Interkommunale Kooperation ist ein neues Schlagwort für ein seit langem praktiziertes Vorgehen kommunaler Aufgabenerfüllung. Viele Kommunen arbeiten bereits in den Bereichen Wasserwirtschaft, Gewerbeansiedlung, Tourismus sowie im Kultur- und Freizeitbereich zusammen. Obwohl Einvernehmen über den Sinn und Nutzen von Kooperationen besteht, treffen sie im Alltag auf Egoismen von Akteuren oder unlösbar scheinenden Aushandlungsprozessen.
Es stellt sich die Frage, wie dieser Aushandlungsprozess für alle Akteure befriedigend gestaltet werden kann. Kann die Transaktionskostentheorie von Oliver Williamson ein geeignetes Mittel sein, um Ängste und Befürchtungen bzgl. Einflussverlust oder Benachteiligungen einzudämmen? Oder ist die Transaktionskostentheorie unter Umständen für die Lösung von Konflikten im Rahmen interkommunaler Kooperation nur bedingt geeignet? Sind Modifikationen notwendig oder ist die Theorie ungeeignet für die Betrachtung interkommunaler Kooperationen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Interkommunale Kooperation
2.1 Definition
2.2 Gründe für interkommunale Kooperation
2.3 Weiche und harte Formen interkommunaler Kooperation
2.4 Rechtliche Formen interkommunaler Kooperation
2.4.1 Formlose Zusammenarbeit
2.4.2 Öffentlich-rechtliche Rechtsformen
2.4.2.1 Zweckverband
2.4.2.2 Öffentlich-rechtliche Vereinbarung
2.4.2.3 Kommunale Arbeitsgemeinschaft
2.4.3 Privatrechtliche Rechtsformen
2.4.3.1 Gesellschaft mit begrenzter Haftung (GmbH)
2.4.3.2 Privatrechtliche Vereinbarung
2.4.3.3 Eingetragener Vereine (e.V.)
2.4.3.4 Weitere privatrechtliche Organisationsformen
2.5 Zwischenfazit interkommunaler Kooperation
3. Transaktionskostentheorie
3.1 Definition Transaktionskosten
3.2 Annahmen über Akteure
3.3 Dimensionen von Transaktionen
3.3.1 Faktorspezifität
3.3.2 Strategische Bedeutung
3.3.3 Häufigkeit
3.3.4 Unsicherheit
3.4 Agenturtheorie
3.5 Vertragsbeziehungen und deren Beherrschung und Überwachung
3.5.1 Die Welt des Vertrages
3.5.2 Ein einfaches Vertragsschema
3.5.3 Kontrollsysteme
4. Interkommunale Kooperation und Transaktionskosten
4.1 Modifikation der Rahmenbedingungen
4.2 Akteure interkommunaler Kooperation
4.3 Kooperationsfelder unter Berücksichtigung der Transaktionskostentheorie
4.3.1 Kooperation im EDV-Bereich
4.3.2 Bauhöfe
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Möglichkeiten zur ex-ante-Beurteilung und Steuerung interkommunaler Kooperationen vor dem Hintergrund der Transaktionskostentheorie von Oliver Williamson. Ziel ist es, zu prüfen, ob die theoretischen Ansätze der Neuen Institutionenökonomik zur Steuerung und Absicherung kommunaler Zusammenarbeit geeignet sind oder Modifikationen erfordern.
- Analyse der Rahmenbedingungen und rechtlichen Formen interkommunaler Kooperation.
- Theoretische Grundlagen der Transaktionskostentheorie und Agenturtheorie.
- Anwendung der Transaktionskostenanalyse auf kommunale Aufgabenfelder wie EDV und Bauhöfe.
- Bewertung der Eignung marktbasierter Kontroll- und Beherrschungssysteme für den öffentlichen Sektor.
- Identifikation von Hemmnissen und Lösungsmechanismen in der kommunalen Zusammenarbeit.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Faktorspezifität
Die Faktorspezifität ist nach Williamson das wichtigste Merkmal, um Transaktionen voneinander zu unterscheiden. „Die Faktorspezifität bezieht sich auf den Grad der Wiederverwendbarkeit eines bestimmten Vermögensobjektes in alternativen Verwendungsrichtungen und bei unterschiedlichen Nutzern ohne Verlust an Produktionswert.“ Da im Extremfall der Besteller der einzige Abnehmer und der Lieferant der einzige Hersteller spezifischer Leistung sein kann, erhöhen sich mit zunehmender Spezifität der Leistung die gegenseitigen Abhängigkeiten und somit das Sicherungsbedürfnis. Nachfolgend wird die Faktorspezifität an einem fiktiven Beispiel näher erläutert
Ein Automobilhersteller fertigt für ein neues Modell aus seiner Produktpalette alle Teile mit Ausnahme der Felgen und der Reifen selbst an. Die Reifen erhält er von Firma R, die Felgen liefert ihm Firma F. Zwischen dem Automobilhersteller und den beiden Zulieferfirmen bestehen Verträge, die den Tausch, also den Kauf zwischen den Vertragspartnern, regeln. Der Automobilhersteller hat für sein neues Modell eine Vier-Loch-Felge zum schnelleren und sicheren Radwechsel entwickelt. Der Hersteller hat dafür ein Patent für dieses neue System. Der Felgenhersteller F hat seinen gesamten Maschinenpark umgerüstet, um die Vier-Loch-Felgen für den Automobilhersteller F zu produzieren. Eine Rückumrüstung auf gängige Felgen, um auch andere Hersteller beliefern zu können, ist nur unter hohem personellem und finanziellem Aufwand möglich. F hat somit spezifisch für einen längeren Produktionszeitraum investiert. Die benötigten Reifen für das neue Modell des Automobilherstellers liefert Firma R. Bei den Reifen handelt es sich nicht um Sonderanfertigungen, so dass Firma R auch jeden anderen Automobilhersteller beliefern kann. Eine spezifische Investition zur Herstellung der Reifen für den Automobilhersteller war durch Firma R nicht nötig. Nach Williamson verfügt der Reifenhersteller R über eine Mehrzwecktechnologie, währenddessen Firma F eine Einzwecktechnologie besitzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die aktuelle finanzielle sowie demografische Drucksituation der Kommunen und führt interkommunale Kooperation als strategisches Instrument zur Sicherung der Handlungsfähigkeit ein.
2. Interkommunale Kooperation: Dieses Kapitel definiert den Begriff der interkommunalen Kooperation, diskutiert dessen Gründe und stellt die rechtlichen Organisationsformen von informellen Abstimmungen bis hin zu privatrechtlichen Gesellschaften vor.
3. Transaktionskostentheorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen nach Oliver Williamson erörtert, insbesondere die Rolle von Transaktionskosten, Akteursannahmen, Unsicherheit und die verschiedenen Arten von Beherrschungs- und Überwachungssystemen.
4. Interkommunale Kooperation und Transaktionskosten: Dieses Kernkapitel modifiziert die theoretischen Annahmen für den kommunalen Kontext und analysiert exemplarisch die Anwendbarkeit auf die Kooperationsfelder EDV und Bauhöfe.
5. Fazit: Das Fazit bewertet die Einseitigkeit der Transaktionskostentheorie, betont die Notwendigkeit, Kooperationen eigenständig zu betrachten, und unterstreicht die Bedeutung von Vertrauen und Reputation als Steuerungsfaktoren.
Schlüsselwörter
Interkommunale Kooperation, Transaktionskostentheorie, Kommunalpolitik, Faktorspezifität, Neue Institutionenökonomik, Vertragsmanagement, Beherrschungssysteme, Öffentliche Verwaltung, Verwaltungshandeln, Effizienz, Kommunale Zusammenarbeit, Outsourcing, Wirtschaftlichkeit, Organisationsformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie interkommunale Kooperationen im Rahmen der öffentlichen Verwaltung durch eine ex-ante-Beurteilung effizienter gestaltet und gesteuert werden können.
Welches theoretische Fundament wird für die Analyse genutzt?
Das Hauptinstrument ist die Transaktionskostentheorie von Oliver Williamson, die um Erkenntnisse zur Agenturtheorie und Vertragsrecht ergänzt wird.
Was ist das Ziel der Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob und wie die ökonomischen Ansätze von Williamson auf die Besonderheiten der kommunalen Selbstverwaltung übertragen werden können, um Kooperationsrisiken zu minimieren.
Welche methodische Herangehensweise wählt der Autor?
Der Autor führt eine theoretische Analyse durch, modifiziert die klassischen Marktannahmen für den kommunalen Kontext und wendet die Kriterien auf konkrete Beispiele wie EDV-Verbundsysteme und Bauhöfe an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Nach einer Begriffs- und Rechtsformanalyse werden die Dimensionen Faktorspezifität, Unsicherheit, Häufigkeit und strategische Bedeutung genutzt, um die Organisation kommunaler Aufgaben kritisch zu hinterfragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind neben interkommunaler Kooperation die Transaktionskosten, Faktorspezifität, Kommunalverwaltung sowie die Frage nach passenden Kontrollsystemen.
Warum ist das Beispiel des "Hubsteigers" im Kapitel über Bauhöfe so wichtig?
Es illustriert praxisnah, wie sich eine Investitionssituation auf die Faktorspezifität und die daraus resultierende Unsicherheit für die beteiligten Kommunen auswirkt und welche vertraglichen Anpassungen notwendig werden.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Anwendbarkeit der Transaktionskostentheorie?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Theorie in ihrer ursprünglichen Form für Kommunen nur bedingt geeignet ist, da sie den Markt als Steuerungsmechanismus voraussetzt, der so im kommunalen Geflecht nicht existiert.
Welche Rolle spielt die "Reputation" in der Arbeit?
Obwohl Williamson klassische ökonomische Faktoren priorisiert, arbeitet der Autor heraus, dass Reputation und Vertrauen in der interkommunalen Praxis essenzielle Steuerungsmechanismen sind, die die rein kostenorientierte Theorie ergänzen müssen.
- Quote paper
- Dirk Beermann (Author), 2011, Möglichkeiten zur Ex-Ante-Beurteilung und Steuerung kommunaler Kooperationen. Die Transaktionskostentheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/288874