Wann ist ein Mann wirklich ein „echter Mann“? Und was genau ist eigentlich Männlichkeit? Lässt sich überhaupt in Zeiten, in denen das scheinbar „stärkere Geschlecht“ bereits schulisch in einer tiefen Bildungs- und Leistungskrise steckt, überhaupt noch von Männlichkeit sprechen, wenn im Klassenzimmer „die Ramona bestimmt, was gespielt wird“?
In der vorliegenden Hausarbeit werden dazu im ersten Teil allgemeine Aussagen zur Konstruktion von Männlichkeit getroffen und diskutiert. Diese Aussagen sollen weiterhin in einen Zusammenhang mit dem biologischen und dem sozialen Geschlecht gestellt und verstärkt auf den schulischen Kontext hin analysiert werden, um im Anschluss daran zu klären, was denn nun „typisch männlich“ ist und ob sich aus diesem Verhalten Nachteile für die Jungen ergeben – ganz im Sinne des Titels „Wie männlich darf ein Junge sein?“.
Im zweiten Teil wird dann die eingangs erwähnte Bildungs- und Leistungskrise thematisiert. Um einen möglichst vollständigen Eindruck vermitteln zu können, sollen dazu einige Entwicklungstrends aufgezeigt und erläutert werden. Da hierbei immer wieder der Begriff der Geschlechtergerechtigkeit fällt, ist es notwendig sich speziell deren beiden Welten von Anspruch und Wirklichkeit zu widmen.
Die Aufarbeitung dieser Inhalte wird abschließend in alternativen Handlungsoptionen münden. Hier werden Ansätze dargestellt und erklärt, wie es gelingen kann eine höhere Chancengleichheit und mehr Gleichberechtigung im Schulsystem zu gewährleisten. Die starke Ausrichtung auf die Probleme der Jungen soll die Stellung und die exzellenteren Leistungen der Mädchen (im Mittelwert) nicht in ein schlechtes Licht rücken. Im Zusammenhang dieser Arbeit ist es lediglich von enormer Bedeutung ein Problembewusstsein über die schulische Lebenswelt der „Männer von morgen“ auszubilden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zur Konstruktion von Männlichkeit
2.1 Das biologische und das soziale Geschlecht
2.2 Typisch männlich! - Ein Nachteil?
3 Jungen in pädagogischen Institutionen
3.1 Die Krise des kleinen Mannes: Entwicklungstrends in Schulen
3.2 Geschlechtergerechtigkeit - Anspruch und Wirklichkeit
3.3 Höhere Chancengleichheit und mehr Gleichberechtigung! Aber wie?
4 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die konstruierten Aspekte von Männlichkeit im schulischen Kontext und analysiert die Hintergründe der zunehmenden Bildungs- und Leistungskrise von Jungen, um daraus Ansätze für mehr Chancengleichheit abzuleiten.
- Konstruktion von Männlichkeit
- Biologisches vs. soziales Geschlecht
- Bildungs- und Leistungskrise von Jungen
- Geschlechtergerechtigkeit in der Schule
- Handlungsoptionen und Reformansätze
Auszug aus dem Buch
Die Krise des kleinen Mannes. Entwicklungstrends in Schulen.
Dem vermeintlich stärkeren Geschlecht scheint sprichwörtlich die Luft auszugehen. Lehrerinnen und Lehrer sorgen sich um die Männer von morgen, weil immer mehr Jungen die Schule mit sehr schlechten Noten verlassen. Schüler seien tief verunsichert und männliche Vorbilder fehlten, sodass erste Forscher bereits die Jungenkatastrophe ausrufen. Die Leistungen der Mädchen hingehen entwickeln sich unterdessen immer besser.
Auf der betroffenen Seite wird die oben beschriebene Katastrophe allerdings gerne marginalisiert und als unbedeutend eingestuft, denn Männer können einparken, sie verdienen rund 30 Prozent mehr als ihre weiblichen Kolleginnen in gleichen Positionen und sie besetzen noch immer zu einem großen Teil die mächtigsten Ämter. Ernsthaften Grund zur Sorge bereitet allerdings der Nachwuchs, denn dieser zeigt folgende Schwächen:
„Ärzte attestieren Jungen dreimal so oft das Zappelphilipp-Syndrom ADHS wie Mädchen; wenn Lehrer sich zur Disziplinarkonferenz versammeln, dann geht es in den meisten Fällen um einen männlichen Delinquenten; auch unter den Legasthenikern stellen Jungen die große Mehrheit. Ja, mehr noch: ‚In Klassen für Verhaltensauffällige überwiegen sie zu 90, unter Schülern mit Lernschwierigkeiten zu 75 Prozent’, […]. Unterdessen steigen die Frauen von morgen auf. Seit 1992 schaffen mehr Mädchen als Jungen das Abitur – mit durchweg besseren Noten. Seit zwei Jahren überwiegen sie auch an den Hochschulen. 55 Prozent aller Gymnasiasten und 60 Prozent aller vorzeitig Eingeschulten sind weiblich. Die Jungen hingegen dominieren unter den Sitzenbleibern; 150000, rund ein Drittel mehr als bei den Mädchen, waren es im vergangenen Jahr.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik männlichen Verhaltens im Schulalltag ein und formuliert das Ziel, die Ursachen für die Bildungs- und Leistungskrise bei Jungen zu untersuchen.
2 Zur Konstruktion von Männlichkeit: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Geschlechterrollen und die Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht.
3 Jungen in pädagogischen Institutionen: Hier werden die aktuelle Schulsituation von Jungen, der Begriff der „Jungenkatastrophe“ sowie Möglichkeiten für mehr Chancengleichheit in der Schule analysiert.
4 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Erkenntnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung von männlichem Verhalten, um Benachteiligungen abzubauen.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Schule, Jungenkatastrophe, Chancengleichheit, Sozialisation, Rollenbild, Bildungskrise, Leistungsdefizite, Koedukation, Doing Gender, Schulversagen, Jungenpädagogik, Erziehung, Geschlechterrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Jungen im modernen Bildungssystem, ihrer sozialen Konstruktion von Männlichkeit und den damit verbundenen bildungspolitischen Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Konstruktion von Geschlecht, die schulische Bildungskrise bei Jungen im Vergleich zu Mädchen sowie Strategien zur Förderung von Chancengleichheit.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, ein Problembewusstsein für die schulische Lebenswelt von Jungen zu schaffen und Handlungsansätze aufzuzeigen, die ohne eine Abwertung von Mädchen mehr Gerechtigkeit ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufarbeitung soziologischer sowie pädagogischer Fachdiskurse zum Thema Genderforschung und Jungenpädagogik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung von Männlichkeitskonzepten und eine empirische Analyse aktueller Entwicklungstrends, wie etwa der Überrepräsentanz von Jungen bei Lernschwierigkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Männlichkeit, Jungenkatastrophe, Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und Koedukation.
Was bedeutet der Begriff „Doing Gender“ im Kontext dieser Arbeit?
Er beschreibt Männlichkeit als einen permanenten, gesellschaftlichen Konstruktionsprozess im Alltag, bei dem geschlechtstypisches Verhalten erlernt und ständig neu hergestellt wird.
Wie bewertet der Autor die Idee der „Reflexiven Koedukation“?
Der Autor sieht darin einen zukunftsweisenden Ansatz, der Lehrkräfte sensibilisiert, bestehende Geschlechterstereotypen zu hinterfragen und nicht weiter zu verstärken.
- Quote paper
- Philipp Heil (Author), 2010, Wie männlich darf ein Junge sein? Chancengleichheit in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/299703