„Draußen toben? Mit der Freundin „Himmel und Hölle“ spielen? Auf Bäume klettern? Vorbei. Unsere Kinder hocken drinnen, behütet von besorgten Eltern, und erleben keine Abenteuer mehr. Dabei lernen Kinder am besten, während sie die Welt erobern. (Hauser/ Schaper 2007, S.1)
Genau um diese Veränderung soll es in der vorliegenden Arbeit „Verschwinden einer Lebensphase – Kindheit im Wandel familiärer Lebensformen“ gehen. Es soll allerdings keine reine Aufzählung der Neuerungen in der Kindheit werden, sondern wir wollen uns vor allem damit beschäftigen, nach dem „Wieso“, „Weshalb“ und „Warum“ zu fragen. Aus diesem Grund beginnt die Arbeit mit Begriffserklärungen zu den Wörtern „Kindheit“ und „Familie“. Beides sind Wörter aus unserem täglichen Sprachgebrauch, doch eine griffige Definition haben wir nicht im Kopf. Dies soll hier in Punkt 2 geändert werden. Der dritte Punkt beschäftigt sich mit der Familie. Da Kinder ein Teil der Familie sind, schauen wir uns hier genauer an, welche Veränderungen die Institution Familie im historischen Verlauf mit sich brachte und vor allem, welche Auslöser hierfür verantwortlich sind – Stichwort gesellschaftlicher Wandel. Erst wenn wir klären, wie und durch welche Umgestaltungen sich die familialen Strukturen gewandelt haben, können wir auch den Wandel der Kindheit verstehen.
In Punkt 4 soll es sich vorerst um die historische Entwicklung der Kindheit drehen. Da wir den Rahmen dieser Arbeit überspannen würden, wenn wir alles ausführlich unter die Lupe nehmen, wird es hier einen kleinen Querschnitt des kindlichen Lebens im Mittelalter, in der Epoche der Aufklärung, während der reformpädagogischen Bewegung, der Weimarer Republik, in der Zeit des Nationalsozialismus, in der Nachkriegszeit und während der Bildungsreform der 60er und 70er Jahre geben. Nachfolgend befassen wir uns mit der Kindheit heute. Hier werden wir Feststellungen dazu machen, was heute im Mittelpunkt der Lebensphase steht und welche Lebenswelten es für ein Kind in der heutigen Zeitgibt. Anschließend vergleichen wir die Kindheit „früher“ mit der Kindheit „heute“. Hierzu nutzen wir die Informationen, die uns über das kindliche Leben im Mittelalter zur Verfügung stehen und setzen sie ins Verhältnis zum Kinderleben ab dem Jahr 2000.
Im abschließenden Fazit werden noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und die anfängliche Frage, ob die Lebensphase Kindheit verschwindet, beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärungen
2.1. Kindheit
2.2. Familie
3. Die Familie im Umbruch
3.1. Strukturwandel der Gesellschaft
3.2. Familialer Wandel
4. Kindheit im Wandel
4.1. Überblick: Vom Mittelalter bis zur Bildungsreform
4.2. Die moderne Kindheit
4.3. Kindheit „früher“ und „heute“ im Vergleich
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Lebensphase Kindheit in Bezug auf die sich verändernden familialen Strukturen und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob die Lebensphase Kindheit in der heutigen Gesellschaft zunehmend verschwindet oder sich lediglich in ihrer Form wandelt.
- Historische Entwicklung des Kindheitsbegriffs
- Struktureller Wandel der Familie in der Moderne
- Einfluss gesellschaftlicher Rahmenbedingungen auf das Aufwachsen
- Vergleich von Kindheit im Mittelalter und der heutigen Zeit
- Herausforderungen und Anpassungsdruck in der modernen Kindheit
Auszug aus dem Buch
4.2 Die moderne Kindheit
Auch heute ist die Kindheit kein Schonraum, denn sie ist an eine Fülle gesellschaftlicher Mächte, Regelungen und Institutionen geradezu ausgeliefert. Wir können also von „Vergesellschaftung“ der Kindheit sprechen. Hier einige Beispiele: Wie bereits in Punkt 3.1 angesprochen, zeigt die bevölkerungsstatistische Entwicklung einen klaren Trend zur Klein- und Teilfamilie. Diese Tendenz hat zur Folge, dass Kinder immer weniger Beziehungserfahrungen machen. Dem gegenüber stehen allerdings eine Intensivierung der Eltern-Kind-Beziehung und die Förderung von Selbständigkeit und freiem Willen. Die immer stärker werdende Technisierung der Haushalte und Wohnbedingungen führt dazu, dass Kinder immer weniger sinnlich-unmittelbare Erfahrungen im Umgang mit Dingen und Menschen sammeln können. Vor allem durch elektronische Medien hat sich die Kulturaneignung von Kindern grundlegend geändert. Primärerfahrungen werden heute durch „Erfahrungen aus zweiter Hand“ überlagert. Fernseher, PC und das Internet erzeugen ein Abbild der Welt mit vorfabrizierten Deutungen und Botschaften, nicht aber die wirkliche Welt. (vgl. Gudjons 2008, S.111)
Weiterhin haben 34 Prozent der drei- bis vierjährigen Kinder Sprachstörungen. Im Jahr 1982 waren es gerade einmal vier Prozent. Diese Veränderung liegt an unserer Informationsgesellschaft. Heute beträgt der durchschnittliche Fernsehkonsum von Kindern im Alter von vier bis 14 Jahren bereits vier Stunden. Für Gespräche in der Familie bleiben nur rund 19 Minuten. Weiterhin sind Kinder in der heutigen Zeit zu vielen Seh- und Hörreizen ausgesetzt, dafür erfahren sie wenig andere Sinneseindrücke. Hierdurch lässt sich wohl erklären, dass 30 Prozent der Kinder unter Wahrnehmungsstörungen leiden. (vgl. Textor 2002) Die Lebenswelt und somit auch die Rahmenbedingungen und Einflüsse, die auf ein Kind einwirken, haben sich also stark gewandelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der sich wandelnden Kindheit ein und umreißt die Struktur sowie das Ziel der Arbeit, die Ursachen dieses Wandels kritisch zu hinterfragen.
2. Begriffserklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe „Kindheit“ und „Familie“ als theoretisches Fundament für die weiteren Untersuchungen.
3. Die Familie im Umbruch: Hier werden der gesellschaftliche Strukturwandel und die damit einhergehende Pluralisierung familialer Lebensformen analysiert.
4. Kindheit im Wandel: Das Kapitel bietet einen historischen Querschnitt der Kindheit und kontrastiert die Lebensbedingungen früherer Epochen mit den spezifischen Anforderungen und Medienwelten der heutigen Kindheit.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und beantwortet die Ausgangsfrage, indem es festhält, dass die Kindheit nicht verschwunden ist, sondern sich unter neuem Anpassungsdruck gewandelt hat.
Schlüsselwörter
Kindheit, Familie, gesellschaftlicher Wandel, Sozialisation, Lebensphase, Modernisierung, Strukturwandel, Medienkonsum, Erziehung, Kindheitsforschung, Generationenverhältnis, Anpassungsdruck, Schonraum, Entwicklungspsychologie, Familientypen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel der Lebensphase Kindheit und untersucht, wie sich gesellschaftliche Veränderungen und neue familiäre Lebensformen auf das Aufwachsen von Kindern auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf dem gesellschaftlichen Strukturwandel, der historischen Entwicklung des Kindheitsbegriffs, der Bedeutung von Familie sowie dem Einfluss von Medien und Institutionen auf die moderne Kindheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu analysieren, ob die Lebensphase Kindheit in der heutigen Gesellschaft tatsächlich verschwindet, wie oft postuliert wird, oder ob sie sich in einem Transformationsprozess befindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse, um den Wandel anhand bestehender pädagogischer und soziologischer Forschungsergebnisse und Theorien aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition grundlegender Begriffe, die Analyse der Familie im Wandel sowie einen historischen und aktuellen Vergleich der Lebensumstände von Kindern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Kindheit, Familie, gesellschaftlicher Wandel, Sozialisation, Medienkonsum, Anpassungsdruck und pädagogische Lebenswelten.
Welche Rolle spielen elektronische Medien in der heutigen Kindheit?
Laut der Arbeit führen elektronische Medien zu einer Überlagerung von Primärerfahrungen durch „Erfahrungen aus zweiter Hand“, wodurch Kindern der unmittelbare, sinnliche Bezug zur Wirklichkeit erschwert wird.
Wie hat sich die Wahrnehmung von Kindern seit dem Mittelalter verändert?
Während Kinder im Mittelalter als „kleine Erwachsene“ galten und früh am Arbeitsleben teilnahmen, wird Kindheit heute als eine eigenständige, wertvolle Lebensphase begriffen, die jedoch unter hohem institutionellen und gesellschaftlichen Anpassungsdruck steht.
- Arbeit zitieren
- Linda Klein (Autor:in), 2015, Kindheit im Wandel familiärer Lebensformen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/295503