Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den wenigen Ländern in der Europäischen Union, die bislang noch keinen gesetzlich verankerten Mindestlohn eingeführt haben. Von insgesamt 27 Ländern haben bisher immerhin 20 diesen Schritt gewagt. Durch die im September anstehende Bundestagswahl, ist das Thema in der BRD aktueller als jemals zuvor. Während die Opposition um die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Linke und das Bündnis 90/Die Grünen einen gesetzlichen Mindestlohn fordert und gleichzeitig der Koalition um die Christlich Demokratische Union (CDU) und der Freien Demokratischen Partei (FDP) die ungehinderte Ausbreitung von Lohndumping vorwirft, wollen eben jene an der im Grundgesetz festgelegten Tarifautonomie und der sozialen Moral der Arbeitgeber festhalten.
Bei der allgemeinen Diskussion und der oftmals generellen Befürwortung eines gesetzlichen Mindestlohns, werden häufig die potentiellen Konsequenzen vollständig außer Acht gelassen. Dabei können diese sehr weitreichend sein, sei es für die Arbeitgeber, die Politik, die Gewerkschaften oder für eben jene Gruppe, die von dieser Einführung eigentlich profitieren sollten, nämlich die Arbeitnehmer.
In dieser Arbeit setzt sich der Verfasser intensiv mit den Ursachen für die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn auseinander und analysiert anschließend die potentiellen Folgen auf die Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter Berücksichtigung der neoklassischen Theorie. Außerdem wird im letzten Kapitel profund eine Alternative zum gesetzlichen Mindestlohn charakterisiert und erörtert, ob Deutschland sich nicht eher an einer Minderheit von Ländern in der EU als an der breiten Masse orientieren sollte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedarf es gesetzlicher Lohnuntergrenzen in der BRD?
2.1 Definition und Einordnung des Niedriglohnsektors in der BRD
2.2 Ursachen für den expansiven Niedriglohnsektor in der BRD
3. Konsequenzen der Implementierung eines gesetzlichen Mindestlohns
3.1 Das Modell des vollkommenen Arbeitsmarktes
3.2 Weitreichende Folgen für den Arbeitsmarkt
3.3 Blick nach Großbritannien
4. Alternativen zum gesetzlichen Mindestlohn
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Ursachen des expandierenden Niedriglohnsektors in der Bundesrepublik Deutschland und analysiert kritisch die potenziellen ökonomischen Folgen einer Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob ein gesetzlicher Mindestlohn das geeignete Instrument zur Steigerung der sozialen Gerechtigkeit ist oder ob alternative Ansätze, wie die Stärkung der Tarifbindung, erfolgversprechender sind.
- Analyse des Niedriglohnsektors und seiner Ursachen in der BRD
- Ökonomische Betrachtung der Mindestlohnfolgen mittels neoklassischer Theorie
- Vergleichende Analyse des britischen „National Minimum Wage“
- Untersuchung der Bedeutung von Tarifbindung und gewerkschaftlichem Organisationsgrad
- Diskussion von Alternativen zum gesetzlichen Mindestlohn
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Modell des vollkommenen Arbeitsmarktes
Die bisher außer Acht gelassenen Konsequenzen einer Mindestlohnimplementierung sollen in diesem Kapitel auf Basis der neoklassischen Theorie profund analysiert werden. In der Neoklassik wird von dem Vorhandensein eines vollkommenen Arbeitsmarktes ausgegangen, also einem Markt mit vollständiger Konkurrenz. Das heißt, dass von der Arbeitsangebotsseite (A), also den Arbeitnehmern, mit steigendem Lohn auch mehr Menschen ihre Arbeitskraft anbieten. Auf der Arbeitsnachfrageseite (N), also der Arbeitgeberseite, wird das Unternehmensziel der Gewinnmaximierung durch sinkende Nachfrage nach Arbeit mit steigenden Löhnen dargestellt. Im Schnittpunkt der beiden Kurven befindet sich der Gleichgewichtspreis (G), also jener Preis für Arbeit, bei dem Angebot und Nachfrage identisch sind.
Wird nun ein gesetzlich verankerter Mindestlohn (M) über dem Gleichgewichtspreis eingeführt, sinkt die Nachfrage nach Arbeit. Dies führt in der Realität zu Kündigungen und Stellenabbau. Die Konsequenz daraus wäre eine höhere Arbeitslosigkeit (AL) als vor der Mindestlohnimplementierung, die sich durch Subtraktion der Punkte MA-MN ergibt. Aus dem Modell wird auch ersichtlich, dass die mindestlohnbedingte Arbeitslosigkeit abhängig von der Höhe des Mindestlohns ist. Dabei gilt, je höher der Mindestlohn, desto höher die resultierende Arbeitslosigkeit.
Das Diagramm unterstreicht noch mal die negativen Auswirkungen, welche die Implementierung eines gesetzlichen Mindestlohns auf die Arbeitslosenzahlen zur Folge hätte. Zwar würden die Produktiven unter den Geringverdienern zunächst von der Implementierung profitieren, da sie einen höheren Lohn erhalten. Jedoch sind die mittel- bis langfristigen Konsequenzen, dass die im Unternehmen verbliebenen Beschäftigten, die Arbeit der aufgrund der Mindestlohnhöhe nicht mehr finanzierbaren und entlassenen Mitarbeiter erledigen müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte um den Mindestlohn in Deutschland ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die Ursachen sowie Folgen unter Berücksichtigung ökonomischer Theorien zu analysieren.
2. Bedarf es gesetzlicher Lohnuntergrenzen in der BRD?: Dieses Kapitel definiert den Niedriglohnsektor und untersucht dessen Expansion sowie die zugrunde liegenden Ursachen in Deutschland.
3. Konsequenzen der Implementierung eines gesetzlichen Mindestlohns: Hier werden die theoretischen Folgen eines Mindestlohns auf den Arbeitsmarkt diskutiert und ein Vergleich mit der Situation in Großbritannien angestellt.
4. Alternativen zum gesetzlichen Mindestlohn: Dieses Kapitel erörtert die Bedeutung der Tarifbindung und schlägt Wege zur Stärkung der Gewerkschaften als Alternative zur gesetzlichen Lohnfestlegung vor.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und spricht sich gegen einen gesetzlichen Mindestlohn zugunsten alternativer, tariflicher Gestaltungsinstrumente aus.
Schlüsselwörter
Mindestlohn, Niedriglohnsektor, Arbeitsmarkt, Neoklassik, Tarifbindung, Gewerkschaften, Arbeitslosigkeit, Lohnuntergrenze, Einkommensungleichheit, National Minimum Wage, Tarifvertragsgesetz, Sozialpolitik, Lohndumping, Beschäftigung, Wirtschaftsordnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kontroversen Diskussion um die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland und bewertet diesen kritisch vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Expansion des Niedriglohnsektors, die neoklassische Theorie des Arbeitsmarktes sowie die Rolle der Tarifbindung und gewerkschaftlicher Organisation.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob ein gesetzlicher Mindestlohn das richtige Instrument gegen Lohndumping ist oder ob eine Stärkung der Tarifautonomie ein effektiverer Weg zur sozialen Sicherung darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert auf einer theoretischen Analyse unter Anwendung des Modells des vollkommenen Arbeitsmarktes aus der neoklassischen ökonomischen Theorie sowie einer vergleichenden Betrachtung empirischer Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Ursachen für Niedriglöhne beleuchtet, anschließend die negativen Auswirkungen eines Mindestlohns auf die Arbeitslosenzahlen theoretisch hergeleitet und abschließend alternative Lösungsansätze diskutiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Mindestlohn, Niedriglohnsektor, neoklassische Theorie, Tarifbindung und Arbeitslosigkeit.
Wie unterscheidet sich die Situation in Deutschland von der in Großbritannien?
Der Autor führt aus, dass die ökonomischen Bedingungen und Mindestlohnhöhen nicht direkt vergleichbar sind, weshalb die britischen Erfahrungen nicht unreflektiert auf Deutschland übertragen werden sollten.
Warum hält der Autor die Tarifbindung für eine sinnvollere Alternative?
Der Autor argumentiert, dass eine Stärkung der Tarifbindung und der Gewerkschaften eine flexiblere und marktgerechtere Lohngestaltung ermöglicht, die nicht auf politischen Rechenspielen basiert.
- Arbeit zitieren
- Niklas Lohse (Autor:in), 2012, Gesetzlicher Mindestlohn. Ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit oder Richtung Abgrund?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/292604