Laut des Kernlehrplans für Nordrhein-Westfalen setzen sich die Schüler und Schülerinnen (SuS) der siebten Jahrgangsstufe der Gesamtschulen im Fach Hauswirtschaft mit Ernährung und Esskultur unter dem inhaltlichen Schwerpunkt der Einflussfaktoren auf das Ernährungsverhalten auseinander. Die Gesamtschule kennzeichnet sich durch die kulturelle Vielfalt, weshalb dies in der Unterrichtsstunde besonders berücksichtigt wird.
Mit den Sozialformen wie Einzelarbeit und Kleingruppenarbeit sowie mit der Unterrichtsmethode Rollenspiel sind die SuS vertraut. In der Phase des Austausches innerhalb der Kleingruppe und auch bei der Vorbereitung des Rollenspiels ist als Rahmenbedingung darauf zu achten, die Tische so zu-sammenzustellen, dass die SuS, die in einer Gruppe zusammenarbeiten, sich ansehen können und dass sie sich so verständigen können, dass die anderen Gruppen dadurch nicht gestört werden. Darum sollte genügend Abstand zwischen den einzelnen Gruppentischen bleiben. Bei der Bildung von Kleingruppen wird von eins bis drei abgezählt, um SuS zusammenzubringen, die sonst nie zusammenarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einbettung der Sequenz in die Planungseinheit
2 Lerngruppe
3 Sachanalyse
4 Didaktische Analyse
4.1 Didaktische Intention
4.2 Sinn- und Sachzusammenhang und exemplarische Bedeutung
4.4 Methodische Überlegungen
5 Stundenziel
5.1 Stundenziel
5.2 Teilziele
6 Verlaufsplanung/Strukturskizze
6.1 Verlaufsplanung
7 Literatur
8 Medien und Material
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtseinheit ist es, bei Schülern der siebten Jahrgangsstufe ein Bewusstsein für religiös und kulturell begründete Speisevorschriften zu schaffen und deren Einfluss auf das individuelle Ernährungsverhalten zu reflektieren. Im Zentrum steht dabei die Auseinandersetzung mit dem Schweinefleischtabu im Islam, um interkulturelles Verständnis sowie soziale Kompetenzen im Umgang mit religiöser Diversität zu fördern.
- Biographisches Lernen und interkulturelle Bildung im Hauswirtschaftsunterricht.
- Analyse von Einflussfaktoren auf das Ernährungsverhalten, insbesondere Religion.
- Diskussion von Nahrungstabus am Beispiel des Schweinefleischtabus im Islam.
- Förderung von Rollendistanz, Empathie und Ambiguitätstoleranz durch Rollenspiele.
- Reflexion über gesellschaftliche Normen, Stigmatisierung und Ausgrenzung.
Auszug aus dem Buch
3 Sachanalyse
Der Mensch, der sich - neben dem Schwein - omnivor ernährt, also alles-fressend ist (vgl. Barlösius, 2011, S. 105), unterscheidet sich von anderen biologischen Spezies durch die Nahrungsmittelauswahl, die ihm bereitgestellt wird (vgl. Methfessel, 2005, S. 7). Im Gegensatz zu den Karnivoren (fleischfressende Tiere) und Herbiovren (pflanzenfressende Tiere) (vgl. Salim, 2010, S. 8) sind die Menschen „ nicht instinktgeleitet“ (Methfessel, 2005, S. 7). Ihr Essverhalten ist durch unterschiedliche Einflussfaktoren determiniert, wie z. B. Kultur, Erziehung, Familie oder Etikettierung von Produkten (vgl. Kreißl und Widhalm, 2010, S. 3)
Jean- Pierre Poulain stellt Kategorien für die Auswahl an Lebensmitteln nach essbar und nicht essbar vor. Demnach ist der Verzehr giftiger und verdorbener Pflanzen und Tiere nicht essbar und Nahrungsmittel, welche essbar sind, werden jedoch kulturell tabuisiert. Letzteres sind Bestimmungen, um eine Gruppenzugehörigkeit zu bewirken und damit eine Abgrenzung gegenüber anderen Kulturen zu bewirken (vgl. Barlösius, 2011, S. 94).
Barlösius (vgl. 2011, S. 100 ff.) liefert vier Erklärungen für Nahrungstabus am Beispiel des Schweinefleischtabus. Die rationalistische Theorie erklärt, dass ökonomische Gründe eine Begrenzung der Nahrungsvielfalt bewirken. Eine Antwort auf die Frage, warum es im Judentum verboten ist, Schweinefleisch zu essen, wird damit erklärt, dass das Schwein im Vergleich zu Rindern, Schafen und Ziegen zwar Fleisch liefert, aber „keine Milch, kein Leder, keine Wolle, und es kann nicht einmal als Zugtier eingesetzt werden“ (Barlösius, 2011, S. 101), weshalb die Züchtung von Schweinen keinen ökonomischen Vorteil hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einbettung der Sequenz in die Planungseinheit: Die Unterrichtsstunde wird in eine übergeordnete Einheit zu Faktoren des Fleischkonsums eingeordnet.
2 Lerngruppe: Beschreibung der Zielgruppe und der notwendigen Rahmenbedingungen für den Unterricht in einer heterogenen Klasse.
3 Sachanalyse: Wissenschaftliche Herleitung von Ernährung als kulturell geprägtes Verhalten und Analyse von Nahrungstabus.
4 Didaktische Analyse: Begründung der Themenwahl unter Berücksichtigung von Lehrplänen und interkultureller Bildung.
5 Stundenziel: Definition der fachlichen und sozialen Lernziele für die Unterrichtsstunde.
6 Verlaufsplanung/Strukturskizze: Detaillierte Planung der Unterrichtsphasen vom Einstieg bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse.
7 Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
8 Medien und Material: Auflistung der Arbeitsblätter und Aufgabenstellungen für die Schüler.
Schlüsselwörter
Ernährung, Fleischkonsum, Schweinefleischtabu, Islam, Halal, Haram, interkulturelle Bildung, Esskultur, Religionspädagogik, Sozialkompetenz, Rollenspiel, Nahrungstabu, Identitätsbildung, Hauswirtschaft, Migrationshintergrund.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Planung einer Hauswirtschaftsstunde, in der Schüler sich mit dem Einfluss von Religion auf das Essverhalten auseinandersetzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen Ernährungskulturen, religiöse Speisegebote wie Halal und Haram sowie die Bedeutung von Nahrungstabus für die gesellschaftliche Identität.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Die Schüler sollen erkennen, dass religiöse Einflüsse die Lebensmittelauswahl begrenzen und tabuisierte Nahrungsmittel kulturell konstruiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird im Unterricht eingesetzt?
Es werden methodisch verschiedene Ansätze wie Frontalunterricht, Einzelarbeit, Kleingruppenarbeit und insbesondere das Rollenspiel zur Förderung der sozialen Kompetenz kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine fachwissenschaftliche Sachanalyse zu Ernährungstabus, die didaktische Begründung der Stunde sowie eine detaillierte Verlaufsplanung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ernährung, Schweinefleischtabu, interkulturelle Bildung, Halal und soziale Handlungskompetenz beschreiben.
Welche Rolle spielt das Rollenspiel für die Lernenden?
Das Rollenspiel dient dazu, eine reale Konfliktsituation zwischen Freunden unterschiedlicher Essgewohnheiten nachzuspielen, um Empathie, Perspektivenwechsel und Ambiguitätstoleranz zu trainieren.
Wie werden die Schüler für das Thema sensibilisiert?
Der Einstieg erfolgt über den Vergleich von Haribo-Verpackungen mit und ohne Halal-Kennzeichnung, um das Vorwissen und die persönlichen Erfahrungen der Schüler zu aktivieren.
- Quote paper
- Hülya Karadag (Author), 2014, Unterrichtsentwurf zum Thema Ernährung "Sag mir, was du isst und ich sage dir, woran du glaubst!", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/294408