Im Rahmen dieser Hausarbeit wird literaturgestützt erörtert, welche Relevanz die Idee der Nachhaltigkeit auch für die berufliche Bildung hat. Es wird erörtert, welche Voraussetzungen erforderlich sind, um die Idee der Nachhaltigkeit in die berufliche Bildung zu integrieren und welche Entwicklungen angestoßen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Zu diesem Zweck werden einleitend ausgewählte Bildungstheorien vorgestellt, um die geschichtliche Entwicklung und Entstehung der beruflichen Bildung darzustellen und verschiedene Definitionen der beruflichen Bildung zu erläutern. Dabei wird im ersten Unterpunkt näher auf den Bildungsbegriff von Humboldt eingegangen, anschließend der kulturpädagogische Ansatz von Spranger kurz skizziert und im dritten Unterpunkt die Bildungstheorie von Klafki vorgestellt. Im Folgenden wird der Berufsbegriff thematisiert und die historische Entwicklung des Berufes in den Fokus genommen. Der Stellenwert des Berufes und aktuelle Entwicklungen werden in Folge dessen diskutiert. Das zweite Kapitel schließt mit dem Spannungsfeld zwischen Beruf und der beruflichen Bildung ab und lässt erste Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der Entwicklung einer nachhaltigen beruflichen Bildung erahnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildungstheorien der Beruflichen Bildung
2.1 Neuhumanistischer Ansatz von Humboldt
2.2 Der kulturpädagogische Ansatz von Spranger
2.3 Die Bildung bei Wolfgang Klafki
3. Der Berufsbegriff
3.1 Stellenwert des Berufs
3.2 Spannungsfeld Beruf und berufliche Bildung nach Spranger
4. Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung
4.1 Die Integration der Idee der Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung und dabei aufkommende Problemlagen
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht literaturgestützt die Relevanz des Nachhaltigkeitsgedankens für die berufliche Bildung. Das zentrale Ziel ist es, Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration dieses Konzepts in bestehende Strukturen zu identifizieren und die notwendigen Entwicklungsschritte aufzuzeigen, um eine nachhaltige berufliche Bildung zu etablieren.
- Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen der beruflichen Bildung
- Wandel des Berufsbegriffs im gesellschaftlichen und historischen Kontext
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen ökonomischen Anforderungen und integraler Persönlichkeitsbildung
- Herausforderungen der Implementierung von Nachhaltigkeit in Bildungsprozesse
- Bedeutung von Selbstbestimmungs- und Mitbestimmungsfähigkeit für mündige Bürger
Auszug aus dem Buch
3.2 Spannungsfeld Beruf und berufliche Bildung nach Spranger
In der beruflichen Bildung entstehen häufig Spannungsfelder durch die Zusammenfügung von bildungsrelevanten und wirtschaftsorientierten Themenfeldern. Beide Aspekte sind in der beruflichen Bildung vertreten, verfolgen jedoch sehr unterschiedliche Ziele. Während die Wirtschaft darauf abzielt gut ausgebildete Mitarbeiter zu erhalten, die sich erfolgreich am Markt präsentieren können und eine Förderung der Organisation bewirken, orientieren sich die Ziele der Bildung zunächst an der Förderung der Person, ihrer Anschlussfähigkeit am Arbeitsmarkt und die Bewältigung der eigenen Lebensumstände (vgl. Lisop & Schlüter, 2009, S. 220). Diese Diskrepanzen finden sich in der Unterteilung der dualen Berufsausbildung in Berufsschule und Unternehmen wieder und stellen eine Herausforderung für die berufliche Bildung dar.
So ist der Betrieb interessiert an beruflicher Tüchtigkeit und Anpassung des Arbeitnehmers an den Arbeitsalltag, während die Berufsschule ihre Aufgabe in der Herausbildung von beruflicher Mündigkeit und Stärkung der eigenen Persönlichkeit sieht (vgl. Roth, 1971, S. 288). Das eine Angleichung zwischen der Berufsschule und den Betrieben stattgefunden hat, lässt sich daran erkennen, dass heute nicht mehr nur nach starren Curricula gelehrt wird, sondern zunehmend die Interessen der regionalen Ausbildungsstätten Einfluss auf die Unterrichtsinhalte nehmen (vgl. Arnold & Gonon, 2006, S. 75). Entscheidend für den Lernerfolg bleibt sogleich die Motivation der Auszubildenden und somit auch das Ausmaß der persönlichen Identifikation mit dem Beruf (vgl. Lange, Harney, Rahn, & Stachowski, 2001, S. 50). Kerschensteiner und Spranger stimmen in diesem Aspekt überein. Beide Autoren gehen davon aus, dass die Kulturgüter mit dem „innere Beruf“ konform sein müssen, damit der Jugendliche motiviert seiner Arbeit nachgehen kann. Kutscha problematisiert diese harmonische Vorstellung von Gesellschaft und merkt an, dass aufgrund von gesellschaftlichen Differenzierungsformen und einer individueller Persönlichkeitsstruktur, ein Spannungsfeld zwischen dem inneren und äußeren Beruf in der modernen Gesellschaft entsteht. Angesichts der fortschreitenden Spezialisierung im Beschäftigungssystem wie auch in den Wissenschaften, ist das Gleichgewicht und die Harmonie zwischen dem inneren und äußeren Beruf in dieser traditionellen Form, wie Spranger sie beschreibt, nicht mehr gegeben (vgl. Kutscha, 2003, S. 340).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema Nachhaltigkeit im Kontext aktueller gesellschaftlicher Diskurse und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich einer nachhaltigen beruflichen Bildung vor.
2. Bildungstheorien der Beruflichen Bildung: Dieses Kapitel erläutert bildungstheoretische Ansätze von Humboldt, Spranger und Klafki, um historische Hintergründe und Definitionen für die spätere Diskussion der Nachhaltigkeit zu schaffen.
3. Der Berufsbegriff: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der historischen und funktionalen Bedeutung des Berufs sowie des aktuellen Spannungsfelds zwischen wirtschaftlichen Interessen und bildungstheoretischen Zielen.
4. Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung: Das Kapitel verknüpft das Konzept der Nachhaltigkeit mit der beruflichen Bildung und identifiziert Problemlagen sowie Innovationsansätze für eine curriculare Modernisierung.
5. Schlussfolgerung: Das Fazit bündelt die Kerngedanken und postuliert, dass nachhaltige berufliche Bildung maßgeblich durch die Förderung selbstbestimmter und mündiger Bürger gelingt.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, berufliche Bildung, Berufsbegriff, Allgemeinbildung, Aufklärung, Mündigkeit, Selbstbestimmung, Mitbestimmungsfähigkeit, Lernfeldkonstrukt, Qualifikation, Wirtschaft, Transformationsprozess, Handlungskompetenz, Beruflichkeit, Gesellschaftliche Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Implementierung des Nachhaltigkeitsgedankens innerhalb der beruflichen Bildung und erörtert, wie dieser Prozess erfolgreich gestaltet werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf bildungstheoretischen Grundlagen, dem Wandel des Berufsverständnisses sowie den Herausforderungen einer nachhaltigen Ausrichtung von Bildungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, theoretisch fundierte Voraussetzungen aufzuzeigen, die notwendig sind, um Nachhaltigkeit in die berufliche Bildung zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Arbeit, die verschiedene Bildungstheorien und aktuelle Diskussionen zur Berufspädagogik analysiert und in einen neuen Kontext setzt.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung des Bildungs- und Berufsbegriffs sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis zwischen ökonomischen Verwertungsinteressen und umfassender Persönlichkeitsbildung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nachhaltigkeit, Mündigkeit, Mitbestimmungsfähigkeit und das Spannungsfeld zwischen ökonomischen und bildungstheoretischen Ansprüchen geprägt.
Welche Rolle spielt die Bildungstheorie von Klafki für das Thema?
Klafki liefert mit seinen Bedeutungsmomenten der Allgemeinbildung und dem Konzept der epochaltypischen Schlüsselprobleme eine essenzielle Basis, um Lernende für globale Nachhaltigkeitsfragen zu sensibilisieren.
Warum wird der Begriff des Berufs historisch so intensiv beleuchtet?
Die historische Herleitung ist notwendig, um zu verstehen, warum sich heute ein Spannungsfeld zwischen dem ursprünglichen Berufskonzept und modernen, flexiblen Arbeitsmarktanforderungen ergibt, was wiederum direkte Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit hat.
- Arbeit zitieren
- Nicoline Rohweder (Autor:in), 2014, Die Implementierung des Nachhaltigkeitsgedanken in der beruflichen Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/286857