Dem Faust-Stoff gilt seit Jahrhunderten ein besonderes Interesse. Er zeigt auf, wie sich ein Mensch im Hier und Jetzt mit den Gegebenheiten so unwohl fühlen und ein unerschöpfliches Streben nach neuem Wissen und Höherem entwickeln kann, dass er sich sogar auf einen Pakt mit dem Teufel einlässt.
In meiner Hausarbeit möchte ich vor diesem Hintergrund zunächst erarbeiten, was ein Pakt beziehungsweise ein Bündnis überhaupt ist und wie er zustande kommt. Dabei möchte ich auf die unterschiedlichen Arten eingehen, die entweder das Einverständnis des Menschen und den eigenen Willen zum Paktschluss beinhalten oder im Umkehrschluss auch Verführungs-strategien des Teufels implizieren, durch die dem Menschen sozusagen ein Vertrag „aufgezwungen“ wurde. Dabei ist es dem Menschen, ganz gleich ob der Vertrag schriftlich oder in mündlicher Form geschlossen wurde, nicht möglich, aus der Vereinbarung wieder heraustreten zu können. Genau wie heute galten auch mündliche Verträge damals als rechtskräftig.
Mit dieser Kenntnis über die äußere Form eines Paktes möchte ich im zweiten Schritt auf die Historia von D. Johann Fausten genauer eingehen. Diese behandelt den „historischen Faust“ , der wahrscheinlich um 1480 geboren wurde und mit richtigem Namen „Georg Faust“ hieß. Vor der Zeit, als ein anonymer Autor die Historia verfasste, entstanden bereits „Berichte, Anekdoten und Sagen“ über diesen faszinierenden Mann. Im Jahr 1587 entstand dann die mir vorliegende Historia von D. Johann Fausten. Bezogen darauf erläutere ich, wie Faust zu seinem Pakt mit dem Teufel kommt und wie dieser aussieht. Weiterhin, dass er am Ende die Gnade Gottes unterschätzt und so einen grausamen Tod findet.
Des Weiteren werde ich mit der „Urfassung“ Historia die Faust-Fassung von Goethe im Hinblick auf den Teufelspakt vergleichen. Diese erschien in fertiger Fassung 1832, also fast dreieinhalb Jahrhunderte später als die Historia. In dieser Version sich der Teufel zu einer anderen Persönlichkeit hin verändert, die allgemein positiver wirkt als die Gestalt in der Historia. Auch hat sich die ganze Rahmenhandlung verändert und erzählt nicht mehr nur das Leben des Dr. Johann Fausten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Ein Bündnis/Pakt mit dem Teufel
2.2. Der Teufelspakt in der Historia von D. Johann Fausten
2.3. Der Teufelspakt in Goethes Faust
2.4. Vergleich
3. Schluss
4. Literaturverzeichnis
4.1. Primärliteratur
4.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung und Forschungsfokus
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung des Motivs des Teufelspaktes in der literarischen Tradition, ausgehend von der "Historia von D. Johann Fausten" bis hin zu Goethes "Faust". Das zentrale Ziel ist es, die Transformation der Teufelsfigur, die sich wandelnde Bedeutung des Paktes sowie die Einflüsse gesellschaftlicher Umstände auf die Darstellung von Gut und Böse in diesen beiden wegweisenden Fassungen kritisch zu analysieren.
- Analyse der historischen und theologischen Grundlagen des Teufelsbundes.
- Untersuchung der Paktgestaltung in der "Historia von D. Johann Fausten".
- Deutung der Wette und der Rolle Mephistopheles' in Goethes "Faust".
- Vergleichende Gegenüberstellung der beiden Versionen hinsichtlich Struktur, Figurenentwicklung und Schlusswendung.
- Einordnung der literarischen Darstellungen in den jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext.
Auszug aus dem Buch
2.3. Der Teufelspakt in Goethes Faust
Der Pakt oder Vertrag zwischen Faust und dem Teufel wird in Goethes Version von einer Wette zwischen Letzterem und Gott dominiert. Im „Prolog im Himmel“ behauptet der Teufel Mephistopheles, dass es ihm möglich sei, die Willensschwäche der Menschen und deren Unvollkommenheit am Beispiel des Dr. Fausts aufzuzeigen zu können. Er ist sich sicher, diesen verführen zu können, da er eine generell negative Grundeinstellung zum „kleine[n] Gott[es] der Welt“ hat. Gott lässt sich auf diese Wette ein, beziehungsweise setzt dem nichts entgegen, da der Ausgang von Anfang an vorbestimmt ist.
Gott und Mephistopheles sind untrennbare Opponenten und spielen nur zusammen eine Rolle im Himmelreich. Das Irren und Täuschen des Menschen sind in Gottes Plan von der Welt enthalten. Menschliche Schwäche und das Versagen gehen einher mit der endgültigen Erlösung des Menschen und sind dieser sogar förderlich. Bezieht man sich darauf, erfüllt Mephistopheles sogar den Willen des Herrn, indem er die Menschen, speziell Faust, verführt und auf die böse Seite lockt. Im Umkehrschluss bedeutet das für die Wette zwischen Gott und dem Teufel: Je erfolgreicher die Verführung, desto offensichtlicher ist der Gewinn oder Sieg des Herrn. Mephistopheles Handeln wirkt sich im Endeffekt also positiv aus und unterliegt dem Willen Gottes. So sieht sich der Teufel auch als „Himmelsangestellter“, also als Mitarbeiter bei Gottes Gefolgschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Relevanz des Faust-Stoffes ein und definiert die methodische Herangehensweise sowie die Zielsetzung der vergleichenden Analyse zwischen der Historia und Goethes Werk.
2. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert zunächst das Wesen des Teufelsbundes, analysiert dann detailliert die Paktmotive in der Historia und bei Goethe und führt abschließend einen strukturierten Vergleich der beiden Erzählungen durch.
3. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, wie sich der Wandel des Höllenbildes und das zeitgenössische Lebensgefühl in der positiven Neugestaltung des Pakt-Endes bei Goethe widerspiegeln.
4. Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet alle für die Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.
Schlüsselwörter
Faust, Teufelspakt, Mephistopheles, Historia von D. Johann Fausten, Johann Wolfgang von Goethe, Teufelsbund, Wette, Wissensdurst, Erlösung, Gut und Böse, Literaturvergleich, Literaturgeschichte, Sünde, Gnade, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem literarischen Motiv des Teufelspaktes und vergleicht dessen Ausgestaltung in der anonymen "Historia von D. Johann Fausten" (1587) und Goethes "Faust" (1832).
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Pakten und Bündnissen mit dem Teufel, die Rolle der Verführung, die verschiedenen Charakterisierungen des Teufels sowie die Einbettung der Werke in ihren jeweiligen historischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die signifikanten Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Umgang mit dem Teufelspakt aufzuzeigen und zu erklären, warum sich die Darstellung vom "bösen" Pakt der Historia hin zur "Wette" bei Goethe gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Vergleichsanalyse, die auf der Auswertung primärliterarischer Texte und relevanter fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung des Teufelsbundes, die spezifische Analyse der Paktbedingungen in der Historia, die Untersuchung der Wette bei Goethe und einen detaillierten Vergleich dieser Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Faust-Stoff, Teufelspakt, Mephistopheles, literarische Tradition, historische Transformation und Gnade charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Teufelsfigur in der Historia von der bei Goethe?
Während der Teufel in der Historia als finstere, rein böse Macht erscheint, wandelt er sich bei Goethe zu einer komplexeren Persönlichkeit, die durch eine Wette mit Gott in ein spielerisches und zeitweise komisches Licht gerückt wird.
Welche Bedeutung kommt dem Ende von Faust in beiden Fassungen zu?
In der Historia endet Faust durch Paktbruch grausam und verliert seine Seele, während Faust bei Goethe durch die Gnade Gottes erlöst wird und sein Streben in einer positiven Wendung findet.
- Arbeit zitieren
- Maja Büttner (Autor:in), 2013, Ein Pakt mit dem Teufel. Der Faust-Stoff von der "Historia" zu Goethes Erzählung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/292887