Anhand der Aspekte deskriptiv vs. normativ, Mikro- vs. Makroanalyse, epistemologische Position, Methodologie, Reflexivität, interne Schnittpunkte und Kontroversen sowie zentrale Metaphern wird eine Systematisierung verschiedener Ansätze der Science and Technology Studies (STS) vorgenommen. Die untersuchten Ansätze sind a) Laborstudien, b) Standpunkttheorien, Agential Realism und situiertes Wissen und c) die Actor-Network Theory. Ziel der Systematisierung ist die kritische Überprüfung der Anwendbarkeit der Ansätze für eine Untersuchung der Psychologie als einer heterogenen Disziplin, v. a. angesichts der Entstehung und des Fokus von STS im Bereich der „exakten“, der Naturwissenschaften. Als Fazit ergibt sich dann auch, dass sich die mehr naturwissenschaftlich orientierte Psychologie leichter in STS-Konzepten fassen lässt als eher geisteswissenschaftliche Ansätze. Dennoch kann sich ein pragmatisches Herangehen unter Verwendung von Versatzstücken unterschiedlicher Theorien als fruchtbares Analyseinstrument erweisen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Was ist das Besondere der Psychologie?
1.2 Aspekte der Analyse
1.3 Zum Aufbau der Arbeit
2 Laborstudien
2.1 Indexikalität
2.2 Das Labor
2.2.1 Natürliche Ordnung
2.2.2 Soziale Ordnung
2.2.3 Drei Arten des Labors
2.3 Transwissenschaftliche und transepistemische Felder
3 Kritische Ansätze der STS
3.1 Standpunkttheorie und starke Objektivität
3.1.1 Kritik der „schwachen Objektivität“
3.1.2 Starke Objektivität
3.2 Posthumanistische Performativität – Agential Realism
3.2.1 Kritik des Repräsentionalismus
3.2.2 Intra-Aktion materiell-diskursiver Praktiken
3.2.3 Warum „posthumanistisch“?
3.2.4 Kausalität und Verantwortung
3.2.5 Und die Psychologie?
3.3 Donna Haraway
3.3.1 Situiertes Wissen – Diffraktion statt Reflexion
4 Actor-Network Theory
4.1 Die Entstehung von Fakten – zwischen Artefakten und black boxes
4.2 Inskriptionen, Instrumente, Natur
4.3 Übersetzungen und Netzwerke
4.4 Aktoren, Aktanten und Kausalität – technische Vermittlung
4.5 Erkenntnisgewinn als Krieg? – Kritik
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Erkenntnisse der Science and Technology Studies (STS) für eine Untersuchung der Psychologie fruchtbar zu machen. Dabei wird eine Systematisierung vorgenommen, um sowohl die Besonderheiten der Psychologie kritisch zu hinterfragen als auch theoretische und methodische Ansatzpunkte für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen innerhalb dieser heterogenen Disziplin zu schaffen.
- Systematisierung der Science and Technology Studies (STS)
- Kritische Analyse von Laborstudien, Standpunkttheorien und Actor-Network Theory
- Untersuchung der Anwendbarkeit von STS-Konzepten auf die Psychologie
- Reflexion über das Verhältnis von Mikro- und Makroanalyse
- Erörterung von Kausalität, Objektivität und der Rolle von Instrumenten
Auszug aus dem Buch
Die Konstitution von Objekten als Zeichen
Dieser dritte Labortypus hat wieder mehr mit der Psychologie zu tun und bietet vor allem möglicherweise einen Ansatz für die Untersuchung der nicht-naturwissenschaftlichen Psychologie.
Die von Knorr-Cetina angeführten Beispiele sind zwei auf den ersten Blick höchst unterschiedliche Bereiche der Wissenschaft: Die Hochenergiephysik und die Psychonalyse. Es werden zwei wesentliche Kennzeichen dieser Labors identifiziert :
1. Experiment und Labor stehen einander als eigenständige Einheiten gegenüber.
2. Objekte konstitutieren sich in Form von Zeichen, d. h. dass sie im Gegensatz den beiden oberen Typen von Labors „weder Darstellungen der Alltagswelt inszenieren noch materiale Ingredienzien von Prozessierprogrammen darstellen.“ (Knorr Cetina, 2002, S. 59f.)
Am Beispiel der Psychonanalyse lässt sich dies schön verdeutlichen:
Analytiker gehen von einer Serie pathologischer Symptome aus. Sie versuchen, diese mit grundlegenden Trieben zu assoziieren [...] Eine „Analyse“ schreitet damit von äußeren, symptomatischen Zeichen der Erkrankung fort zu motivierenden Kräften [...] Das Ritual in der Praxis und die durchgeführte Befragung produzieren Zeichen. Wenn Analytiker Assoziationen evozieren und interpretieren, dann rekonstruieren sie den Sinn und den Ursprung der Zeichen. (S. 61, Hervorh. im Orig.)
Es ist wahrscheinlich, dass eine solche Erzeugung und Interpretation von Zeichen in vielen Ansätzen der Psychologie zur Anwendung kommt, vermutlich v. a. im Bereich psychischer Erkrankungen, die durch ein Erkrankung–Symptom-Schema erklärt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Science and Technology Studies (STS) für die Psychologie und definiert die zentralen Aspekte wie Subjektivität und Heterogenität, die als Analysebasis dienen.
2 Laborstudien: Dieses Kapitel behandelt den Ansatz der Laborstudien, insbesondere die Bedeutung von Indexikalität, die Konfiguration natürlicher und sozialer Ordnungen sowie verschiedene Labortypen.
3 Kritische Ansätze der STS: Hier werden kritische Theorien wie die Standpunkttheorie, Karen Barads Agential Realism und Donna Haraways situiertes Wissen vorgestellt, die insbesondere Macht und Verantwortung in den Fokus rücken.
4 Actor-Network Theory: Dieses Kapitel widmet sich der Actor-Network Theory (ANT), der Konstruktion von Fakten als "black boxes" sowie dem Konzept der technischen Vermittlung durch Netzwerke.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Schwierigkeiten einer pauschalen Anwendung der STS auf die gesamte Psychologie und empfiehlt ein pragmatisches, disziplinspezifisches Vorgehen.
Schlüsselwörter
Science and Technology Studies, STS, Psychologie, Laborstudien, Actor-Network Theory, ANT, Agential Realism, Standpunkttheorie, Subjektivität, Heterogenität, Inskriptionen, wissenschaftliche Praxis, Wissensproduktion, Kausalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit von Erkenntnissen aus der Wissenschafts- und Technikforschung (Science and Technology Studies, STS) auf die Psychologie, um diese als Disziplin besser analysieren zu können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung von Laboren, die Konstruktion von wissenschaftlichen Fakten, die Rolle von Macht und Standpunkten in der Wissensproduktion sowie die Netzwerktheorie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine Systematisierung verschiedener STS-Ansätze, um eine theoretische und methodische Basis für zukünftige, fundierte Untersuchungen der Psychologie zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie bestehende STS-Konzepte (z. B. Laborstudien, ANT) auf die Spezifika der psychologischen Forschung anwendet und auf ihre Anwendbarkeit hin prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Laborstudien, kritischen STS-Ansätzen (wie Agential Realism) und der Actor-Network Theory, wobei jeweils deren Konzepte auf psychologische Kontexte bezogen werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind STS, Psychologie, Laborstudien, Actor-Network Theory, Subjektivität, Heterogenität, Inskriptionen und wissenschaftliche Praxis.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Instrumenten in der Psychologie?
Der Autor zeigt auf, dass Instrumente – von bildgebenden Verfahren bis hin zu Fragebögen – entscheidend zur Festigung von Fakten und Inskriptionen beitragen, was die kritische Auseinandersetzung mit psychologischen Forschungsergebnissen erschwert.
Warum ist die Psychologie laut der Arbeit schwerer in STS-Konzepten zu fassen?
Da STS primär im Bereich der "exakten" Naturwissenschaften entstanden sind, stößt die Anwendung auf die Psychologie aufgrund ihrer hohen Heterogenität und ihrer geisteswissenschaftlich-interpretativen Anteile auf besondere methodische Hürden.
- Arbeit zitieren
- Harald Kliems (Autor:in), 2004, Wissenschafts- und Technikforschung -- Versuch einer Systematisierung in Hinblick auf mögliche Anwendungen in der Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/28754