Das 1784 als drittes Schillerdrama uraufgeführte bürgerliche Trauerspiel „Kabale und Liebe“ liest sich als eine schonungslose Abrechnung mit der Ständegesellschaft und absolutistischen Herrschaftsformen. Die Kritik, die Schiller übt, ist anonymisiert. Dennoch lassen sich gezielte unterschwellige Spitzen gegen Carl Eugen selbst erkennen.
Die Arbeit hat zum Ziel, die Anklagen Schillers gegen seinen Landesherrn, die in "Kabale und Liebe" zum Ausdruck kommen, offenzulegen. Wie lauten die Anklagepunkte Schillers gegen das Gebaren höfisch-absolutistischer Herrscher? In welchen Ausschweifungen Carl Eugens finden sie ihre Entsprechung? Trifft manche Kritik Schillers möglicherweise andere Fürsten Deutschlands härter als den württembergischen? Nach einer Einführung in den Inhalt des Stückes (Abschnitt 2.1) wie in die württembergische Staatsverfassung (2.2) wird in Punkt 3 Person für Person untersucht, welche moralischen Verfehlungen die Charaktere Schillers als Abbilder klassischer Absolutisten begehen. Anschließend folgt in Abschnitt 4 der Abgleich jener Eigenschaften und Handlungen mit den Umständen an Carl Eugens Hof in den Jahren 1744 bis 1782, bis zur Flucht Schillers aus Stuttgart.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Einfluss der philosophischen Epoche der Aufklärung auf den europäischen Absolutismus des 18. Jahrhunderts: Eine Hinführung zur historischen Lebenswelt Schillers
2 Schillers Drama und seine historischen Umstände: Einige Vorbemerkungen
2.1 Eine Kurzzusammenfassung des Inhalts in Kabale und Liebe
2.2 Die ständische Verfassung Württembergs zum Amtsantritt Carl Eugens
3 Schillers adelige Figuren in Kabale und Liebe als Personifizierungen der Kritik an höfischen Lebensformen: Die in der höfischen Welt verkehrenden dramatis personae und ihre Laster
3.1 Der Fürst
3.2 Präsident von Walter
3.3 Ferdinand von Walter
3.4 Johanna von Norfolk als Lady Milford
3.5 Hofmarschall von Kalb
4 Schillers Spitzen in Kabale und Liebe als Kritik an zeitgenössischen politischen Skandalen
4.1 Vergnügungssucht
4.2 Mätressen-Haltung
4.3 Verschwendungssucht und Korruption
4.4 Soldatenhandel
4.5 Willkürjustiz
4.6 Lady Milford und Elisabeth von Hohenheim als Personifizierungen der guten Mätresse
5 Kritik am höfischen Absolutismus und an Carl Eugen in Kabale und Liebe: Ein Fazit zur Abrechnung Schillers mit seiner historischen Lebenswelt
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Friedrich Schillers bürgerliches Trauerspiel "Kabale und Liebe" als verschlüsselte Kritik an den zeitgenössischen politischen Zuständen unter Herzog Carl Eugen von Württemberg zu verstehen ist. Ziel ist es, die Parallelen zwischen den fiktiven Missetaten der Hofgesellschaft im Drama und den historischen Exzessen am württembergischen Hof offenzulegen.
- Analyse der absolutistischen Herrschaftsformen im 18. Jahrhundert.
- Untersuchung der adeligen Figuren als Personifizierungen höfischer Laster.
- Kritische Auseinandersetzung mit politischen Skandalen wie Soldatenhandel und Willkürjustiz.
- Vergleich des dramatischen Geschehens mit der Biografie und Herrschaftspraxis Carl Eugens.
- Reflexion über Schillers Abrechnung mit seiner historischen Lebenswelt.
Auszug aus dem Buch
3.2 Präsident von Walter
Präsident von Walter, dessen Vorname ebenfalls nicht genannt wird, ist als Ministerpräsident des Fürsten dessen Stellvertreter und damit der zweitmächtigste Mann im Herzogtum. Walter entpuppt als eiskalter Machtmensch. Bereits die Tatsache, dass er erst durch den Mord an seinem Vorgänger sowie durch „falsche[…] Briefe und Quittungen“ zum Präsidenten aufgestiegen ist, verdeutlicht, wie Walter zum Erhalt und zur Festigung seiner Macht zu Verbrechen fähig ist. Der Befriedigung seiner Machtbestrebungen ordnet er alles unter, seine Mitmenschen sind ihm Mittel zum Zweck, er berechnet sie wie Schachfiguren. Ferdinand gegenüber betont er, dass „die Gewalt so viel wert ist“.
Sogar seinen eigenen Sohn opfert er seinem Karrieredenken, indem er ihn als Ehemann für die Mätresse des Herzogs anbietet, um dem Landesvater einen Gefallen zu erweisen und seine Gunst bei ihm zu mehren. Indem Walter die Liebschaften des Herzogs fördert, untergräbt er zugleich dessen politisches Engagement, wodurch ihm selbst weit reichende Befugnisse zufallen. Faktisch wird das Land von Walter regiert. Dass sein Sohn sich gegen eine Hochzeit aus Opportunität sträubt, lehnt Walter nicht nur entschieden ab, ihm erschließt sich nicht einmal die moralische Kategorie „Liebe“, mit der Ferdinand argumentiert. Werte und Gefühle besitzen für den Machtmenschen keinerlei Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Einfluss der philosophischen Epoche der Aufklärung auf den europäischen Absolutismus des 18. Jahrhunderts: Eine Hinführung zur historischen Lebenswelt Schillers: Einführung in die Epoche und die spezifische Situation des Herzogtums Württemberg unter Carl Eugen.
2 Schillers Drama und seine historischen Umstände: Einige Vorbemerkungen: Zusammenfassung der Handlung von "Kabale und Liebe" sowie Erläuterung der ständischen Verfassung in Württemberg.
3 Schillers adelige Figuren in Kabale und Liebe als Personifizierungen der Kritik an höfischen Lebensformen: Die in der höfischen Welt verkehrenden dramatis personae und ihre Laster: Charakterisierung der zentralen adeligen Figuren als Repräsentanten eines korrupten Systems.
4 Schillers Spitzen in Kabale und Liebe als Kritik an zeitgenössischen politischen Skandalen: Detaillierte Analyse politischer Missstände wie Vergnügungssucht, Mätressenhaltung und Soldatenhandel im Vergleich mit historischen Fakten.
5 Kritik am höfischen Absolutismus und an Carl Eugen in Kabale und Liebe: Ein Fazit zur Abrechnung Schillers mit seiner historischen Lebenswelt: Abschließende Bewertung der dramatischen Generalabrechnung Schillers mit den absolutistischen Herrschaftsstrukturen seiner Zeit.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Kabale und Liebe, Carl Eugen, Württemberg, Absolutismus, Aufklärung, Mätressenwesen, Soldatenhandel, Willkürjustiz, Hofintrige, Ständegesellschaft, Sturm und Drang, Literaturanalyse, Geschichte, Machtpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht die Verbindungen zwischen Schillers Trauerspiel "Kabale und Liebe" und den realen politischen Missständen im Württemberg des 18. Jahrhunderts unter Herzog Carl Eugen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Kritik am höfischen Absolutismus, die Rolle des Adels, politische Korruption und die unmenschliche Behandlung der Untertanen durch den Herrscher.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es soll aufgezeigt werden, wie Schiller die historischen Verfehlungen seines Landesherrn in seinem Stück anonymisiert und kritisch verarbeitet hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine textanalytische Vorgehensweise, kombiniert mit historischer Kontextualisierung und dem Vergleich zwischen dramatischen Charakteren und realen historischen Personen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakterstudie der adeligen Figuren und eine Untersuchung spezifischer politischer Skandale wie den Soldatenverkauf und die Willkürjustiz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Schiller, Absolutismus, Carl Eugen, Kabale und Liebe, Hofintrigen und politische Korruption sind die definierenden Begriffe.
Inwieweit spielt die Rolle der Franziska von Hohenheim im Drama eine Rolle?
Obwohl ihre Eheschließung nach der Uraufführung stattfand, wird ihre Person als Referenzpunkt für eine "tugendsame Mätresse" im Kontrast zur intriganten Welt des Hofes analysiert.
Wie bewertet der Autor Schillers Kritik am Ende?
Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass das Drama eine Generalabrechnung mit dem Landesvater darstellt, jedoch keine konkreten staatspolitischen Ideale für die Zeit nach dem Absolutismus liefert.
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- Torsten Büchele (Author), 2014, Friedrich Schillers "Kabale und Liebe". Eine Kritik an zeitgenössischen politischen Zuständen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/296231