Im Verlauf des demographischen Wandels altert unsere Gesellschaft zunehmend. Dies stellt das Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen, da neue gesundheitliche Versorgungsformen, auch im Hinblick auf psychische Erkrankungen, notwendig werden. Nach der Demenz sind depressive Störungen die zweithäufigste psychische Erkrankung im Alter. Etwa jeder zehnte ältere Mensch leidet unter Depression. Trotzdem ist die Behandlungssituation älterer Menschen mit depressiven Störungen äußerst unbefriedigend. Eine beunruhigend geringe Zahl der älteren Menschen mit Depression werden einer "Untersuchung zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung älterer Menschen" zufolge psychotherapeutisch beziehungsweise psychosomatisch durch niedergelassene Psychotherapeuten behandelt, obgleich Studien zeigen, dass diese einen ähnlichen Behandlungserfolg wie bei Jüngeren erzielen. Eine Ursache dafür ist die immer noch festzustellende Ansicht, dass depressive Erkrankungen im Alter normal und verständlich seien, da diese mit Verlust und Trauer einhergehen. Übersehen wird dabei häufig, das auch das letzte Lebensdrittel durchaus positive Seiten aufweist und ein befriedigender Lebensabschnitt sein kann. Nimmt man Abstand vom defizitorientierten Blick auf die ältere Generation, so stellt man schnell fest, welchen Schatz ältere Menschen in sich tragen: persönliche Geschichte und Erfahrung, Weisheit und vielfältige Fähigkeiten. All dies ist kann durch eine depressive Erkrankung verloren gehen.
Motiviert wurde ich zu dieser Arbeit durch die depressive Erkrankung meiner nunmehr 71-jährigen Mutter. Durch sie wurde mir deutlich, wie wichtig es ist, mehr über die Erkrankung zu wissen, um ihr und auch uns Angehörigen bei der Bewältigung von vielfältigen Problemen helfen zu können bzw. zu verstehen, weshalb sie in manchen Momenten keinerlei Hilfe annehmen möchte und kann. Wir selbst haben erfahren müssen, dass diese Erkrankung bei älteren Menschen nicht ernst genug genommen wird und depressive Menschen stigmatisiert werden und Ausgrenzung erfahren. Im Folgenden werden das Krankheitsbild der Depression, vor allem im Bezug auf Menschen im letzten Lebensdrittel und die Möglichkeiten der Unterstützung durch Sozialarbeiter untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Depression im Alter
3 Ursachen und Risikofaktoren
3.1 Biologische Faktoren
3.2 Psychologische und soziale Faktoren
4 Symptome
5 Medizinische Klassifikation
6 Suizidalität
7 Abgrenzung der Depressin von der Demenz
8 Behandlung
8.1 Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
8.2 Psychotherapie
8.3 Andere medizinische und therapeutische Verfahren
9 Soziale Arbeit mit depressiven älteren Menschen
10 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Krankheitsbild der Depression im Alter, mit einem besonderen Fokus auf die Lebenssituation älterer Menschen und die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten durch die Soziale Arbeit. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Symptomatik und die notwendigen ganzheitlichen Hilfsangebote zu schaffen, um die Behandlungssituation der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.
- Klinische Einordnung und Symptomatologie der Altersdepression
- Einflussfaktoren und Ätiologie (biologisch, psychologisch, sozial)
- Abgrenzung der Altersdepression von einer Demenzerkrankung
- Multimodale Behandlungsansätze und therapeutische Verfahren
- Handlungsfelder und Rolle der Sozialen Arbeit in der Altenhilfe
Auszug aus dem Buch
3.2 Psychologische und soziale Faktoren
Ohne dem Auftreten äußerlicher Einflüsse (z.B. kritische Lebensereignisse wie der Tod des Ehepartners oder der Verlust der Arbeit) erleiden nur wenige Menschen eine depressive Erkrankung. Belastungen erlebt jeder Mensch im Laufe seines Lebens. Ist die aktuelle Belastung jedoch sehr gravierend oder dauerhaft höher als die Belastbarkeit, steigt das Risiko einer Erkrankung. Selbst viele kleine Stressoren können dafür sorgen, dass die Belastung so groß wird, dass sie nicht mehr zu bewältigen scheint. Auch das Altern kann für Menschen zur Belastung werden, wenn es als Zustand des Verlustes und der Resignation angesehen wird. Ältere Menschen, die im Alterungsprozess offen und akzeptierend mit den Veränderungen umgehen und vielfältige Interessen, Aktivitäten und Handlungsspielräume aufweisen, sind weniger anfällig für Depressionen als Menschen, die nicht auf derartige Ressourcen zurückgreifen können.
Menschen mit Depression neigen dazu, vor allem negative Ereignisse wahrzunehmen und die Positiven zu übersehen. Dr. Eckart von Hirschhausen schreibt dazu in seinem Buch "Glück kommt selten allein..." treffend: "Eine Depression kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern aus trüben Gedanken." In ihrer Biographie haben viele Menschen mit Depression einen hohen Anspruch an sich selbst entwickelt, welchem sie häufig mit zunehmendem Alter nicht mehr genügen können. So können sie durch den Alterungsprozess (z.B. nachlassende Sehkraft und geringere körperliche Flexibilität) beispielsweise Hobbys nur noch bedingt nachgehen. Auch die soziale Rolle ändert sich im Alter zum Beispiel durch den Auszug der Kinder oder den Austritt aus dem Berufsleben. Die positiven Aspekte der Veränderungen werden von depressiv Erkrankten häufig ausgeblendet. Oft ziehen sie sich von anderen Menschen zurück, wobei der Wegfall sozialer Kontakte zum Verlust positiver Erlebnisse führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen des demografischen Wandels und die Unterversorgung älterer Menschen bei depressiven Störungen, motiviert durch persönliche Erfahrung.
2 Depression im Alter: Dieses Kapitel definiert Depression als affektive Störung und diskutiert die Schwierigkeit der Abgrenzung von alltäglichen Verstimmungen bei älteren Menschen.
3 Ursachen und Risikofaktoren: Hier werden das Zusammenwirken von biologischen Vulnerabilitäten sowie psychologischen und sozialen Belastungsfaktoren detailliert analysiert.
4 Symptome: Das Kapitel beschreibt die Vielschichtigkeit depressiver Symptome im Alter, von emotionaler Leere bis hin zu körperlichen Beschwerden.
5 Medizinische Klassifikation: Es erfolgt eine Erläuterung der diagnostischen Klassifikationssysteme (ICD-10/DSM-IV) zur Einordnung depressiver Störungen.
6 Suizidalität: Dieses Kapitel widmet sich der hohen Suizidgefährdung im Alter und den damit verbundenen psychischen Erkrankungen.
7 Abgrenzung der Depressin von der Demenz: Hier werden die diagnostischen Herausforderungen aufgezeigt, Symptome beider Erkrankungen im Alter sicher zu unterscheiden.
8 Behandlung: Der Fokus liegt auf der multimodalen Behandlung durch Medikation, Psychotherapie und weitere medizinische Verfahren.
9 Soziale Arbeit mit depressiven älteren Menschen: Das Kapitel definiert das spezifische Handlungsfeld der Sozialen Arbeit bei der Beratung und Unterstützung älterer depressiver Menschen.
10 Fazit: Die Schlussbetrachtung unterstreicht die Notwendigkeit ganzheitlicher Hilfe und der Stärkung der Eigenverantwortung bei depressiven älteren Menschen.
Schlüsselwörter
Depression im Alter, psychische Störung, Soziale Arbeit, Altersdepression, Symptomatik, Suizidalität, Gerontopsychiatrie, Lebensqualität, Resilienz, therapeutische Verfahren, Demenzabgrenzung, soziale Integration, psychische Gesundheit, Alterungsprozess, Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Krankheitsbild der Depression im höheren Lebensalter, beleuchtet deren Ursachen sowie Symptome und erörtert die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Unterstützung Betroffener.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die diagnostische Abgrenzung, die Suizidgefährdung, medizinische und psychotherapeutische Behandlungsansätze sowie die praktische Unterstützung durch sozialarbeiterische Angebote.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung und angemessene Unterstützung für ältere Menschen mit Depression ist, um die aktuelle Behandlungssituation zu verbessern.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse aktueller gerontopsychiatrischer Standards, Klassifikationssysteme wie ICD-10 und psychologischer Theorien zur Altersdepression.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Entstehungsursachen, die detaillierte Symptombeschreibung, die medizinische Klassifizierung, das kritische Thema Suizid sowie diverse Behandlungsstrategien.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "altersgerechte Versorgung", "ganzheitliche Therapie", "Suizidprävention" und "soziale Teilhabe" charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Depression von einer Demenz bei älteren Menschen?
Während die Depression oft durch eine bewusste Wahrnehmung des Versagens und ein schnelles, klar abgrenzbares Symptommuster gekennzeichnet ist, verläuft die Demenz schleichend und geht meist mit einem Bagatellisieren der geistigen Einschränkungen einher.
Welche Rolle nimmt der Sozialarbeiter in der Versorgung ein?
Der Sozialarbeiter fungiert als wichtige Schnittstelle, berät Angehörige, organisiert die soziale Weiterversorgung und hilft dabei, Handlungsspielräume der Betroffenen zu erweitern.
Warum ist die "Negativspirale" für das Verständnis wichtig?
Die Negativspirale illustriert, wie Rückzug, mangelnde positive Erlebnisse und negative Selbstwahrnehmung den Zustand von Betroffenen verschlechtern und den Ausstieg aus der Krankheit ohne externe Hilfe erschweren.
- Arbeit zitieren
- Undine Hartweg (Autor:in), 2013, Depression im Alter. Risikofaktoren und Behandlungsmethoden, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/295529