Die alltägliche Erfahrung, dass sich 'Macht' auf den Einzelnen äußerst negativ auswirken kann, führt oftmals zu einer Ideologisierung der Machtfrage. Sie wird schlechthin als etwas "Anrüchiges" erlebt, was eine nüchterne Betrachtung des Phänomens erschwert. So wird gerade in der populärwissenschaftlichen Literatur der negative Aspekt der Macht hervorgehoben, indem er im Zusammenhang mit Ohnmacht, Autorität, Hierarchie und Angst genannt wird. Die Erfahrungen mit 'Machtkämpfen' - gerade innerhalb von Unternehmen - sorgt anscheinend für einen großen Bedarf an Ratgebern: sowohl für die Rezipienten der Macht als auch für Führungskräfte (in Form von Handbüchern für den verantwortungsvollen Umgang mit Macht). Häufig wird in diesen Ratgebern ein Machteinsatz à la Machiavelli beschrieben, der durch einen extrem autoritären Führungsstil gekennzeichnet ist.
Aber was bedeutet Macht, wie kann man sie charakterisieren? Wie und unter welchen Umständen wirkt sie im Unternehmen? Der Text enthält einen Überblick über die unterschiedlichen Machtelemente. Danach folgt eine kurze Analyse der Strukturen eines Unternehmens (als Organisation). Der Schwerpunkt liegt im letzten Kapitel, in dem eine Einordnung des Machtaspektes in diese Strukturen versucht wird.
Berlin, 1997.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Macht
1. Übersicht verschiedener Machtelemente
2. Machtbasen
3. Machtaggregatzustände
II. Organisationen
1. Das Unternehmen als Organisation
2. Gruppen innerhalb der Organisation
III. Macht in Organisationen
1. Macht innerhalb informeller Gruppen
2. Führungsmacht in formalen Gruppen
3. Organisationsentwicklung und Macht
Zusammenfassung und Schluss
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den vielschichtigen Machtaspekt in Unternehmen, um das oft negativ behaftete Phänomen aus einer organisationspsychologischen Perspektive zu beleuchten. Ziel ist es, die Machtbasen zu identifizieren, die Struktur von Organisationen und informellen Gruppen zu analysieren und die Rolle der Macht bei der Organisationsentwicklung kritisch einzuordnen, um ein Verständnis für eine verantwortungsvolle Führung zu schaffen.
- Grundlagen der Macht und verschiedene Machtbasen (nach French & Raven)
- Strukturanalyse des Unternehmens als Organisation
- Dynamiken und Machtverhältnisse in formalen und informellen Gruppen
- Machtanwendung im Rahmen der Organisationsentwicklung
- Verhältnis zwischen Führungsmacht und organisatorischen Zielsetzungen
Auszug aus dem Buch
3. Machtaggregatzustände
Kommen wir noch einmal auf die anfänglich erwähnte Definition von Max Weber zurück. Im Original heißt es: Macht bedeutet "jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht." 10 Man muss also berücksichtigen, welche Möglichkeiten und Fähigkeiten die Akteure innerhalb einer sozialen Bez. innehaben.
So löst das Vorhandensein von Expertenwissen nicht automatisch eine Machtwirkung aus. Hat der Experte A nicht nur die Möglichkeit und den Willen, sondern auch die Fähigkeiten, seine Ressource 'Wissen' so einzusetzen, dass er das Verhaltens von B beeinflussen kann (z.B. durch Informationsfilterung oder auch -vorenthaltung), dann stellen für den Experten dessen Spezialkenntnisse ein 'Machtpotential' dar. Solange er diesen Prozess aber nicht in Gang setzt, die Möglichkeit zur Machtausübung nicht wahrgenommen wird, lässt sich dies als potentielle Macht bezeichnen.
Mobilisiert der Experte A tatsächlich sein Wissen als Machtpotential, um mit den Mitteln der Informationsmacht eine Machtwirkung zu erzielen, und ändert B tatsächlich sein Verhalten in der von A gewünschten Weise, dann kann dies als aktuelle Macht bezeichnet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Ideologisierung des Machtbegriffs und führt in die interdisziplinäre Sichtweise sowie die Zielsetzung der Arbeit ein.
I. Macht: Dieses Kapitel definiert Machtelemente, klassifiziert Machtbasen wie Belohnungs-, Bestrafungs-, Legitimations-, Experten- und Referenzmacht und differenziert zwischen potentieller, aktueller und latenter Macht.
II. Organisationen: Hier wird das Unternehmen als formale Institution mit sozialer Struktur und arbeitsteiliger Hierarchie betrachtet sowie die Entstehung von formalen und informellen Gruppen untersucht.
III. Macht in Organisationen: Dieses Kapitel analysiert die Ausübung von Macht innerhalb von informellen Gruppen, die Instrumentalisierung von Führungsmacht in formalen Strukturen und die Rolle der Macht in Veränderungsprozessen.
Zusammenfassung und Schluss: Der abschließende Teil fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Kontrollmechanismen, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Macht zu gewährleisten.
Schlüsselwörter
Macht, Führung, Organisation, Machtbasen, Organisationsentwicklung, Gruppen, Informelle Führung, Sanktionsmacht, Legitimationsmacht, Expertenmacht, Referenzmacht, Einfluss, Management, Organisationspsychologie, Unternehmensstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Machtaspekts in Unternehmen und untersucht, wie Macht in Organisationen strukturiert ist, wirkt und ausgeübt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Klassifizierung von Machtbasen, die Unterscheidung zwischen formalen und informellen Gruppen sowie die Rolle von Macht bei organisatorischen Veränderungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein besseres Verständnis des Phänomens Macht im Unternehmenskontext, um den Grat zwischen autoritärer Führung und zielführender Organisationsentwicklung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung existierender wissenschaftlicher Literatur zu Führungs- und Machttheorien sowie Organisationspsychologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Machtbasen, die Analyse der Organisationsstruktur inklusive der Rolle von Gruppen sowie die Einordnung von Macht in Führungskontexte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Macht, Führung, Organisation, Organisationsentwicklung sowie der Kontrast zwischen formalen und informellen Machtstrukturen.
Was unterscheidet aktuelle Macht von potentieller Macht?
Potentielle Macht ist lediglich die vorhandene Fähigkeit oder Ressource zur Machtausübung, während aktuelle Macht das tatsächliche, willentliche Mobilisieren dieser Ressourcen zur Verhaltensänderung bei anderen beschreibt.
Warum ist die Unterscheidung zwischen formalen und informellen Gruppen wichtig?
Sie ist entscheidend, da Macht in formalen Gruppen oft über Hierarchien legitimiert ist, während sie in informellen Gruppen auf persönlichen Beziehungen und anderen Machtquellen wie Expertenwissen basiert.
- Arbeit zitieren
- Almut Stielau (Autor:in), 1997, Der Machtaspekt im Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/293258