Mit Hunden verbinden Tierliebhaber normalerweise eine gewisse Leichtigkeit und Lebensfreude, aber auch Arbeit und viel Zeitaufwendung. Für die meisten stellen die Vierbeiner einen fest verankerten Teil der Familie dar, der gepflegt und behütet wird.
Nicht so bei Marion Poschmanns Protagonistin: In der „Hundenovelle“ wird ein Ausschnitt ihres Lebens erzählt, welcher durch das plötzliche Auftauchen und Aufdrängen eines schwarzen Hundes aus den Fugen gerät.
Die Hauptdarstellerin, deren Name nicht genannt wird und die sehr zurückgezogen lebt, fühlt sich durch den Hund zunehmend in ihrer Privatsphäre gestört und sogar belästigt, bis sie ihn schließlich aus ihrem Leben verbannt.
Diese Störung des Normalzustandes beschreibt ein gängiges Kennzeichen der Novelle und trägt nach Goethe den Namen „unerhörte Begebenheit“.
Jene Begebenheit gilt als eines der Hauptmerkmale der Gattung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Zum Begriff der Novelle
2.1.1 Geschichte
2.1.2 Gattungsspezifische Novellenmerkmale
2.1.3 Psychologische Novelle nach Schlaffer
2.2 Marion Poschmann: „Hundenovelle“
2.2.1 Narrative Struktur
2.2.2 Besondere Merkmale
2.2.2.1 Melancholie
2.2.2.2 „[E]ine sich ereignende, unerhörte Begebenheit“
2.2.2.2.1 Merkmale
2.2.2.2.2 „Unerhörte Begebenheiten“ im Text
3 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentralen Novellenmerkmale in Marion Poschmanns „Hundenovelle“ (2008), wobei der Fokus insbesondere auf der gattungstypischen „unerhörten Begebenheit“ sowie der intertextuellen Verknüpfung mit Albrecht Dürers „Melencolia I“ liegt. Es soll analysiert werden, wie die psychische Disposition der Protagonistin und das Auftauchen des Hundes die narrative Struktur der Novelle prägen.
- Gattungsgeschichte und Merkmale der Novelle
- Narratologische Analyse des Erzählverfahrens
- Psychologische Novelle als Ausdruck von Geistesstörungen
- Melancholie als zentrales Motiv und Symbolik
- Die „unerhörte Begebenheit“ als determinierendes Element
Auszug aus dem Buch
„[E]ine sich ereignende, unerhörte Begebenheit“
„Die Baracke schwerfällig, ein Flachbau, der zu anderen Zeiten Werkskiosk oder Kindergarten gewesen sein mochte. Jetzt waren die Fenster mit Brettern vernagelt, die Wände graffitibesprüht.“
Die Protagonistin selbst befindet sich bereits in einem Zustand der Melancholie, der wahrscheinlich durch ihre Isolation und den Jobverlust zustande kam: „ Ich tat nichts mehr, etwas hielt mich unten, eine allgemeine Schwere durchzog diesen Sommer, [ ]“. Auf einmal kommt ein „Hund unbestimmter Rasse“ und legt sich an ihre Füße. Als sie gehen will, folgt ihr der große Hund bis nach Hause. Auch nach mehrmaligen Versuchen lässt er sich nicht abschütteln und bleibt wie ein Eindringling in ihrem Leben.
Jenes Auftauchen des Hundes lässt sich als „unerhörte Begebenheit“ charakterisieren. Die Protagonistin hat den Hund weder gerufen, noch in irgendeiner Art angelockt: „Ein schwarzes Tier strich aus dem Gebüsch und rollte sich zu meinen Füßen ein.“ Auch kann sie sich nicht dagegen wehren, dass der Hund einfach in ihr Leben eindringt. Neben der immer wiederkehrenden Verärgerung darüber, dass das Tier trotz jeglicher Bemühung noch da ist, lässt sie sich doch in einem gewissen Maß auf ihn ein: „Die Friseuse befestigte das Halsband und drückte mir die nagelneue Leine in die Hand. Etwas durchfuhr mich heiß wie kindischer, freudiger Stolz.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der „Hundenovelle“ ein, stellt die Autorin Marion Poschmann vor und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Novellenmerkmale und der Rolle der „unerhörten Begebenheit“.
2 Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Gattungsmerkmale und Psychologie der Novelle sowie eine anschließende narratologische und inhaltliche Analyse der „Hundenovelle“.
3 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Ergebnisse der Analyse und bestätigt die Einordnung der „Hundenovelle“ als psychologische Novelle, deren Handlung durch eine unumgängliche, schicksalhafte Begebenheit determiniert ist.
Schlüsselwörter
Hundenovelle, Marion Poschmann, Novelle, unerhörte Begebenheit, Melancholie, Melencolia I, Albrecht Dürer, Psychologische Novelle, Erzähltheorie, Narratologie, Isolation, Depression, Gattungsgeschichte, Literaturanalyse, Identitätsverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die spezifischen Merkmale der literarischen Gattung „Novelle“ anhand von Marion Poschmanns Werk „Hundenovelle“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Gattungsgeschichte der Novelle, die Theorie der psychologischen Novelle sowie die Darstellung von Melancholie und Isolation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die „unerhörte Begebenheit“ innerhalb der „Hundenovelle“ zu identifizieren und zu analysieren, wie diese das Schicksal der melancholischen Protagonistin bestimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine narratologische Analyse nach Martinez/Scheffel sowie eine literaturwissenschaftliche Gattungsanalyse basierend auf Füllmann und Schlaffer angewendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Herleitung der Novellenmerkmale als auch eine detaillierte Untersuchung der narrativen Struktur und der Symbolik in Poschmanns Novelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Hundenovelle, Novelle, unerhörte Begebenheit, Melancholie und psychologische Novelle.
Inwiefern spielt Dürers „Melencolia I“ eine Rolle für die Interpretation?
Die Novelle weist deutliche intertextuelle Bezüge zu Dürers Kupferstich auf, insbesondere hinsichtlich der melancholischen Grundhaltung und der isolierten, künstlerisch-gelehrten Einsamkeit der Protagonistin.
Wie definiert die Arbeit das Auftauchen des Hundes?
Das Auftauchen des schwarzen Hundes wird als die „unerhörte Begebenheit“ interpretiert, die unvorhersehbar in das Leben der Hauptfigur eingreift und ihren bestehenden psychischen Zustand der Melancholie verschärft.
Wie endet die Novelle laut der Analyse?
Die Novelle endet gattungstypisch dramatisch mit dem Tod des Hundes, wodurch die Protagonistin in ihre ursprüngliche, aber nun weiter fortgeschrittene Isolation zurückfällt.
- Arbeit zitieren
- Maja Büttner (Autor:in), 2014, Die „unerhörte Begebenheit“ in der „Hundenovelle“ von Marion Poschmann, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/292877