Die Berufsgruppe der Erzieherinnen und Erzieher ist derzeit in zunehmendem Maß von berufsbedingten Erkrankungen betroffen. Der wachsende Anspruch an die in den Einrichtungen tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem seitens des Gesetzgebers und die zunehmende Arbeitsverdichtung, zusätzlich zu den schon bestehenden komplexen Anforderungen, wirken sich negativ auf den Gesundheitszustand aus. Krankheitsbedingte Ausfälle mindern die Qualität der pädagogischen Arbeit. Zudem verschärft sich dadurch die Situation des Fachkräftemangels in dieser Branche, der sich, insbesondere seit dem Rechtsanspruch auf Betreuung von Kindern unter 3 Jahren, eingestellt hat. Es ist äußerst schwierig, für längerfristig erkrankte Kolleginnen und Kollegen einen vorübergehenden Ersatz zu finden. Dies wiederum stellt die Einrichtungen vor große Schwierigkeiten, da diese durch gesetzliche Neuerungen nun verpflichtet sind, die Anwesenheit des Personals nachzuweisen und sicherzustellen. Gelingt das nicht drohen Förderkürzungen, was viele Einrichtungen vor existentielle Probleme stellt.
Durch die eigene Tätigkeit als Leitung einer Kindertagesstätte hat die Autorin einen persönlichen und praktischen Zugang zur Thematik. So konnte sie diese Entwicklung und die Auswirkungen im Alltag über einen längeren Zeitraum beobachten.
Arbeit macht nicht per so krank. Im Gegenteil belegen viele Studien, dass vor allem Arbeitslosigkeit eine gesundheitsschädigende Wirkung hat.
Nichtsdestotrotz ist die Problematik der berufsbedingten Erkrankungen bei Erzieherinnen und Erziehern einer Betrachtung würdig und eine lösungsorientierte Auseinandersetzung damit notwendig.
Mit dem Konzept der Salutogenese soll im Rahmen dieser Arbeit eine Möglichkeit beleuchtet werden. Salutogenese stellt die Frage nach der Entstehung von Gesundheit und danach, wie eine Person in ihren Ressourcen und Fähigkeiten gestärkt werden kann, damit sie resistenter gegen negative Umwelteinflüsse ist bzw. werden kann. In Zeiten, in denen Gesundheitsförderung, vor allem auch in betrieblichen Kontexten immer mehr an Bedeutung gewinnen, wird das Konzept der Salutogenese zunehmend interessant, da es wichtige Impulse und Anregungen hierfür bieten kann. [...]
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Vorgehen und Methodik
- 3. Das Konzept der Salutogenese.
- 3.1 Entstehungsgeschichte
- 3.2 Theorie der Salutogenese
- 3.2.1 Salutogenese und Pathogenese
- 3.2.2 Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
- 3.2.3 Widerstandsressourcen - Widerstandsdefizite
- 3.2.4 Kohärenzgefühl
- 3.2.5 Entwicklung und Modifikation des SOC
- 3.3 Zusammenfassung
- 4. Arbeit in Kindertagesstätten und die Mitarbeiter/-innengesundheit
- 4.1 Aktueller Stand der Forschung zur Gesundheit und Arbeitszufriedenheit im Erzieher/-innenberuf
- 4.1.1 Fehlzeitenreport
- 4.1.2 BGW-DAK Stress-Monitoring
- 4.1.3 Kita-Studie der GEW
- 4.2 Das Arbeitsfeld im Wandel
- 4.2.1 Allgemeine Veränderungen der Arbeit in Kindertageseinrichtungen
- 4.2.2 Zur Lage in Bayern
- 4.3 Zusammenfassung
- 5. Die Mitarbeiter/-innengesundheit in Kindertagesstätten unter salutogenetischer Perspektive
- 6. Umsetzung der Salutogenese als Führungsansatz in Kindertageseinrichtungen
- 6.1 Salutogenese zum Thema machen
- 6.2 Neue Fehlerkultur entwickeln
- 6.3 Salutogenetisches Mitarbeitergespräch
- 6.4 Gegenseitige soziale Unterstützung im Team fördern
- 6.5 Salutogenese-Training für pädagogische Fachkräfte
- 6.6 HEDE-Training
- 6.7 Salutogenese und Gewerkschaft?
- 6.8 Kritische Betrachtung der Umsetzungsmöglichkeiten
- 6.9 Chancen und Grenzen salutogenetischer Führung in Kitas
- 7. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Bachelorarbeit untersucht das Konzept der Salutogenese und seine Bedeutung für die Führung in Kindertagesstätten. Sie analysiert die aktuelle Forschung zu Gesundheitszustand und Arbeitszufriedenheit von Erzieherinnen und Erziehern, beleuchtet die Auswirkungen der veränderten Arbeitsbedingungen auf diese Berufsgruppe und untersucht die Möglichkeiten der Implementierung salutogenetischer Prinzipien in die Führung von Kindertagesstätten.
- Gesundheitszustand und Arbeitszufriedenheit von Erzieherinnen und Erziehern
- Das Konzept der Salutogenese und seine Anwendung in der Führung
- Herausforderungen und Chancen der Implementierung salutogenetischer Prinzipien in Kindertagesstätten
- Entwicklung eines salutogenetischen Führungsansatzes für Kindertagesstätten
- Steigerung der Mitarbeitergesundheit und Reduktion krankheitsbedingter Ausfälle
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Problematik der berufsbedingten Erkrankungen bei Erzieherinnen und Erziehern dar und führt in das Konzept der Salutogenese ein. Kapitel 2 beschreibt die Methodik der Arbeit. Kapitel 3 präsentiert die Theorie der Salutogenese mit ihren zentralen Aspekten. Kapitel 4 beleuchtet den aktuellen Forschungsstand zum Gesundheitszustand und der Arbeitszufriedenheit von Erzieherinnen und Erziehern, sowie die Veränderungen im Arbeitsfeld der Kindertagesstätten. Kapitel 5 setzt sich mit der Mitarbeitergesundheit in Kindertagesstätten unter salutogenetischer Perspektive auseinander. Kapitel 6 beschäftigt sich mit der konkreten Umsetzung der Salutogenese als Führungsansatz in Kindertageseinrichtungen, wobei verschiedene Möglichkeiten, wie die Entwicklung einer neuen Fehlerkultur und die Förderung der sozialen Unterstützung im Team, vorgestellt werden. Abschließend werden die Chancen und Grenzen des salutogenetischen Führungsansatzes in Kitas beleuchtet.
Schlüsselwörter
Salutogenese, Führung, Kindertagesstätten, Mitarbeitergesundheit, Arbeitszufriedenheit, Erzieherinnen und Erzieher, Arbeitsbedingungen, Gesundheitsförderung, Kohärenzgefühl, Widerstandsfähigkeit, Stressmanagement, Fehlerkultur, soziale Unterstützung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Kernkonzept der Salutogenese?
Salutogenese beschäftigt sich mit der Entstehung von Gesundheit und der Stärkung von Ressourcen, um die Widerstandsfähigkeit gegen Belastungen zu erhöhen.
Warum ist das Thema Gesundheit für Erzieher aktuell so wichtig?
Die Berufsgruppe ist stark von berufsbedingten Erkrankungen und Arbeitsverdichtung betroffen, was den Fachkräftemangel in Kitas weiter verschärft.
Was bedeutet das „Kohärenzgefühl“ (SOC)?
Es ist ein zentraler Aspekt der Salutogenese und beschreibt eine globale Orientierung, die das Leben als verstehbar, handhabbar und sinnhaft erscheinen lässt.
Wie kann Salutogenese als Führungsansatz in Kitas genutzt werden?
Durch die Entwicklung einer neuen Fehlerkultur, salutogenetische Mitarbeitergespräche und die Förderung sozialer Unterstützung im Team.
Welche Rolle spielen „Widerstandsressourcen“?
Widerstandsressourcen sind Faktoren, die helfen, Spannungszustände erfolgreich zu bewältigen und somit die Gesundheit zu erhalten.
- Quote paper
- Judith Schöffel (Author), 2014, Das Konzept der Salutogenese in seiner Bedeutung für die Führung in Kindertagesstätten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/288337