„Alt wie ein Baum möchte ich werden“ und eigentlich noch sehr viel älter. Wer so denkt, ist, wie eine Vielzahl von Altersforschern, Gerontologen, Medizinern und Evolutionsbiologen auf der Suche nach einem Weg, den Tod bis zur biologischen Unsterblichkeit hinauszuzögern. Der Wunsch nach einem langen und damit - wie wir glauben - zufriedenstellenden Leben ist in aller Munde. Er wird in Liedern, auf Geburtstagskarten und Gedichten zum Ausdruck gebracht
und ist schon immer Teil unserer Kultur.
Gegenwärtig mehren sich die Stimmen von Molekularbiologen und Vertretern aus der biogerontologischen Forschung, die eine künftige Medizin für denkbar halten, die dem biologischen
Prozess des Älterwerdens entgegentritt. Diese Vorstellung lässt einige, grundsätzliche philosophische Fragen neu aufleben, u.a. die, ob eine gesteigerte Lebensdauer die individuelle Qualität des Lebens und somit das Befinden einer Person erhöhen würde. Brauchen wir ein längeres Leben? Brauchen wir es, um glücklicher zu sein? Machte es uns zufriedener? Obgleich niemand einen Anspruch darauf erheben kann zu wissen, wie es tatsächlich in einer Welt aussähe, die durch massenhafte, bisher unbekannte und für mich nahezu unvorstellbare Langlebigkeit geprägt wäre, möchte ich dennoch eine Annäherung an die Antworten dieser Fragen wagen. Diese Hausarbeit ist ein Realitäts-Entwurf und eine spannende
Reise durch den Konjunktiv: Was wäre wenn…?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Alter, Altern und Unsterblichkeit
2.1 Begriffsklärung Altern, Alter als Krankheit
2.2 Verschiedene Szenarien der Lebensverlängerung
3. Was verspricht ein signifikant verlängertes Leben?
3.1 Lebenszufriedenheit
3.2 Problem der Erneuerung und der Erinnerung
4. Vorzüge der Sterblichkeit und die Unumgänglichkeit des Todes
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophischen und ethischen Implikationen einer signifikanten Lebensverlängerung und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob ein extrem langes Leben tatsächlich zu einer Steigerung der subjektiven Lebenszufriedenheit führen würde. Dabei werden aktuelle wissenschaftliche Diskurse zur Biogerontologie mit Fragen der menschlichen Identität und der Bedeutung von Endlichkeit verknüpft.
- Biologische Grundlagen des Alterns und Konzepte der Lebensverlängerung
- Analyse der subjektiven Lebenszufriedenheit in Abhängigkeit von Zeit
- Psychologische und kognitive Folgen extremer Langlebigkeit
- Die moralische und existenzielle Bedeutung der menschlichen Sterblichkeit
Auszug aus dem Buch
3.2 Problem der Erneuerung und der Erinnerung
Da ich davon ausgehe, dass eine individuelle, signifikant längere Lebensspanne für den Menschen nicht ohne bevölkerungspolitische Konsequenzen bleibt, müsste ein allgemeiner Geburtenrückgang korrespondieren. Dies resultiert aus der Tatsache, dass die Welt auf lange Sicht nicht die Lebensgrundlagen für eine Bevölkerung bereitstellt, deren Größe die heutige Bevölkerung weit übertrifft. Durch den Rückgang von Geburten gingen die Selbsterneuerungskräfte der Gesellschaft verloren, Spontanität und Innovationskraft der Jugend würden eingebüßt. Es ist normal, dass man nach einer gewissen Lebenserfahrung aufhört, die Welt mit „frischen“ Augen zu sehen. Wir werden vertraut mit der Welt und agieren routiniert. Schlimmer, als nur eine gedämpfte Wachheit ist, dass wir Enttäuschungen, zerbrochene Träume und Fehler anhäufen.
„Die Mühe, die ökonomischen und emotionalen Herausforderungen des täglichen Lebens zu meistern, [kann] ihren Tribut in Form von vermindertem Ehrgeiz, Unsensibilität, Ermüdung und Zynismus fordern- natürlich nicht bei allen, aber doch bei vielen […].“ Leon R. Kass et al. werfen sogar die These auf, dass „ohne eine gewisse Vorahnung unserer Sterblichkeit […] der Wunsch nach Erneuerung schwächer ausfallen [dürfte]“, da das Ticken der biologischen Uhr wegfiele - Kinder seien eine Antwort auf die Sterblichkeit, heißt es da.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle Debatte der Biogerontologie ein und stellt die zentrale Frage, ob eine massiv gesteigerte Lebensdauer die individuelle Qualität des Lebens verbessern kann.
2. Alter, Altern und Unsterblichkeit: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe, diskutiert das Verständnis von Alter als Krankheit und stellt theoretische Szenarien einer künstlichen Lebensverlängerung vor.
3. Was verspricht ein signifikant verlängertes Leben?: Hier wird untersucht, wie sich extreme Langlebigkeit auf die subjektive Lebenszufriedenheit auswirkt und welche Probleme hinsichtlich der psychologischen Erneuerung und der kognitiven Belastung auftreten können.
4. Vorzüge der Sterblichkeit und die Unumgänglichkeit des Todes: Das Kapitel analysiert, warum die Endlichkeit des Lebens einen wesentlichen Wert darstellt und warum der Tod als integraler Bestandteil menschlicher Existenz betrachtet werden kann.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass es keine hinreichende Begründung für die Annahme gibt, ein signifikant verlängertes Leben würde den Menschen zufriedener machen, und betont die Bedeutung der Gesundheit gegenüber der reinen Lebensdauer.
Schlüsselwörter
Biogerontologie, Lebensverlängerung, Unsterblichkeit, Lebenszufriedenheit, Altern, Sterblichkeit, Subjektives Wohlbefinden, Ethik, Lebensspanne, Seneszenz, Identität, Endlichkeit, Gesellschaftspolitik, Psychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den philosophischen und ethischen Fragen, die sich aus der Möglichkeit einer signifikanten Lebensverlängerung durch moderne medizinische Ansätze ergeben.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition von Altern, die Analyse der Lebenszufriedenheit, die psychologischen Folgen extremer Langlebigkeit und die existenzielle Bedeutung des Todes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der Frage, ob eine massive Verlängerung des Lebens tatsächlich das individuelle Wohlbefinden und die Lebensqualität positiv beeinflussen würde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische und interdisziplinäre Analyse, indem sie existierende Theorien aus der Biogerontologie, Ethik und Psychologie zusammenführt und kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die verschiedenen medizinischen Szenarien der Lebensverlängerung, die philosophische Einordnung von Lebenszeit als Gut sowie die Auswirkungen auf Charakter, Erneuerung und Identität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Biogerontologie, Lebenszufriedenheit, Unsterblichkeit und die ethische Bewertung von Sterblichkeit.
Wie bewertet die Autorin den Wunsch nach Unsterblichkeit?
Die Autorin betrachtet den Wunsch nach Unsterblichkeit als zweifelhaft, da ein Zugewinn an Lebenszeit nicht automatisch eine Verbesserung der Lebensbilanz garantiert.
Welche Rolle spielt die Gesundheit für die Zufriedenheit?
Die Gesundheit wird als der wahrscheinlich wichtigste Faktor für die allgemeine Lebenszufriedenheit identifiziert, was das Vermeiden von Alterskrankheiten als sinnvoll erscheinen lässt.
- Quote paper
- Johanna Lamm (Author), 2013, Länger leben. Ist weniger doch mehr oder wirkt sich die signifikante Verlängerung unseres Lebens positiv auf unser Wohlbefinden aus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/285850