Die Frage nach der Existenz und dem Umgang mit der Einsamkeit werden zu den Leitmotiven im Werk von Thomas Glavinic "Die Arbeit der Nacht". Ein Szenario, das alptraumhafte Züge annimmt und den Protagonisten schließlich zu verzweifelten Taten treibt.
Die "Jonas-Romane" an sich bieten eine große Auswahl an Elementen der Utopie, Dystopie und Robinsonade. Diese Elemente stellen den Kernpunkt dieser Arbeit dar. Es wird der Frage nachgegangen, welche dieser Elemente, vor allem die der Dystopie und der Robinsonade, sich anhand von ausgewählten Textstellen festmachen lassen.
Zuerst sollen Begrifflichkeiten und der Forschungsstand abgeklärt werden, um zwischen den verschiedenen Arten der utopischen Literatur unterscheiden zu können.
Im Hauptteil dieser Arbeit werden fünf Bereiche aus "Die Arbeit der Nacht" näher analysiert in Hinblick auf die Charakteristika von Dystopie und Robinsonade: die leere Stadt, der Schläfer, die Reisen, Marie und die Erlösung.
Zuletzt soll zusammenfassend abgeklärt werden, welche Elemente der Dystopie und Robinsonade sich in "Die Arbeit der Nacht" finden.
Der Forschungsstand ist in diesem Bereich von unterschiedlicher Quantität, zum einen gibt es vor allem in jüngster Zeit sehr viele Publikationen zur utopischen Literatur, zum anderen einiges zu Glavinics Werk, allerdings zu den "Jonas-Romanen" gibt es nur ein paar wenige Texte und speziell zu "Die Arbeit der Nacht" findet sich sehr wenig. Die wenigen wissenschaftlichen Publikationen, die von sehr unterschiedlicher Art und Qualität sind, erfordern ein noch kritischeres Auseinandersetzen mit der Thematik, als sonst. Da es zu wenig für eine ausführliche Diskursanalyse ist, muss jede Einzelne in ihrer Schlüssigkeit überprüft werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Struktur, Methode, Forschungsstand
1.2 Begrifflichkeiten
Utopie
Dystopie
Robinsonade
Charakteristika
2. Die Arbeit der Nacht
2.1 Die Stadt – Isolation
2.2 Der Schläfer – Das Innere
2.3 Marie – Gefährte
2.4 Die Erlösung – Autobiographie
3. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert Thomas Glavinics Roman "Die Arbeit der Nacht" im Hinblick auf die gattungsspezifischen Elemente der Utopie, Dystopie und Robinsonade. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie sich diese literarischen Merkmale in der extremen Einsamkeitssituation des Protagonisten Jonas manifestieren und ob der Roman primär als Robinsonade klassifiziert werden kann.
- Analyse der Isolation von Jonas im urbanen Raum
- Untersuchung der psychischen Spaltung ("Der Schläfer")
- Bedeutung der Kommunikation und des Fehlens von Gefährten
- Identitätskonstruktion durch autobiographische Elemente und Erinnerungsarbeit
- Evaluation des Romans als modernes Robinsonaden-Unikat
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Stadt – Isolation
Bei einer Utopie gibt es oft nur ungefähre geographische Angaben über den Standort, manchmal gibt es nicht einmal das. In Die Arbeit der Nacht ist dies nicht der Fall. Es wird ziemlich schnell klar, dass sich der Protagonist in Wien befindet. STUHLFAUTH meint dazu:
„Als die Katastrophe über Jonas hereinbricht, befindet er sich in Wien, einer Groß- und Landeshauptstadt. Durch die Tatsache, dass die Hauptfigur mitten in der Großstadt im Zentrum des zivilisatorischen Lebens isoliert wird, entfällt der für die Robinsonade charakteristische Kontrast zwischen Natur- und Kulturraum.“
Dies ist bei weitem keine Absage an die Kategorisierung von Die Arbeit der Nacht als Robinsonade. Die Elemente dieser sind durchgehend vorhanden. Lediglich im Vergleich zu anderen Robinsonaden stellt das Werk von Glavinic ein Unikat dar.
Die Weitläufigkeit in einer Großstadt, vor allem wenn man sich allein in dieser befindet, ist als der Indikator für die Isolation von Jonas zu bezeichnen. Obwohl in dieser Stadt aufgewachsen, kommt Jonas auf der Suche nach anderen Lebewesen in Teile, in denen er noch nie war. Dennoch sieht er viel Vertrautes, was ihn an bestimmte Ereignisse erinnert, was ihn in seiner Existenz bestätigt. Zunächst ist der Grund seiner Isolation der Hauptantrieb von Jonas. Die Frage, warum er allein zurückgeblieben war, versucht er sich herzuleiten:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Forschungsstruktur, die methodische Vorgehensweise und den aktuellen Forschungsstand zu Thomas Glavinics Werk.
2. Die Arbeit der Nacht: In diesem Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der zentralen Robinsonaden-Elemente im Roman, unterteilt in die Bereiche Isolation, innere Spaltung, soziale Gefährten und autobiographische Aspekte.
3. Conclusio: Das abschließende Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und ordnet das Werk als moderne Robinsonade in den literarischen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Glavinic, Die Arbeit der Nacht, Robinsonade, Dystopie, Utopie, Isolation, Einsamkeit, Jonas, Schläfer, Marie, Identität, Autobiographie, Existenz, Literaturanalyse, Wien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sich die gattungstypischen Merkmale von Utopie, Dystopie und Robinsonade in Thomas Glavinics Roman "Die Arbeit der Nacht" darstellen und wie der Protagonist Jonas mit seiner Isolation umgeht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die totale Isolation in einer menschenleeren Welt, die psychische Bewältigung der Einsamkeit, die Spaltung der Identität sowie die Suche nach Sinn und Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass trotz dystopischer und utopischer Züge der Roman primär als eine moderne Form der Robinsonade zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Diskursanalyse, bei der ausgewählte Textstellen mit existierender Forschungsliteratur zur Gattungstheorie abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die fünf Bereiche Isolation (Wien), die psychische Instanz des "Schläfers", die Rolle von Marie als imaginäre Gefährtin sowie die autobiographische Erinnerungsarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Robinsonade, Isolation, Identität, existenzielle Einsamkeit und das Werk von Thomas Glavinic charakterisiert.
Welche Funktion hat der "Schläfer" im Roman?
Der "Schläfer" repräsentiert eine unbewusste, nächtliche Identitätsspaltung von Jonas, die sowohl als Bedrohung wahrgenommen wird als auch als Bewältigungsmechanismus für die psychische Last der Einsamkeit dient.
Warum spielt die Umgebung (Wien) eine wichtige Rolle?
Die Umgebung dient als Indikator für Jonas' Isolation, da das Fehlen von Menschen im Zentrum einer vertrauten Großstadt den klassischen Kontrast zwischen Natur- und Kulturraum innerhalb der Robinsonade aufhebt.
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- Daniela Ammann (Author), 2015, Utopie, Dystopie und Robinsonade in Glavinics "Die Arbeit der Nacht", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/299229