Bei der Betrachtung der österreichischen Unternehmenslandschaft wird ersichtlich, dass zirka 99 % der Unternehmen in die Kategorie der Klein- und Mittelbetriebe, die auch die Kleinstbetriebe umfasst, eingeordnet werden können. Auf dieser Tatsache beruhend lässt sich somit feststellen, dass diese Betriebe zu der in Österreich am meist verbreiteten Unternehmensgrößenklasse zählen und daraus resultierend einen starken Einfluss auf die österreichische Wirtschaft haben. Dieser beachtliche Anteil an der Unternehmenskultur Österreichs ermöglicht eine weitere Differenzierung in sogenannte Kleinstbetriebe. Diese Kleinstbetriebe stellen die große Mehrheit aller österreichischen Betriebe im Jahr 2011 mit knapp 92 % (zirka 370.000 Unternehmen) dar. Laut der EU-Regelung beschäftigen Kleinstunternehmen nicht mehr als neun MitarbeiterInnen und die Jahresbilanz bzw. der jährliche Umsatz überschreiten nicht die zwei Mio. Euro-Grenze.
Sehr stark vertreten sind diese Kleinstunternehmnungen in der Beherbergungs- und Gastronomiebranche, wo Kleinstunternehmen zirka 88 % aller Betriebe ausmachen.
Diese Kleinstbetriebe sind zu Beginn ihrer Tätigkeit oft mit Hindernissen konfrontiert, die die Startup-Phase zusätzlich erschweren. Kleinstunternehmen haben es in der Anfangsphase schwer ein nachhaltiges Management und eine reibungslos funktionierende Organisation aufzubauen. Da diese Entscheidungen stark mit Kapital- und Humanressourcen verbunden sind und diese für Kleinstbetriebe eher eine Rarität darstellen, ist es hier sehr problematisch, eine optimale Lösung zu finden.
Diese Aussage manifestiert sich auch in der Anzahl der im Jahre 2009 eingetretenen Unternehmensschließungen. Mit einem Anteil der Unternehmensschließungen im besagten Jahr von rund 99 % weisen diese österreichischen Kleinstbetriebe die höchste Rate unter den zum Schließen gezwungenen Unternehmen auf.
Das Fehlen der zuvor genannten Ressourcen erschwert es, eine Prognose zu erstellen, wie sich das Geschäft in der kurz- bis mittelfristigen Zukunft entwickeln wird. Dieser bittere Beigeschmack der Ungewissheit begleitet das Management auf seinen tagtäglichen Entscheidungen. Des Weiteren stellt die Tatsache, dass nicht jede Kleinstunternehmerin bzw. jeder Kleinstunternehmer über genügend Controllingwissen verfügt, eine Hürde dar, weshalb häufig neben den simplen Kontrollen wie Soll-Ist-Vergleiche, keine weiteren Controllinginstrumente eingesetzt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zentrale Fragestellungen
1.3 Methodik
1.4 Aufbau der Arbeit
2 Besonderheiten von Kleinstunternehmen
2.1 Definition der Größenklassen für Unternehmen
2.2 Wirtschaftliche Bedeutung der Klein- und Mittelbetriebe bzw. Kleinstbetriebe in der EU
2.3 Kleinstunternehmen in Österreich
2.3.1 Wirtschaftliche Bedeutung
2.3.2 Neugründungs- und Schließungsraten
2.3.3 Trends
3 Daten und Statistiken der Kleinstunternehmen der Beherbergungs- und Gastronomiebranche in Österreich
3.1 Definitionen
3.2 OECD-Vergleich Österreichs als Reisedestination
3.3 Strukturdaten der Beherbergungs- und Gastronomiebranche
3.3.1 Neugründungen und Beschäftigte
3.3.2 Schließungen und Beschäftigte
3.3.3 Umsatzerlöse
3.3.4 Bruttoinlandsprodukt
4 Controlling in Kleinstunternehmen
4.1 Definition und Begriffsabgrenzung
4.2 Controllingrelevante Charakteristika der Kleinstunternehmen
4.2.1 Personenbezogene Charakteristika
4.2.2 Organisationsbezogene Charakteristika
4.2.3 Kaufmännische Charakteristika
4.3 Aufgaben des Controllings in Kleinstunternehmen
4.3.1 Aufgaben des Controllings
4.3.1.1 Planung und Kontrolle
4.3.1.2 Information
4.3.1.3 Steuerung
4.3.2 Charakteristika und Ebenen des Controllings
4.4 Operative Controllinginstrumente für Kleinstunternehmen der Beherbergungs- und Gastronomiebranche
4.4.1 ABC-Analyse
4.4.2 XYZ-Analyse
4.4.3 Break-Even-Analyse
4.4.4 Budgetierung
4.4.5 Kennzahlen
4.4.5.1 Beherbergungskennzahlen
4.4.5.2 Gastronomiekennzahlen
4.4.6 Kennzahlensysteme
4.4.7 Deckungsbeitragsrechnung
4.4.8 Soll-Ist-Vergleich
4.4.9 Liquiditätsplan
5 Empirische Studie
5.1 Definition
5.2 Qualitative vs. Quantitative Forschung
5.3 Forschungsziel
5.4 Forschungsfragen
5.5 Forschungsdesign
5.5.1 Methodisches Vorgehen
5.5.2 Auswahl der Methoden
5.5.3 Auswahl der ExpertInnen
5.5.4 Erhebung der Daten
5.5.5 Auswertung der Daten
5.6 Ergebnisse und Interpretation
5.7 Zusammenfassung der Erkenntnisse aus den Interviews
6 Controllingkonzeption für KleinstunternehmerInnen der Beherbergung- und Gastronomie
6.1 Merkmale und Aufbau einer Controllingkonzeption
6.2 Erstellung einer Controllingkonzeption für Kleinstunternehmen der Beherbergung und Gastronomie
6.2.1 Ziele
6.2.2 Instrumente
6.2.3 Aufgaben
6.2.4 Träger
6.2.5 Das „optimale“ Controllingtool
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den aktuellen Status und die praktische Anwendung von Controllinginstrumenten in ostösterreichischen Kleinstunternehmen der Beherbergungs- und Gastronomiebranche. Ziel ist es, die Gründe für das Fehlen oder die spezifische Ausgestaltung solcher Instrumente zu identifizieren und ein praktikables, an die Bedürfnisse dieser Branche angepasstes Controllingkonzept zu entwickeln.
- Analyse der wirtschaftlichen Bedeutung von Kleinstunternehmen in Österreich
- Untersuchung der tatsächlichen Controllingpraxis mittels Experteninterviews
- Identifikation von Hürden und Erfolgsfaktoren für Controllingmaßnahmen
- Entwicklung eines "optimalen" Controlling-Tools als kompakte Standardlösung
Auszug aus dem Buch
4.4.1 ABC-Analyse
Für die Analyse der Vorgänge und Festlegung der Wichtigkeiten ist der Einsatz der ABC-Analyse besonders geeignet. Sie hilft dem Unternehmen dabei, die wichtigen Einsatzbereiche für knappe Faktoren zu finden. Denn wenn erfolgreich gewirtschaftet werden will, müssen die knappen Mittel wie Kapital, Arbeitszeit, Maschinenstunden etc. optimal eingesetzt werden.
Die ABC-Analyse vergleicht Mengen mit Werte. In der Praxis ist oft ersichtlich, dass eine vergleichsweise gerine Menge des Gesamten, einen relativ großen Wert ausmacht. Deswegen sollten sich ControllerInnen besonders mit den knappen Mengen im Betrieb beschäftigen, die eine relativ große Ergebniswirkung zur Folge haben. In der Regel gilt, dass zirka fünf bis zehn Prozent einer Gesamtmenge etwa 70 bis 80 Prozent des gesamten Wertes ausmachen. Weitere 20 bis 30 Prozent der Gesamtmenge machen etwa genauso 20 bis 30 Prozent des Wertes aus. Die verbliebenen 70 bis 80 Prozent der Menge, werden jedoch nur etwa fünf bis zehn Prozent des Wertes zugeschrieben.
Als ein Beispiel aus der Praxis kann man die angebotenen Flaschen in einem Restaurant nennen. Hier wären die Champagner-Flaschen die A-Güter, die mengenmäßig fünf bis zehn und wertmäßig siebzig bis achtzig Prozent ausmachen. Als B-Güter könnten die qualitativ mittelwertigen Weine angesehen werden. Diese könnten sowohl in der Menge als auch am Wert etwa zwanzig bis dreißig Prozent ausmachen. Erfrischungsgetränke könnten als Güter der C-Klasse angesehen werden, die zirka siebzig bis achtzig Prozent der Menge repräsentieren aber nur fünf bis zehn Prozent Wertanteil aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Kleinstunternehmen in der österreichischen Beherbergungs- und Gastronomiebranche ein und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen.
2 Besonderheiten von Kleinstunternehmen: Das Kapitel erläutert die Definition von Kleinstunternehmen gemäß EU-Verordnung und beleuchtet deren wirtschaftliche Bedeutung und Trends in Österreich.
3 Daten und Statistiken der Kleinstunternehmen der Beherbergungs- und Gastronomiebranche in Österreich: Hier werden spezifische Branchenzahlen zu Neugründungen, Überlebensraten, Umsätzen und dem Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) analysiert.
4 Controlling in Kleinstunternehmen: Dieser Teil legt die theoretischen Grundlagen des Controllings dar, definiert controllingrelevante Charakteristika und beschreibt operative Instrumente, die auf Kleinstbetriebe anwendbar sind.
5 Empirische Studie: Das Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign, die Auswahl der Experten, die Datenerhebung durch leitfadengestützte Interviews sowie deren Auswertung.
6 Controllingkonzeption für KleinstunternehmerInnen der Beherbergung- und Gastronomie: Auf Basis der theoretischen Erkenntnisse und der empirischen Daten wird ein angepasstes Controllingkonzept inklusive der Definition eines "optimalen" Tools vorgestellt.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Hier werden die Kernerkenntnisse der Arbeit reflektiert und ein Fazit über die Notwendigkeit und Umsetzbarkeit von Controlling in Kleinstunternehmen gezogen.
Schlüsselwörter
Controlling, Kleinstunternehmen, Beherbergung, Gastronomie, Betriebswirtschaft, Experteninterviews, operative Controllinginstrumente, Liquiditätsplanung, Budgetierung, ABC-Analyse, XYZ-Analyse, Break-Even-Analyse, Kennzahlen, Unternehmensführung, KMU.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Einsatz und die Notwendigkeit von Controllinginstrumenten in Kleinstunternehmen der österreichischen Beherbergungs- und Gastronomiebranche.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die ökonomische Bedeutung von Kleinstbetrieben, die theoretischen Grundlagen von Controlling sowie die Identifikation praxisnaher, leicht umsetzbarer Controllinginstrumente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Ist-Zustand des Controllings in der Branche zu erheben und ein optimales, ressourcenschonendes Controllingkonzept für diese kleinen Betriebe zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt ein qualitatives Design, bei dem leitfadengestützte Experteninterviews mit Branchenvertretern und Inhabern durchgeführt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung (Definitionen, Charakteristika, Instrumente) und eine empirische Analyse der Controllingpraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Controlling, Kleinstunternehmen, Beherbergungs- und Gastronomiebranche, Kennzahlen und Liquiditätsplanung.
Warum setzen viele Kleinstunternehmen laut der Untersuchung kein Controlling ein?
Häufige Gründe sind fehlendes Know-how, zu hoher zeitlicher und personeller Aufwand sowie die vermeintliche Unwichtigkeit von Controlling in sehr kleinen Strukturen.
Was zeichnet das in der Arbeit entwickelte "optimale" Controllingtool aus?
Das Tool ist als kompakte Standardlösung konzipiert, die relevante Informationen auf einer Seite zusammenfasst und ohne tiefgehendes Spezialwissen im Alltag anwendbar ist.
- Arbeit zitieren
- Muharrem Pembe (Autor:in), 2013, Einsatz von Controlling in Kleinstunternehmen der Beherbergungs- und Gastronomiebranche in Ostösterreich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/288637