Philippa Foot versucht in Ihrem Aufsatz „Tugenden und Laster“ eine Antwort auf die Frage zu geben, was Tugenden sind und wie wir diese in unserer heutigen Welt mit den Lastern, denen die Menschen all zu gern verfallen, in Einklang zu bringen sind
Im ersten Kapitel wirft sie bereits interessante Fragen auf, die es zu diskutieren gilt. Zum einen sind Tugenden Charaktereigenschaften? Wie kann ich Tugenden von Charaktereigenschaften und anderen Fähigkeiten abgrenzen? Oder wie kann man eine tugendhafte Handlung beschreiben bzw. woran misst man die Beurteilung derer? Im zweiten Kapitel werde ich dann versuchen ihre These zu widerlegen, dass Tugend Korrektive sind, denn Tugenden können doch auch etwas anderes sein als ein Ausgleich eines Motivationsdefizits. Immerhin hat ja nicht jeder einen „Schweinehund“ zu überwinden. Im dritten und letzten Kapitel wird die brisante Frage behandelt, ob es einen ‚mutigen Mörder‘ gibt und wie der Zusammenhang zwischen Laster und Tugend zu beurteilen ist.
Da die Autorin mehrere Fragen und Probleme aufwirft, halte ich es für sinnvoll ihren Aufsatz systematisch zu betrachten und werde mich aus diesem Grund mit den drei Kapiteln separat beschäftigen, um anschließend in meiner Schlussbetrachtung noch einmal meine Antwort auf die Frage zu geben, was einen tugendhaften Menschen ausmacht, worin sich tugendhafte und lasterhafte Handlungen unterscheiden und warum ich genauso gut bin wie Robin Hood.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
a) Kapitel 1: „a+b+x=Tugend? – Der erste Versuch einer Bestimmung von Tugend
b) Kapitel 2: „Der innere Schweinehund“ – Ein Versuch der näheren Bestimmung der Tugenden als Korrektive
c) Kapitel 3: „Der mutige Mörder“ – Der Zusammenhang zwischen Tugenden und Laster
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit setzt sich kritisch mit Philippa Foots Aufsatz „Tugenden und Laster“ auseinander. Ziel ist es, den Begriff der moralischen Tugend im Kontext moderner Ethik zu hinterfragen, Foots These von Tugenden als „Korrektive“ zu prüfen sowie das Verhältnis zwischen moralischen Idealen, Handlungsabsichten und dem tatsächlichen Handeln des Einzelnen zu analysieren.
- Systematische Untersuchung des Tugendbegriffs unter Rückgriff auf Aristoteles und Thomas von Aquin.
- Kritische Reflexion der These, dass Tugenden als Ausgleich für Motivationsdefizite (Korrektive) dienen.
- Diskussion der moralischen Bewertung von Handlungen (Teleologie vs. Deontologie).
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen moralischen Überzeugungen und praktischem Handeln am Beispiel des „mutigen Mörders“.
- Abgrenzung tugendhafter Handlungen von alltäglichen „guten“ Taten.
Auszug aus dem Buch
Kapitel 3: „Der mutige Mörder“ – Der Zusammenhang zwischen Tugenden und Laster
Zu Beginn des Kapitels fasst Foot zusammen: „[…] eine Handlung mit ‚echtem moralischen Wert‘ oder auch eine wirklich gute Handlung sei so aufzufassen, daß sie mit der Tugend übereinstimmt, worunter ich verstehe, daß sie keiner speziellen Tugend widerspricht und überdies mindestens eine Tugend erfordert.“ Nun gibt es aber auch Handlungen, die zum einen eine Tugend erfüllen und zum anderen einer anderen Tugend widersprechen. Als simples Beispiel dient der mutige Mörder, der aufgrund der schwierigen Umstände ‚Mut‘ beweist, um den Mord auszuführen.
Der Gedanken, dass Tugenden auch gegebenenfalls Bestandteil von schlechten Handlungen sein können, sei nach heutiger Auffassung schier unproblematisch, so Foot. Lediglich die Diskrepanz zwischen moralischen Idealen und tatsächlichen Urteilen führe dazu, dass nicht bei jedem die Tugend sich auch als Tugend auswirkt. Foot spricht zwar davon, dass „[…] Wörter wie Mut […] bestimmte menschliche Fähigkeiten [bezeichnen]“ und „[d]ie von den Tugendwörtern bezeichnete Fähigkeit […] die [ist], gute Handlungen und gute Strebungen hervorzubringen“, doch gibt es laut ihrer Meinung auch Fälle, wo sich die Tugenden nicht als solche auswirken, obgleich derjenige sie besitzt. In unserem Mörder-Beispiel kann man also sagen, dass der Mörder als Mensch sehr wohl die Tugend Mut besitzt, doch in seiner Handlung bzw. in seiner Eigenschaft ein Mörder zu sein, habe sich die Tugend nicht als solche ausgewirkt. Indem man die Tugend mit falschen statt mit guten Handlungen verbindet, wirkt sie sich nicht als Tugend aus, obwohl derjenige ein Träger der Tugend ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin legt dar, wie sie Foots Aufsatz systematisch in drei Teilen untersuchen will, um das Wesen tugendhaften Handelns und die Abgrenzung von Lastern zu ergründen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte, welche die Definition von Tugend, die Theorie der Tugenden als Korrektive menschlicher Natur und die Problematik von Tugenden bei moralisch verwerflichen Handlungen kritisch beleuchten.
3. Schlussbetrachtung: Die Autorin fasst zusammen, dass Foot zwar wertvolle Anstöße gibt, aber keine konsistente Definition liefert, und plädiert für einen strengeren Tugendbegriff, der moralische Weisheit und konsequentes Handeln in den Mittelpunkt stellt.
Schlüsselwörter
Tugendethik, Philippa Foot, Moralische Tugend, Laster, Tugend als Korrektiv, Aristoteles, Sittliche Einsicht, Moralische Handlung, Motivation, Moralische Ideale, Weisheit, Deontologie, Teleologie, Tugendhaftigkeit, Handlungsabsicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch den Aufsatz „Tugenden und Laster“ der Philosophin Philippa Foot und hinterfragt deren theoretische Bestimmungen von Tugend.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Definition von Tugend, die Rolle von Moralvorstellungen in der heutigen Zeit sowie die Frage, ob Tugenden notwendigerweise eine Korrektur menschlicher Schwächen darstellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Thesen von Philippa Foot auf ihre Konsistenz zu prüfen und eine eigene Position zur Frage zu beziehen, was einen tugendhaften Menschen von einer bloß „guten“ Person unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine systematische, textkritische Untersuchung und philosophische Argumentation, die sich auf klassische Quellen wie Aristoteles und die moderne Tugendethik stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Kapitel: die erste Bestimmung von Tugend, die Analyse von Tugenden als Korrektive von Motivationsdefiziten sowie die ethische Einordnung von Tugenden in kontroversen Fällen wie dem „mutigen Mörder“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Tugendethik, moralisches Bewusstsein, Korrektive, Handlungsabsicht und Weisheit.
Wie bewertet die Autorin das Beispiel des „mutigen Mörders“ bei Foot?
Sie widerspricht der Auffassung, dass ein Mörder als „tugendhaft“ bezeichnet werden kann, nur weil seine Tat Mut erforderte; für sie ist eine Handlung nur dann tugendhaft, wenn sie moralisch gut ist.
Warum hält die Autorin den Begriff „Korrektiv“ für problematisch?
Sie argumentiert, dass Tugend nicht zwingend die Überwindung eines inneren „Schweinehundes“ voraussetzt, da es durchaus Menschen gibt, die moralisch handeln, ohne dabei gegen große Widerstände kämpfen zu müssen.
Welche Rolle spielt die Weisheit nach Ansicht der Autorin?
Die Weisheit wird als entscheidende Verstandestugend gesehen, welche die Verbindung zwischen moralisch richtigen Zielen und der praktischen Umsetzung herstellt.
- Arbeit zitieren
- Melanie Illert (Autor:in), 2008, Moderne Tugendethik. Über „Schweinehunde“ und Robin Hood zu dem Aufsatz von Philippa Foot „Tugenden und Laster“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/286572