In der nachfolgenden Arbeit soll anhand der unterschiedlichen Figuren des Stückes ermittelt werden, inwiefern das Drama bezüglich des bürgerlichen Werte- und Erziehungssystems kritisches Potential entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Vertreter der höfischen Gesellschaft
2.1 Die Figur des Prinzen Hettore Gonzaga
2.2 Die Figur des Kammerherrn Marinelli
2.3 Die Figur der Gräfin Orsina
3. Die Vertreter der aufgeklärten, bürgerlichen Gesellschaft
3.1 Die Figur des Grafen Appiani
3.2 Die Figur Odoardo Galotti
3.3 Emilia Galotti
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das bürgerliche Trauerspiel Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing, um zu ermitteln, inwiefern das Drama ein kritisches Potenzial gegenüber dem damaligen bürgerlichen Werte- und Erziehungssystem sowie dem absolutistischen Herrschaftssystem entwickelt.
- Analyse der höfischen Gesellschaft durch die Figuren Prinz Hettore Gonzaga, Marinelli und Gräfin Orsina.
- Untersuchung der bürgerlich-aufgeklärten Welt anhand von Graf Appiani, Odoardo Galotti und Emilia Galotti.
- Herausarbeitung des Antagonismus zwischen höfischer Lebenswelt und bürgerlicher Familie.
- Kritische Reflexion über die Unvereinbarkeit von leidenschaftlichen Affekten und vernünftigem Handeln.
- Aufdeckung der autoritären Strukturen innerhalb der Familie als Spiegelbild der politischen Machtverhältnisse.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Figur des Prinzen Hettore Gonzaga
Anhand des Prinzen von Guastalla, der die höfische Gesellschaft repräsentiert und dessen Verführungskünsten Emilia ausgesetzt ist, lassen sich in diesem Trauerspiel mehrere Konflikte aufzeigen. Der absolutistisch regierende Prinz, dessen Aufgabe in erster Linie darin bestehen sollte, „stets [...] sachlich und rational“ im Sinne des Gemeinwohls seiner Bürger zu handeln, unterliegt „als Mensch genauso seinen Affekten [...] wie jeder andere“. Während des gesamten Dramas wird immer wieder deutlich, dass sich der Prinz von seinen Emotionen und Leidenschaften leiten lässt, was in Anbetracht seiner hohen politischen und gesellschaftlichen Stellung und der damit einhergehenden Macht eine große Problematik darstellt. Die besondere gesellschaftliche Stellung des Prinzen wird im gesamten Drama wiederholt zum Ausdruck gebracht, indem die übrigen Figuren vom Prinzen stets als „er selbst“ (siehe EG, 27, 48) sprechen. Ein erstes Beispiel dafür, dass das Handeln des Prinzen von persönlichen Motiven bestimmt wird, ist eine Bittschrift, die der Prinz erhält und die zwar, wie er selbst sagt „[v]iel gefordert“ ist, die er aber einzig und allein aufgrund des Vornamens erfüllen will. Im Text heißt es: „Der Prinz: [...] Viel gefordert; sehr viel. – Doch sie heißt Emilia. Gewährt!“ (EG, 6). Gleich zu Beginn des Dramas betont Lessing also „[d]en Konflikt, der sich unausweichlich aus der Verbindung von Herrscheramt und Menschsein ergibt“. Der Prinz selbst bringt diese Problematik bereits im ersten Aufzug zum Ausdruck, indem er sagt: „Mein Herz wird das Opfer eines elenden Staatsinteresse.“ (EG, 13) Bei der Umsetzung seiner persönlichen Interessen profitiert der Prinz von seiner Machtposition und missbraucht seine Stellung dahingehend, seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu stillen. Eine Belegstelle für solch einen „despotische[n] Übergriff“ des Prinzen in den privaten Bereich seines Volkes liefert Lessings Werk, als der Prinz seinem Kammerherrn Marinelli vollkommene Handlungsfreiheit einräumt, um die noch am selben Tag stattfindende Heirat zwischen der vom Prinzen begehrten Emilia Galotti und dem Grafen Appiani zu verhindern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk Emilia Galotti ein, beleuchtet dessen gesellschaftskritische Bedeutung im 18. Jahrhundert und definiert die Zielsetzung der Analyse der verschiedenen Figurenkonstellationen.
2. Die Vertreter der höfischen Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert die Repräsentanten des Hofes, namentlich Prinz Hettore Gonzaga, Marinelli und Gräfin Orsina, und deren Verflechtung in absolutistische Machtstrukturen und Leidenschaften.
2.1 Die Figur des Prinzen Hettore Gonzaga: Es wird dargelegt, wie der Prinz durch sein Handeln nach persönlichen Affekten sein Herrscheramt missbraucht und damit seine absolutistische Willkür verdeutlicht.
2.2 Die Figur des Kammerherrn Marinelli: Dieses Kapitel zeigt Marinelli als manipulativen Adjuvanten des Prinzen, der als skrupelloser Hofmann agiert und die Interessen des Prinzen um jeden Preis durchsetzt.
2.3 Die Figur der Gräfin Orsina: Es wird die Rolle der Gräfin Orsina als eine zwar zum Hof gehörende, jedoch aufklärerisch handelnde und durchschauende Figur beleuchtet, die gegen die Intrigen des Prinzen opponiert.
3. Die Vertreter der aufgeklärten, bürgerlichen Gesellschaft: Hier wird der Fokus auf die bürgerlichen Figuren gelegt, die in einen Konflikt zwischen ihren Werten und der höfischen Machtwelt geraten.
3.1 Die Figur des Grafen Appiani: Das Kapitel charakterisiert Graf Appiani als tragische Figur, die durch ihren Versuch, ein unabhängiges, moralisch integres Leben zu führen, zum Opfer höfischer Intrigen wird.
3.2 Die Figur Odoardo Galotti: Es wird Odoardo Galottis tugendhafter Anspruch analysiert, der jedoch im Verlauf des Dramas durch eigene Affekte und eine autoritäre, übersteigerte Moralvorstellung zunehmend in eine Krise gerät.
3.3 Emilia Galotti: Die Analyse konzentriert sich auf Emilia als Hauptfigur, deren strikter Tugendbegriff und Frömmigkeit sie schließlich ausweglos in den Tod treiben, um ihre moralische Integrität zu wahren.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Lessing durch die Charakterisierung der Figuren eine doppelte Kritik an der absolutistischen Staatsmacht und dem autoritären Familienpatriarchat übt.
Schlüsselwörter
Emilia Galotti, Gotthold Ephraim Lessing, Aufklärung, Absolutismus, Tugend, Moral, Bürgerliches Trauerspiel, Herrschaftskritik, Intrige, Affekte, Patriachat, Emanzipation, Staatsraison, Leidenschaft, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Drama Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing unter dem Gesichtspunkt seiner Gesellschaftskritik, insbesondere im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen höfischer Welt und bürgerlichem Milieu.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Zentrale Themen sind die Kritik am absolutistischen Herrschaftssystem, die bürgerlichen Tugendvorstellungen, der Konflikt zwischen privatem Begehren und öffentlicher Macht sowie die Dialektik der aufklärerischen Ideale.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel besteht darin, durch eine detaillierte Figurenkonstellation zu zeigen, wie Lessing sowohl die absolutistische Staatsform als auch autoritäre Strukturen innerhalb der bürgerlichen Familie hinterfragt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Figurenanalyse, gestützt auf fachspezifische Sekundärliteratur zur Aufklärung und zum Trauerspiel des 18. Jahrhunderts.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Im Hauptteil erfolgt eine tiefgehende Analyse der höfischen Vertreter (Prinz, Marinelli, Orsina) sowie der bürgerlichen Protagonisten (Appiani, Odoardo, Emilia) und deren jeweiligem Scheitern an gesellschaftlichen Normen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Emilia Galotti, Aufklärung, Tugendkonflikt, absolutistische Willkür und bürgerliches Werte- und Erziehungssystem charakterisiert.
Inwiefern spielt der Begriff der Tugend bei Odoardo Galotti eine problematische Rolle?
Bei Odoardo Galotti wird Tugend als eine radikale, fast autoritäre Waffe dargestellt, die ihn jedoch in die Unfähigkeit führt, seine eigenen Affekte zu beherrschen, was letztlich das tragische Ende seiner Tochter mitverursacht.
Warum wird Gräfin Orsina als eine Figur mit aufklärerischen Zügen bewertet?
Orsina wird als aufklärerisch eingestuft, da sie in der Lage ist, die Intrigen des Prinzen sofort zu durchschauen, ihren eigenen Verstand einzusetzen und den Mut aufbringt, die Missstände öffentlich zu machen.
- Arbeit zitieren
- Lena Frauenknecht (Autor:in), 2014, Emilia Galotti. Eine Kritik am bürgerlichen Werte- und Erziehungssystem?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/293007