Hua Fang (Author), 2015, Die sozialen Funktionen der deutschen Standardaussprache und deren Anwendung im DaF-Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/300549