In dieser Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, welche Auswirkungen die Geschlechtszugehörigkeit eines Kindes auf dessen Sozialisation hat. Ich möchte 3 Instanzen der Sozialisation auf die Unterschiede beider Geschlechter hin untersuchen:
Die Sozialisation vor der Geburt, die Sozialisation im Kindesalter und die Sozialisation im soziokulturellen Umfeld des Subjekts.
Dabei möchte ich versuchen, abwechselnd auf 2 unterschiedliche Standpunkte einzugehen. Einmal diejenigen, die der Meinung sind, geschlechtsspezifische Sozialisation sei durch Prägung begründbar, die anderen, die der Meinung sind geschlechtsspezifische Sozialisation sei angeboren.
Dabei möchte ich versuchen eine Erklärung zu finden, wie der Junge zum Jungen und das Mädchen zum Mädchen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Sozialisation?
3 Sozialisation vor der Geburt
4 Geschlechtsspezifische Sozialisation im Kindesalter
5 Geschlechtstypische Rollen im Alltag
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Geschlechtszugehörigkeit auf die kindliche Sozialisation. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie soziale Rollenbilder durch biologische Anlagen einerseits und gesellschaftliche Prägung andererseits entstehen und geformt werden.
- Sozialisationstheoretische Grundlagen und Perspektiven
- Biologische Faktoren vs. soziale Konstruktion von Geschlecht
- Einfluss von Erziehung und gesellschaftlichen Institutionen
- Bedeutung der Geschlechterrollen im alltäglichen Kontext
Auszug aus dem Buch
3 Sozialisation vor der Geburt
Bereits vor der Geburt eines Säuglings entwickeln sich weibliche oder männliche Geschlechtsmerkmale. Das spätere Neugeborene wird dadurch bereits bei seiner Geburt einer Geschlechtergruppe zugeordnet. Doch kann man geschlechtsgebundene Verhaltensweisen nachweisen? Durch das Geschlecht entstehen Rollenzuschreibungen und Erwartungen an das damit verbundene Verhalten des Kindes. Ein Kind mit männlichen Geschlechtsmerkmalen hat ein erhöhtes Aufkommen des Hormons Testosteron, welches die Neigung zu Aggressionen fördert. Auch in der Neurologie kann man Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Kindern feststellen. Es existieren Forschungen, die darauf hindeuten, dass im weiblichen Gehirn die Vernetzung der linken und der rechten Gehirnhälften sehr viel intensiver sei als die im männlichen Gehirn (vgl. Zimmermann 2006, S. 183). Nach Anne Moir und David Jessel ist der Mann dadurch weniger in der Lage seine Gefühle verbal auszudrücken, während die Frau es schwieriger hat, Vernunft und Gefühle voneinander zu trennen.
Doch auch diese Punkte lassen nicht darauf schliessen, dass es geschlechtsbedingte Persönlichkeitsmerkmale bei Jungen und Mädchen gibt. Das elementare Geschlecht des Kindes und die damit verbundenen Rollenerwartungen dürfen nicht „dazu verführen, diese als unabhängige Variable für die Erklärung der unterschiedlichen Entwicklung von Mädchen und Jungen, von Frauen und Männern heranzuziehen“ (Zimmermann 2006, S.182). Der geschlechtsbedingte erhöhte Testosteronspiegel bei Jungen darf nicht zu der Schlussfolgerung führen, aggressives Verhalten sei ein typisches „natürliches“ Verhalten. Aggressives Verhalten und wie stark es sich zeigt, hängt davon ab, wie Aggresionsformen- und verhalten gesellschaftlich bewertet und tabuiert werden (vgl. Zimmermann 2006, S. 183). In einer Studie von der Psychologin und Kriminologin Ann Campbell zeigte sich, dass der Unterschied zwischen Männern und Frauen nicht in den Hormonen liegt. Nach einem Vergleich von Männern und Frauen hat sie festgestellt, dass beide Geschlechter Aggression lediglich unterschiedlich begreifen und interpretieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die geschlechtsspezifische Sozialisation anhand dreier Instanzen zu untersuchen und dabei die Debatte zwischen biologischer Prägung und sozialer Konstruktion zu beleuchten.
2 Was ist Sozialisation?: Das Kapitel führt in den Sozialisationsbegriff ein und erläutert die verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven auf die Persönlichkeitsentwicklung im Kontext gesellschaftlicher Umweltfaktoren.
3 Sozialisation vor der Geburt: Hier wird die Frage erörtert, inwiefern biologische Faktoren wie Hormone oder Gehirnstruktur geschlechtstypisches Verhalten beeinflussen, und kritisch hinterfragt, ob diese biologischen Merkmale als alleinige Ursache für Rollenunterschiede dienen können.
4 Geschlechtsspezifische Sozialisation im Kindesalter: Dieses Kapitel analysiert anhand von Fallbeispielen und lerntheoretischen Ansätzen, wie stark die soziale Umwelt und Erziehung die geschlechtliche Entwicklung eines Kindes prägen können.
5 Geschlechtstypische Rollen im Alltag: Der Abschnitt betrachtet die Rolle sozialer Institutionen wie Schule und Kindergarten sowie gesellschaftliche Interaktionsmuster, die das Verhalten von Jungen und Mädchen im Alltag maßgeblich mitbestimmen.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass neben der biologischen Konstante des Geschlechts vor allem die soziale und kulturelle Zuschreibung von Rollen das menschliche Verhalten im Kindesalter entscheidend formt.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Geschlechtszugehörigkeit, Rollenzuschreibung, Persönlichkeitsentwicklung, biologische Anlagen, Umwelteinflüsse, Erziehung, Geschlechtstypisches Verhalten, Hormonspiegel, Institutionelle Sozialisation, Geschlechterrolle, Sozialisationsbedingungen, Kindesentwicklung, Kulturphänomen, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Ursachen und Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Sozialisation von Kindern und analysiert, wie Rollenbilder entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Debatte zwischen biologischem Determinismus und sozialer Konstruktion, die Einflüsse von Erziehung und das Wirken gesellschaftlicher Institutionen auf die Geschlechterrolle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie und warum Kinder in geschlechtsspezifische Rollen hineinwachsen und ob dies primär angeboren oder durch Umwelteinflüsse erlernt ist.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Arbeit betrachtet verschiedene sozialisationstheoretische Ansätze und vergleicht biologisch argumentierende Positionen mit lerntheoretischen oder kulturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche pränatale Einflüsse, Sozialisation im Kindesalter sowie die Verstärkung von Geschlechterrollen in Bildungsinstitutionen und durch alltägliche soziale Interaktion.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Sozialisation, Geschlechtszugehörigkeit, Rollenbilder, Persönlichkeitsentwicklung und das Wechselverhältnis von Mensch und Umwelt.
Welche Bedeutung haben die erwähnten "Baby-X-Studien"?
Diese Studien verdeutlichen, dass Erwachsene ihr Verhalten gegenüber Kleinkindern oft unbewusst am (vermeintlichen) Geschlecht ausrichten, was die soziale Prägung von Anfang an verstärkt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Biologie?
Die Autorin erkennt das biologische Geschlecht als Konstante an, argumentiert jedoch, dass die soziale Einbettung und gesellschaftliche Erwartungen weitaus stärkere Wirkfaktoren für die Ausprägung individuellen Verhaltens sind.
- Quote paper
- Hendrik Lang (Author), 2015, Geschlechtsspezifische Sozialisation. Prägung oder angeboren?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/298514