Philippa Foot diskutiert in ihrem Werk "Euthanasia" die Frage, ob Akte der Euthanasie legalisiert werden sollten und ob diese jemals gerechtfertigt werden könnten.
Im ersten Teil ihrer Darlegung, mit dem sich die vorliegende Ausarbeitung ausschließlich befassen wird, definiert Foot zunächst ihr Verständnis von Euthanasie und unter welchen Umständen einem Akteur ein Akt der Euthanasie zugeschrieben werden darf. Dazu stellt sie vier grundlegende Fragen: Zunächst, was bedeutet es, dass der Akt der Euthanasie auf das Wohl des Sterbenden abzielt und der Tod um seinetwillen gewollt wird? Damit einhergehend debattiert Foot die zentrale Frage der Diskussion um Euthanasie, wie sich generell verstehen lässt, dass man überhaupt jemals den Tod zugunsten dessen wünschen kann, der sterben soll. Zur Beantwortung dessen ermittelt Foot, warum und wann das Leben ein Gut ist und zuletzt, was eigentlich als normales menschliches Leben gilt. Ihr Ziel dabei ist es, aufzuzeigen, wann ein Leben nicht mehr als normales menschliches Leben gilt und somit dieses Leben auch kein Gut mehr darstellt. In diesem Fall, in dem das Leben als ein Übel und kein Gut mehr erscheint, kann man den Tod zugunsten desjenigen Menschen wünschen. Somit zielt der Akt der Euthanasie auf das Wohl des Sterbenden und der Tod wird ausschließlich um seinetwillen gewollt. Im Folgenden soll dieser Gedankengang ausführlicher erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Euthanasie
3. Die Frage nach dem Wert des Lebens
4. Die begriffliche Beziehung zwischen Leben und Gut
4.1. Analyse bei Pflanzen
4.2. Analyse bei Tieren
4.3. Analyse bei Menschen
5. Abgrenzung eines normalen menschlichen Lebens
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Philippa Foots philosophischer Definition von Euthanasie auseinander. Ziel ist es, die moralischen und begrifflichen Voraussetzungen zu analysieren, unter denen Euthanasie als Akt zum Wohl des Sterbenden legitimiert werden kann.
- Begriffsbestimmung der Euthanasie in Abgrenzung zu Tötungsdelikten
- Philosophische Untersuchung, unter welchen Bedingungen das Leben als Gut betrachtet wird
- Vergleichende Analyse der Lebensqualität bei Pflanzen, Tieren und Menschen
- Etablierung von Kriterien für ein "normales menschliches Leben"
- Beantwortung der Frage nach der moralischen Rechtfertigung von Euthanasie
Auszug aus dem Buch
Die Definition der Euthanasie bei Philippa Foot
Aus den oben aufgeführten Gründen definiert Foot Euthanasie schließlich wie folgt: Euthanasie ist stets zum Wohl des Sterbenden und wird als ein Gut für denjenigen angesehen. Weiterhin beinhaltet der Handlungsakt, dass sich zugunsten dessen der sterben soll, für den Tod entschieden wird bzw. der Tod herbeigeführt wird. Zudem schließt der Handlungsakt ein Unterlassen nicht aus; wir sprechen nicht nur von einem Akt der Euthanasie, wenn aktive Maßnahmen dazu ergriffen werden, sondern auch, wenn bewusst, zum Wohl des Sterbenden, eine Entscheidung über das eigene (Nicht-)Handeln getroffen wird und dies seinen Tod zur Folge hat. Hinzukommend muss der Akteur, der den Akt der Euthanasie vollzieht, den Tod als Gnade für die Person ansehen. Foot betont, dass in die Definition der Euthanasie „dieselbe Bedingung eingehen [muss], ob als ein Bestandteil der Wirklichkeit oder nur als ein Bestandteil in den Überzeugungen des Akteurs“ (Foot 1990, 287). Dies bedeutet, dass maßgeblich für den Akt der Euthanasie die Bedingung ist, dass er zugunsten des Betroffenen ausgeführt wird. Unabhängig also davon, ob Wirklichkeit und Überzeugung übereinstimmen oder nicht, der Akt ist immer als Akt der Euthanasie zu bezeichnen, solange er aus Gnade geschehen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle bioethische Relevanz der Euthanasie-Diskussion ein und verortet die Fragestellung im Rahmen der Philosophie von Philippa Foot.
2. Definition von Euthanasie: Dieses Kapitel erarbeitet eine präzise Definition von Euthanasie, die Euthanasie-Morde wie die Aktion T4 ausschließt, indem sie das Wohl des Sterbenden in den Fokus rückt.
3. Die Frage nach dem Wert des Lebens: Hier werden vier philosophische Ansätze diskutiert, warum Leben grundsätzlich als Gut angesehen wird, und deren Mängel in extremen Ausnahmesituationen aufgezeigt.
4. Die begriffliche Beziehung zwischen Leben und Gut: Dieses Kapitel untersucht stufenweise die Verbindung zwischen Lebenserhaltung und Wohlbefinden bei Pflanzen, Tieren und schließlich Menschen.
5. Abgrenzung eines normalen menschlichen Lebens: Hier wird der Begriff des "normalen menschlichen Lebens" durch ein Minimum an menschlichen Grundgütern objektiviert, um die Grenze zur medizinischen Sinnlosigkeit zu ziehen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Foot ihre zentralen Fragen zur Rechtfertigung von Euthanasie innerhalb des ersten Teils ihrer Untersuchung erfolgreich beantwortet hat.
Schlüsselwörter
Euthanasie, Philippa Foot, Bioethik, Tugendethik, Sterbehilfe, Lebensqualität, Gut und Übel, Aktive Euthanasie, Unterlassung, Menschenwürde, Normales menschliches Leben, Grundgüter, Medizinische Ethik, Letztverantwortung, Sterben in Würde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die philosophische Argumentation von Philippa Foot zum Thema Euthanasie und versucht, die begrifflichen Bedingungen zu klären, unter denen ein solcher Akt moralisch zum Wohl des Betroffenen stehen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Definition von Euthanasie, die philosophische Abgrenzung zwischen dem Leben als "Gut" und als "Übel" sowie die Bestimmung eines objektiven Maßstabs für ein lebenswertes menschliches Leben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, wie sich verstehen lässt, dass man den Tod eines Menschen als Akt der Gnade wünschen kann, und wann ein Leben nicht mehr als Gut im Sinne eines "normalen menschlichen Lebens" gilt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine hermeneutische Textanalyse des Werkes "Euthanasia" von Philippa Foot durchgeführt, ergänzt durch eine logische Prüfung ihrer argumentativen Ansätze und Definitionskriterien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Euthanasiebegriffs, der Kritik an verschiedenen Ansätzen zum Wert des Lebens sowie der Untersuchung der begrifflichen Verbindung zwischen Lebenserhaltung und menschlichem Wohl.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Euthanasie, Philippa Foot, Bioethik, Lebensqualität, Grundgüter und die moralische Rechtfertigung von Sterbehilfe.
Inwiefern unterscheidet Foot zwischen Mensch und Tier bei der Bewertung des Lebens?
Während bei Tieren das Wohlbefinden primär an das Ausbleiben von Schmerz und die Erhaltung der normalen biologischen Funktionsweise gekoppelt ist, bezieht Foot beim Menschen zusätzlich die subjektive Perspektive und die soziale Einbindung in ein Leben mit Grundgütern ein.
Warum grenzt sich der Autor explizit von den Morden der Aktion T4 ab?
Die Abgrenzung ist essenziell, um Euthanasie rein als einen Akt zum Wohl des Sterbenden zu definieren. Die Morde der Nationalsozialisten basierten auf eugenischen Zielen, nicht auf dem Wohl der betroffenen Individuen, weshalb sie nach Foots Definition nicht als Euthanasie gelten können.
- Arbeit zitieren
- B.Ed. Lena Groß (Autor:in), 2014, Euthanasie bei Philippa Foot "Um Leben und Tod", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/286044