Emile Durkheim orientiert sich in seinem hier untersuchten Werk an primitiven bzw. einfachen Religionen, weil es seiner Ansicht nach nur möglich ist durch die Analyse dieser Religionsform, die Höherentwicklung der Religionen zu erklären und somit jedem Menschen ein Verständnis der identischen Grundformen bezüglich der differenzierten Religionsformen aufzuzeigen.
Doch welches Religionssystem gilt als primitiv, sodass es als eine Urform genutzt werden kann? Dies begründet er einerseits mit einer speziellen gesellschaftlichen Form, wobei sie im Vergleich mit anderen Formen nicht organisierter bzw. komplexer ablaufen darf. Desweiteren soll sie auch frei von Elementen sein, mit welchen wir auch andere Religionsformen beschreiben und erörtern könnten. Die primitivste Religionsform besteht demnach viel mehr aus Elementen mit denen es uns möglich ist, modernere Formen zu begründen.
Die Soziologie ist für Durkheim eine positive Wissenschaft, weil sie uns nicht nur historische Fakten offenbart und uns zu Augen führt, sondern diese Gegebenheiten auch hinterfragt, sodass sich die damaligen Fakten positiv auf die heutige Entwicklung auswirken können.
Inhaltsverzeichnis
1. Biographie
2. Hauptteil
2.1. Zentrale Fragestellungen
2.2. Kritik an der Philosophie
2.3. Wie lassen sich die religiösen Grundformen finden
2.4. Unterscheidung der Religionen
2.5. Voraussetzungen
2.6. Kategorisierung
2.7. Gesellschaft
3. Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Emile Durkheims Werk „Die elementaren Formen des religiösen Lebens“ mit dem Ziel, die soziologische Herangehensweise zur Identifikation religiöser Grundformen nachzuvollziehen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie durch die Analyse einfacher, primitiver Religionen Rückschlüsse auf die Struktur und Funktion der Religion im Allgemeinen sowie auf die kollektive Konstitution der menschlichen Erkenntnis (Kategorien) gezogen werden können.
- Biografischer Kontext und wissenschaftliche Einordnung Emile Durkheims
- Kritische Auseinandersetzung mit philosophischen Religionsbegriffen
- Die Bedeutung einfacher Religionen als methodischer Schlüssel
- Die Rolle kollektiver Vorstellungen und sozialer Strukturen
- Das Verhältnis zwischen Individuum, Gesellschaft und Erkenntniskategorien
Auszug aus dem Buch
2.3. Wie lassen sich die religiösen Grundformen finden
„Im Grunde gibt es also keine Religionen, die falsch wären.“ (Durkheim 1981, S.19)
Diese Aussage ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Überlegungen und Gedankengänge. Es ist nicht möglich, die Religionsformen in irgendeiner Art und Weise hierarchisch zu ordnen. Höher entwickelte Religionen weisen einen höheren Grad an Systematisierung auf, dennoch ist es nicht möglich die unterschiedlichen Religionen in diverse Gattungen zu untergliedern, weil sie allesamt aus gemeinsamen Elementen bestehen. Durkheim begründet diesen Punkt mit einem Vergleich der Lebewesen. „Alle sind gleichermaßen Religionen, wie alle Lebewesen lebendig sind, angefangen von den bescheidensten Plastiden bis zum Menschen“ (Durkheim 1981, S.19)
Die vermeintlich als primitiv geltenden Religionen werden in diesem Zusammenhang nicht entkräftet, sondern werden als Möglichkeit von Durkheim erachtet, die eigentliche Problematik zu lösen und das religiöse Leben uns zu offenbaren. Die Vorgehensweise beinhaltet vor allem ein Verständnis der neuen Religion, unter Berücksichtigung der Zusammensetzung der geschichtlichen Daten. Durkheim erklärt den Vorteil der Geschichte, welchen sie als methodisches Mittel inne hat, um Prozesse unter Berücksichtigung ihrer zeitlichen Abfolge in einzelne Bestandteile zu zerlegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Biographie: Ein Überblick über das Leben von Emile Durkheim, seine prägenden Einflüsse und seine grundlegenden soziologischen Arbeiten.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert Durkheims theoretische Herangehensweise, seine Kritik an der Philosophie und die soziologische Bedeutung von Religion, Gesellschaft und Erkenntniskategorien.
2.1. Zentrale Fragestellungen: Untersuchung, warum Durkheim primitive Religionen als Ausgangspunkt für das Verständnis komplexerer Religionsformen wählt.
2.2. Kritik an der Philosophie: Erörterung von Durkheims Vorwurf, dass die Philosophie Religionen lediglich auf Basis subjektiver Ideale statt empirischer Beobachtung betrachtet.
2.3. Wie lassen sich die religiösen Grundformen finden: Darstellung von Durkheims These, dass alle Religionen gleichwertig sind und durch die Zerlegung in historische Bestandteile analysiert werden müssen.
2.4. Unterscheidung der Religionen: Vergleich zwischen primitiven und hoch entwickelten Religionen und die Herausforderung, in der Komplexität moderner Kulte Gemeinsamkeiten zu identifizieren.
2.5. Voraussetzungen: Erläuterung der Annahme, dass Religionen eine objektive soziale Funktion erfüllen und menschliche Bedürfnisse organisieren.
2.6. Kategorisierung: Untersuchung, wie die Religion durch die Ordnung von Kategorien wie Zeit und Raum zur ersten Wissenschaft wird und kollektive Vorstellungen schafft.
2.7. Gesellschaft: Definition der Gesellschaft als „sui generis“, die durch die intellektuelle Teilnahme ihrer Mitglieder und die Verschmelzung von Empirismus und Apriorismus entsteht.
3. Kritische Würdigung: Eine reflektierende Betrachtung über die methodischen Schwierigkeiten, religiöse Ursprünge zu bestimmen und die Rolle von Institutionen in modernen Gesellschaften.
Schlüsselwörter
Emile Durkheim, Soziologie, Religion, primitive Religionen, Kollektivbewusstsein, soziale Tatsachen, Erkenntnistheorie, Kategorien, Gesellschaft, Empirismus, Apriorismus, Riten, Institutionen, Kollektivvorstellungen, religiöser Ursprung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Auseinandersetzung mit Emile Durkheims soziologischem Verständnis von Religion, wie es in seinem Werk „Die elementaren Formen des religiösen Lebens“ dargelegt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Untersuchung einfacher Religionsformen, der Definition kollektiver Vorstellungen sowie der soziologischen Fundierung menschlicher Erkenntniskategorien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den wissenschaftlichen Weg Durkheims nachzuzeichnen, wie er durch die Analyse einfacher Gesellschaften die universelle Natur religiöser und sozialer Prozesse erschließt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die primär auf der exegetischen Untersuchung und Interpretation des Quellentextes von Durkheim basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Fragestellungen, die Kritik an philosophischen Religionsansätzen, das methodische Vorgehen bei der Identifikation von Grundformen sowie die soziologische Verankerung von Religion innerhalb der Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kollektivbewusstsein, Soziologie, Religion, primitive Religionen, Erkenntnistheorie und soziale Tatsachen.
Wie unterscheidet Durkheim primitive von hoch entwickelten Religionen?
Durkheim sieht in primitiven Religionen eine einfachere, transparentere Struktur, die es ermöglicht, die wesentlichen Elemente der Religion ohne die Überlagerung durch komplexe, historisch gewachsene Kulte zu identifizieren.
Was bedeutet der Begriff „Gesellschaft sui generis“ bei Durkheim?
Dieser Begriff beschreibt die Gesellschaft als eine eigenständige Wirklichkeit, die mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile und eigene, spezifische Züge aufweist, die das menschliche Denken und Handeln maßgeblich prägen.
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- Diplom Soziologe Sebastian Werfel (Author), 2009, Analyse von Emile Durkheims "Die elementaren Formen des religiösen Lebens", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/286513