Das Finanzamt hat zu schätzen, soweit es die Besteuerungsgrundlagen nicht ermitteln oder berechnen kann (§ 162 Abs. 1 Satz 1 AO). Ziel jeder Schätzung ist es, die Be-steuerungsgrundlagen, die die größte Wahrscheinlichkeit für sich haben, zu ermitteln und bei der Steuerfestsetzung zu berücksichtigen.
Um die Steuern gleichmäßig festzusetzen und zu erheben, müssen die Finanzbehörden zunächst den zugrunde liegenden Sachverhalt ermitteln; die Beteiligten, insbesondere die Steuerpflichten, sind dabei zur Mitwirkung verpflichtet. Kann die Finanzbehörde die Besteuerungsgrundlagen nicht ermitteln oder berechnen, sind diese zu schätzen.
Die Schätzung soll insgesamt in sich schlüssig, wirtschaftlich vernünftig und möglich sein. Dabei ist aber zu beachten, dass ein Steuerpflichtiger bei schuldhafter Verletzung seiner Mitwirkungspflichten nicht besser gestellt werden darf als derjenige, der seinen Pflichten in vollem Umfang nachkommt. Sind daher die Besteuerungsgrundlagen zu schätzen, weil der Steuerpflichtige trotz Erinnerung die Pflicht zur Abgabe von Steuererklärungen in grober Weise verletzt, verringert sich die Verpflichtung zur Sachverhaltsaufklärung. Dies führt zu einer Vergrößerung des Schätzungsrahmens, innerhalb dessen die Schätzung vorgenommen werden kann.
Die Schätzung und ihr Ausmaß sind auch davon abhängig, ob und inwieweit der Steuerpflichtige ausreichende Erklärungen für die Abweichung geben kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Die Schätzung im Steuerrecht gemäß § 162 AO
1.2 Methodenwahl durch das Finanzamt
1.3 Begriffsklärung
2 Die Methoden der Schätzung
2.1 Vorjahresvergleich
2.2 Innerer Betriebsvergleich
2.2.1 Nachkalkulation
2.2.2 Zeitreihenvergleich
2.2.3 Chi-Quadrat-Test
2.2.4 Benford-Gesetz
2.3 Äußerer Betriebsvergleich
2.3.1 Richtsatzvergleich
2.3.2 Einzelbetriebsvergleich
2.4 Einnahmen-Ausgaben Deckungsrechnung
2.4.1 Geldverkehrsrechnung
2.4.2 Vermögenszuwachsrechnung
2.5 Kassenfehlbetragsrechnung
2.6 Griffweise Schätzung
3 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Schätzungsbefugnis der Finanzbehörden gemäß § 162 AO. Ziel ist es, die in der Praxis etablierten Methoden zur Ermittlung von Besteuerungsgrundlagen bei mangelnder Aufklärung durch den Steuerpflichtigen darzustellen, deren rechtliche Rahmenbedingungen zu beleuchten und ihre Anwendungsmöglichkeiten zu erläutern.
- Gesetzliche Grundlagen der Schätzung gemäß Abgabenordnung (AO)
- Differenzierung zwischen Schätzungs-, Verprobungs- und Prüfungsmethoden
- Instrumente des inneren und äußeren Betriebsvergleichs
- Anwendung statistisch-mathematischer Verfahren wie Chi-Quadrat-Test und Benford-Gesetz
- Durchführung von Geldverkehrs- und Vermögenszuwachsrechnungen
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Benford-Gesetz
Entsprechendes gilt für eine Abweichung vom Benford-Gesetz. Das Benford-Gesetz ist eine weitere statistisch-mathematische Methode, um die Plausibilität einer Buchführung zu überprüfen. Nach dem Benford-Gesetz entsprechen Ziffern und Zifferfolgen in einer Datenmenge immer einem bestimmten Muster, der sogenannten Benford-Verteilung. Je niedriger der zahlenmäßige Wert einer Ziffernsequenz bestimmter Länge an einer bestimmten Stelle einer Zahl ist, umso wahrscheinlicher ist ihr Auftreten. Für die Anfangsziffern in Zahlen des Zehnersystems gilt zum Beispiel, dass Zahlen mit der Anfangsziffer 1 etwa 6,5- mal so häufig auftreten wie solche mit der Anfangsziffer 9. Mit dem Benford-Gesetz lassen sich Unregelmäßigkeiten in der Buchführung, Bilanz usw. aufspüren, denn wer eine Bilanz manipuliert, achtet häufig auf eine gleichmäßige Verteilung von Ziffern. Da manipulierte Zahlen der Gesetzmäßigkeit nicht folgen, kann durch eine computergestützte Analyse die Aussagekraft einer ordnungsgemäßen Buchführung angezweifelt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Grundlagen für Schätzungen nach § 162 AO, die Voraussetzungen für das Schätzungsermessen der Finanzbehörden und definiert die Abgrenzung zu Verprobungs- und Prüfungsmethoden.
2 Die Methoden der Schätzung: Dieser Hauptteil beschreibt detailliert die verschiedenen praktischen Verfahren zur Schätzung von Besteuerungsgrundlagen, unterteilt in Vorjahresvergleiche, interne und externe Betriebsvergleiche, Deckungsrechnungen, Kassenfehlbetragsrechnungen sowie die griffweise Schätzung.
3 Zusammenfassung: Das Fazit stellt dar, dass die Finanzverwaltung über ein breites Spektrum an, teils digital gestützten, Methoden verfügt, um auf mangelnde Mitwirkung oder Manipulationen durch Steuerpflichtige zu reagieren, wobei die Rechtsprechung eine zentrale Rolle bei der Festlegung der Rahmenbedingungen spielt.
Schlüsselwörter
Schätzung, Abgabenordnung, Finanzamt, Betriebsprüfung, Nachkalkulation, Zeitreihenvergleich, Chi-Quadrat-Test, Benford-Gesetz, Geldverkehrsrechnung, Vermögenszuwachsrechnung, Kassenfehlbetragsrechnung, Sicherheitszuschlag, Verprobung, Steuerehrlichkeit, Buchführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die verschiedenen Methoden, die Finanzbehörden anwenden, um Steuern zu schätzen, wenn Besteuerungsgrundlagen nicht ermittelt oder berechnet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der Schätzung, die verschiedenen Techniken der Betriebsvergleiche sowie die Unterscheidung zwischen Schätzungs-, Verprobungs- und Prüfungsmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine strukturierte Darstellung und Erläuterung der in der Praxis gängigen Schätzungsmethoden, die Finanzbeamte zur Ermittlung realitätsnaher Besteuerungsgrundlagen einsetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die auf Kommentierungen, Fachbeiträgen und der Rechtsprechung zu steuerlichen Schätzungsverfahren basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Verfahren wie der Vorjahresvergleich, verschiedene Betriebsvergleiche (innen/außen), mathematische Tests sowie Deckungs- und Kassenfehlbetragsrechnungen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Schätzung, Abgabenordnung, Betriebsvergleich, Geldverkehrsrechnung, Sicherheitszuschlag und ordnungsgemäße Buchführung.
Wann darf das Finanzamt überhaupt eine Schätzung vornehmen?
Eine Schätzung ist zulässig, wenn das Finanzamt die Besteuerungsgrundlagen nicht ermitteln oder berechnen kann, was oft auf die Verletzung von Mitwirkungspflichten durch den Steuerpflichtigen zurückzuführen ist.
Ist der Steuerpflichtige verpflichtet, bei Schätzungsmethoden wie der Nachkalkulation mitzuwirken?
Der Steuerpflichtige ist nicht verpflichtet, selbst eine Nachkalkulation zu erstellen, muss jedoch gezielte Fragen der Finanzbehörde beantworten und sachdienliche Unterlagen vorlegen.
Was unterscheidet das Benford-Gesetz von anderen Methoden?
Es ist eine statistisch-mathematische Methode, die prüft, ob Ziffernverteilungen in einem Datenbestand natürlichen Mustern folgen, um so mögliche Manipulationen in der Buchführung aufzudecken.
Welche Rolle spielt die Rechtsprechung bei der Schätzung?
Die Rechtsprechung ist entscheidend, da sie die Rahmenbedingungen und Grenzen des Schätzungsermessens festlegt und Streitigkeiten zwischen Finanzbehörden und Steuerpflichtigen entscheidet.
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- Anonym (Autor:in), 2014, Methoden der Schätzung im Steuerrecht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/293697