Das Environment als Kunstform gab es nicht nur bei Edward Kienholz (1927 – 1994), doch er prägte den Begriff in seiner wörtlichen Auslegung: Das Kienholz’sche Environment zeigt sich als eine zentriert zusammengestellte, vollkommene Umgebung, die man als Betrachter betreten und verlassen kann; oft in Jahren von Arbeit und Sammlung von Edward und seit den siebziger Jahren auch Nancy Reddin Kienholz zusammengetragen und -gebaut und mit neuem Inhalt gefüllt.
In den sechziger Jahren explodierten die Kunstströmungen.
Das Kienholz’sche Oeuvre lässt sich weder formell noch inhaltlich in eine Schublade stecken oder durch Kategorisierung bezwingen. Environments mit Namen wie „The State Hospital“ (1966), „The Art Show“ (1963) und „The Portable War Memorial“ (1968) lassen sich grob in den Begriff der Skulptur einordnen, aber Kienholz sprengt sowohl mit seinen Methoden als auch mit den Inhalten seiner Werke den Rahmen einer jeden Eingrenzung. Im Folgenden wird eine Einordnung des Kienholz’schen Werks in den soziokulturellen und künstlerischen Kontext der amerikanischen sechziger Jahre versucht. Dazu soll auf wesentliche Merkmale der Arbeiten und Arbeitsweisen von Kienholz eingegangen werden. Es kann versucht werden, eine Beziehung oder einen Vergleich zu anderen Künstlern oder Kunstströmungen aufzubauen. Außerdem soll durch einen Blick auf die inhaltliche Spannweite des Werks von Edward und Nancy Reddin Kienholz die Frage beantwortet werden, ob Kienholz zu Recht als „Künstler der sechziger Jahre“ betitelt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 (Künstler)biographischer Überblick; Leben und Werk von Edward und Nancy Reddin Kienholz
3 Die Form als Inhaltsträger: Das Kienholz’sche Environment
4 Kienholz als politischer Künstler? Themenkomplex des Werkes der 60er Jahre
4.1 Kienholz in seiner Identität als Amerikaner
4.2 Religion
4.3 Frauenbilder und Genderkonflikte
5 Kienholz in seiner Beziehung zur amerikanischen Pop Art
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das künstlerische Werk von Edward und Nancy Reddin Kienholz im soziokulturellen Kontext der US-amerikanischen 1960er Jahre. Dabei soll analysiert werden, wie Kienholz durch seine als „Environments“ bezeichneten Kunstwerke politische und gesellschaftliche Missstände thematisiert und ob er zu Recht als bedeutender Künstler dieses Jahrzehnts betrachtet werden kann.
- Definition und Besonderheiten des Kienholz’schen Environments
- Kienholz’ künstlerische Auseinandersetzung mit US-amerikanischer Politik und Identität
- Kritische Behandlung von Religion und gesellschaftlichen Genderkonflikten
- Vergleich und Abgrenzung zur zeitgenössischen amerikanischen Pop Art
- Untersuchung der Werk-Betrachter-Beziehung
Auszug aus dem Buch
Die Form als Inhaltsträger: Das Kienholz’sche Environment
Edward Kienholz nimmt nach Heinz Ohff „in der Kunstform des Environments eine besondere Stellung ein. Sollte er es nicht gewesen sein, der sie erfunden hat, so hat er sie auf jeden Fall mit-erfunden.“
Kienholz nimmt das Environment wörtlich. Er sucht sich seine Arbeitsmaterialien auf Flohmärkten, in Secondhandshops, Trödelläden und auf Schrottplätzen, um sie in neuer Art und Weise zusammenzusetzen. Dieses Wiederverwenden von altem, weggeworfenem, ungewolltem ist kein Selbstzweck: „Häufig ist Wegwerfen aber auch Verdrängen: Was da aus der Tiefe emporsteigt, von den Dachböden […] heruntergeholt wird, ist Vergangenheit, unbewältigte oft, die uns schließlich doch einholt. Nichts – tröstlich und erschreckend zugleich – kann je ungeschehen gemacht, jemals getilgt werden. Wir haben alle unsere Leichen im Keller.“
Für die Kienholz’schen Arbeiten heißt das: Nicht nur das fertige Werk ist eine kritische Botschaft; Kienholz setzt bereits im Arbeitsprozess bei dem an, worüber man nicht gern redet, indem er alte, ungebrauchte, ausgestoßene Gegenstände und damit verbundene Erinnerungen ausgräbt und sprechen lässt. Einerseits eine Kritik an einer konsumorientierten, dem neuen, modischen hinterherheischenden Wegwerfgeneration. Andererseits eine ironische Art, den Werkbestand noch offensiver zu gestalten – kritische Kunst gemacht aus persönlichen, realen Relikten derselben kritisierten Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Environment als Kunstform und umreißt die Absicht, Kienholz' Werk in den gesellschaftlichen Kontext der 1960er Jahre einzuordnen.
2 (Künstler)biographischer Überblick; Leben und Werk von Edward und Nancy Reddin Kienholz: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Edward Kienholz’ nach und beschreibt seine Entwicklung vom Maler hin zum dreidimensionalen Künstler, der soziale Themen in seinen Arbeiten verarbeitet.
3 Die Form als Inhaltsträger: Das Kienholz’sche Environment: Hier wird analysiert, wie Kienholz gefundene Objekte nutzt, um eine kritische Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Verdrängung zu forcieren.
4 Kienholz als politischer Künstler? Themenkomplex des Werkes der 60er Jahre: Dieses Kapitel untersucht Kienholz' politische Haltung und seine scharfe Kritik an amerikanischen Zuständen, unterteilt in Identität, Religion und Geschlechterrollen.
5 Kienholz in seiner Beziehung zur amerikanischen Pop Art: Das Kapitel vergleicht Kienholz' Vorgehensweise mit den Ansätzen der Pop-Art-Künstler und arbeitet Gemeinsamkeiten sowie fundamentale Unterschiede in Zielsetzung und Wirkung heraus.
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass Kienholz durch die Kombination von inhaltlicher Brisanz und einer spezifischen Formensprache eine Sonderstellung einnimmt und zeitlose, gesellschaftskritische Kunst schafft.
Schlüsselwörter
Edward Kienholz, Nancy Reddin Kienholz, Environment, Kunstform, 1960er Jahre, Pop Art, Gesellschaftskritik, Amerika, Rassismus, Religion, Genderkonflikte, Assemblage, Kunstgeschichte, Political Art, Konzeptkunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das künstlerische Wirken von Edward und Nancy Reddin Kienholz und ordnet deren Environments in den soziokulturellen Kontext der amerikanischen sechziger Jahre ein.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die kritische Auseinandersetzung mit der amerikanischen Identität, Religion, Geschlechterrollen und die Abgrenzung zur zeitgenössischen Pop Art.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob Kienholz zu Recht als ein maßgeblicher Künstler der sechziger Jahre bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine kunsthistorische Einordnung, vergleicht Stilelemente und analysiert die inhaltliche sowie psychologische Wirkung der Environments auf den Betrachter.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kienholz' Umgang mit Materialien, seine politische Haltung zu Themen wie Rassismus und Krieg sowie einen kritischen Vergleich mit der Pop Art.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Environment, Kienholz, Gesellschaftskritik, 1960er Jahre, Pop Art, Assemblage und politisches Kunstverständnis.
Inwiefern beeinflusste die Beat Generation die Arbeit von Kienholz?
Die Arbeit stellt dar, dass Kienholz und die Poeten der Beat Generation in ihrer kritischen, teils dramatischen und nicht-konstruktiven Art, gesellschaftliche Missstände in den USA aufzuzeigen, inhaltlich eng verwandt sind.
Wie unterscheidet sich Kienholz’ Institutionskritik von der der Pop Art?
Während Pop-Art-Künstler Museumskunst eher reflektieren, geht Kienholz weiter, indem er das Publikum aktiv durch seine Environments führt und radikale Statements gegen bestehende gesellschaftliche Systeme setzt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2012, Der Künstler Kienholz im Amerika der 60er Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/295911