In dieser Hausarbeit bearbeite ich die Problemstellung der Möglichkeit bzw. Einschränkung einer Teilhabe am Bildungssystem für Menschen mit Behinderung. Ich beziehe mich dabei auf den ökosystemischen Ansatz von Alfred Sander, welcher durch Urie Bronfenbrenner mitbegründet wurde, zur Beurteilung von strukturell förderlichen, aber auch hinderlichen Faktoren für die Integration eines Kindes in eine Regelschule. Mit Hilfe dieses Ansatzes und eines Fallbeispiels möchte ich die für die Integration eines Kindes mit sonderpädagogischem Förderbedarf dienlichen oder hinderlichen ökosystemischen Merkmale erörtern und ihre Bedeutung analysieren. Zu diesem Zwecke habe ich als Beispiel für eine misslungene Integration das Fallbeispiel eines Mädchens mit Downsyndrom gewählt. Darin wird deutlich, wie viele Faktoren sich auf das Gelingen der Integration eines Kindes auswirken und dass die Eltern auf die Unterstützung vieler Aspekte angewiesen sind. Hierbei ist bewusst der Begriff der Integration gewählt, denn die in dem Fallbeispiel beschriebene Situation zielt nicht auf eine Inklusion des Mädchens ab. Sie soll als einziges Kind mit Behinderung in einer Klasse an einer Regelschule unterrichtet werden und bekommt als Unterstützung eine Schulbegleitung vom mobilen sonderpädagogischen Dienst gestellt. Dadurch hat sie, anders als bei der Inklusion, bereits eine Sonderstellung mit einem defizitorientierten Fokus auf ihre Fähigkeiten. Wie sich zeigen wird, ist die Integration eines Kindes schon von schwer überwindbaren Hürden gekennzeichnet. Eine inklusive Beschulung erscheint bei diesem Widerstand, der den Eltern hier widerfährt eher als eine utopische Vorstellung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fallbeispiel Clara
3. Der ökosystemische Ansatz
3.1. Die Kind-Umfeld-Diagnose
4. Analyse des Fallbeispiels in Bezug auf den ökosystemischen Ansatz
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen für eine gelungene schulische Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Ausgehend von der Forschungsfrage, welche ökosystemischen Faktoren Integration fördern oder behindern, analysiert die Autorin ein konkretes Fallbeispiel, um die Diskrepanz zwischen rechtlichen Rahmenbedingungen und der schulischen Realität aufzuzeigen.
- Grundlagen der ökosystemischen Theorie nach Bronfenbrenner und Sander
- Analyse von förderlichen und hinderlichen Einflussfaktoren im schulischen Kontext
- Bedeutung der Kind-Umfeld-Diagnose für die pädagogische Praxis
- Die Rolle der Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule
- Kritische Reflexion der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Kind-Umfeld-Diagnose
Mit Hilfe der Kind-Umfeld-Diagnose kann analysiert werden, welche Faktoren im Umfeld des Kindes als förderlich und welche hinderlich auf die Integration wirken. Dies wird mit der Messung von Verhalten und Lernen im sozialen Kontext erreicht. Dabei werden spezielle Situationen beobachtet, wie z.B. die Einschulung des Kindes in seine neue Klasse und wie es diese Situation bewältigt. Es kann sein, dass sich ein Kind im ersten Kontakt zu der einen Klasse ganz anders verhält, als es bei einer anderen Klasse der Fall gewesen wäre. Dies gilt nicht nur für Kinder mit Behinderung. Daher erscheint es nicht besonders sinnvoll sich nur auf die unveränderbaren Merkmale des „zu integrierenden“ Kindes zu konzentrieren und die äußeren Einflüsse außer Acht zu lassen (vgl. Hildeschmidt, A.; Sander, A. In Eberwein; H., Knauer, S. 2002, S.304).
Mit Hilfe der Kind-Umfeld-Diagnose sollen konkrete Handlungsanweisungen anhand der speziellen Situation erarbeitet werden. Dabei begibt man sich auf die Ebene des Kindes, um eine Diagnose stellen zu können, die letzten Endes einen förderlichen Charakter für eine bestmögliche Entwicklung aufweist. Es sollen materiale, personelle und soziale Kompensationsmöglichkeiten gesucht und deren pädagogische Umsetzung besprochen werden. Dadurch kann die Last von dem Kind genommen werden, seine Defizite kompensieren zu müssen. Die Verantwortung wird an das Umfeld übergeben, dem Kind eine Teilhabe zu gewährleisten, indem die dafür notwendigen materiellen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden. Meist benötigt es dafür unwesentliche Veränderungen, die für das Umfeld leichter zu bewältigen sind als für ein Kind mit Behinderung. Der Blick wird vor allem auf die Schnittstelle von Familie und Schule gerichtet, denn diese beiden Institutionen sind die maßgeblichen Bezugssysteme eines Kindes (vgl. ebd. S.305).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die rechtlichen Grundlagen von Inklusion und Integration, insbesondere das Grundgesetz und die UN-Behindertenrechtskonvention, und stellt die aktuelle Problematik der schulischen Segregation in Deutschland dar.
2. Fallbeispiel Clara: Dieses Kapitel schildert den Werdegang von Clara, einem Mädchen mit Downsyndrom, und beschreibt die Barrieren sowie das Scheitern ihrer schulischen Integration an einer Regelschule.
3. Der ökosystemische Ansatz: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Ökologie der menschlichen Entwicklung nach Bronfenbrenner und deren Adaption durch Alfred Sander für den schulischen Integrationskontext erläutert.
3.1. Die Kind-Umfeld-Diagnose: Dieses Kapitel beschreibt ein diagnostisches Verfahren, das nicht das Defizit des Kindes, sondern die Interaktion zwischen Kind und Umfeld in den Fokus stellt, um passgenaue Unterstützungsmaßnahmen zu planen.
4. Analyse des Fallbeispiels in Bezug auf den ökosystemischen Ansatz: Anhand der theoretischen Ebenen (Mikro-, Meso-, Exo- und Makrosystem) wird das Scheitern der Integration von Clara detailliert analysiert und auf die Versäumnisse der beteiligten Institutionen und Akteure zurückgeführt.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Analyse, kritisiert die mangelnde Umsetzung integrativer Konzepte in der Schulpraxis und betont die Notwendigkeit einer ressourcenorientierten Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Schlüsselwörter
Integration, Inklusion, Sonderpädagogik, Ökosystemischer Ansatz, Kind-Umfeld-Diagnose, Downsyndrom, Regelschule, Bildungsbenachteiligung, Schulbegleitung, UN-Behindertenrechtskonvention, Schulleistung, Sozialisation, Kooperative Pädagogik, Barrierefreiheit, Behinderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit den Gelingensbedingungen und Hemmnissen der schulischen Integration von Kindern mit Behinderungen im deutschen Bildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die ökosystemische Perspektive nach Bronfenbrenner, das Spannungsfeld zwischen Integration und Exklusion sowie die kritische Analyse der schulischen Praxis im Umgang mit heterogenen Lerngruppen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch die Analyse eines Fallbeispiels aufzuzeigen, wie strukturelle und pädagogische Faktoren im Umfeld eines Kindes über Erfolg oder Scheitern der Integration entscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Fallanalyse, die den ökosystemischen Ansatz nutzt, um die Interaktionen zwischen dem Kind und den verschiedenen Systemebenen (Mikro- bis Makroebene) zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung eines Fallbeispiels (Clara), die Einführung in den ökosystemischen Ansatz und dessen Anwendung zur Analyse der im Fallbeispiel aufgetretenen Barrieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Integration, Inklusion, den ökosystemischen Ansatz, die Kind-Umfeld-Diagnose und die UN-Behindertenrechtskonvention.
Warum wird im Fallbeispiel explizit der Begriff "Integration" statt "Inklusion" verwendet?
Die Autorin wählt den Begriff Integration, weil die beschriebene Situation durch einen defizitorientierten Fokus und eine notwendige Sonderstellung des Kindes innerhalb der Regelschule gekennzeichnet war, was dem Inklusionsgedanken widerspricht.
Welche Rolle spielt die Kind-Umfeld-Diagnose bei der Lösung der Probleme?
Sie dient als Instrument, um statt einer defizitorientierten Betrachtung die Ressourcen aller Beteiligten (Lehrer, Eltern, Kind) zu bündeln und somit ein unterstützendes Lernumfeld zu schaffen.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Rolle von Pädagogen?
Die Autorin betont, dass der Erfolg einer Integration maßgeblich vom Willen und Glauben der Pädagogen an einen gemeinsamen Unterricht sowie einer gelingenden Kommunikation mit den Eltern abhängt.
- Arbeit zitieren
- Jenny Feierabend (Autor:in), 2013, Separation und Inklusion aus ökosystemischer Perspektive. Teilhabe am Bildungssystem für Menschen mit Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/287661