Postindustrielle Gesellschaften werden in zunehmendem Maße als wissensbasierte Gesellschaften verstanden. Investitionen in Humankapital gelten vermehrt als Garanten für Wettbewerbsfähigkeit und werden politisch forciert. Um bestmögliche Bedingungen für (lebenslange) Kompetenzentwicklung gewährleisten zu können, gewinnen qualitativ hochwertige Weiterbildungsmaßnahmen an Bedeutung. In Hinblick auf die Qualität von Arbeit und Trainings verweisen Studien auf die Bedeutsamkeit funktionierender psychologischer Verträge (Motivations-, Loyalitäts- und Erwartungsstrukturen). Als Träger von informellen Strukturen und impliziten Erwartungen zwischen AkteurInnen in Organisationen schaffen psychologische Kontrakte einen Rahmen für effektives Arbeiten und positive Learning Outcomes. Im Zuge der Studie werden daher hemmende Faktoren für erfolgreiche Wissensvermittlung identifiziert um diese künftig vermeiden und bearbeiten zu können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Relevanz der TrainerInnenbranche in der (wissensbasierten) Gesellschaft: Die Herausbildung eines quartären Bildungssektors
2. Die Weiterbildungsbranche und das Berufsbild von TrainerInnen der Weiterbildung in Österreich
3. Theoretische Einbettung der Untersuchung: Der psychologische Kontrakt
3.1. Definition und inhaltliche Komponenten des psychologischen Kontraktes
3.2. Das Spannungsfeld zwischen Organisation und Individuum und die vermittelnde Rolle des psychologischen Kontraktes
3.3. Funktionen des psychologischen Vertrags
3.4. Die psychologische Kontraktforschung: Unterschiedliche Ansätze und Forschungsstand
3.5. Verletzungen und Erfüllungen des psychologischen Vertrags
3.6. Theoretische Rahmung
4. Methodologie, Forschungsmethoden und Forschungsprozess
4.1. Methodologische Vorgehensweise und Methodentriangulation
4.2. Datenanalyse: Die Auswertungsverfahren
4.3. Die Gestaltung des Forschungsprozesses und Qualitätssicherung der Ergebnisse
4.4. Feldzugang und Forschungsethik
5. Ergebnisse der empirischen Forschung
5.1. Vertragsbrüche aufgrund von nicht erfüllten Formalkriterien
5.2. In der organisationalen Formalstruktur angelegte Verletzungen des psychologischen Vertrags
5.2.1. Zeitliche Rahmung des Organisationsgeschehens
5.2.2. Organisationsinterne Kommunikationskanäle und Schaltstellen der Kommunikation
5.2.3. Arbeitssetting und formale Arbeitsorganisation: Vertragsverletzungen aufgrund von flächendeckenden Abhandlungen
5.2.4. Mechanismen zur Bewältigung von in der Formalstruktur angelegten Verletzungen des psychologischen Kontrakts
5.3. Vertragsbrüche aufgrund von Rollenkonflikten
5.4. Informelle Strukturen als Vorbedingungen für Verletzungen des psychologischen Kontrakts
5.5. Lebensweltliche Kontextlagen: Einflussfaktoren für die Wahrnehmung von psychologischen Vertragsverletzungen
6. Zusammenfassung der Ergebnisse
Conclusio und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die strukturellen Entstehungskomponenten von Verletzungen psychologischer Verträge in der österreichischen Weiterbildungsbranche. Das primäre Ziel besteht darin, die soziale Logik und die zugrunde liegenden Bedingungen zu identifizieren, unter denen solche Vertragsbrüche wahrgenommen werden, um so eine Forschungslücke im bisherigen, meist folgenorientierten Forschungsstand zu schließen.
- Psychologische Verträge als informelle Strukturierungselemente in Organisationen
- Strukturelle und lebensweltliche Konditionen für Vertragsverletzungen
- Qualitativer Forschungsansatz mittels Methodentriangulation (Interviews, teilnehmende Beobachtung, Artefaktanalyse)
- Rolle der TrainerInnen im Spannungsfeld von Formalstruktur und informellen Erwartungshaltungen
- Funktion des Mechanismus der "Personalisierung" bei organisationalen Problemlagen
Auszug aus dem Buch
5.2.4. Mechanismen zur Bewältigung von in der Formalstruktur angelegten Verletzungen des psychologischen Kontrakts
Die Einhaltung des psychologischen Kontraktes kann durch die Formalstruktur erschwert werden, da die darin festgelegten Strukturen die Rahmung für sämtliches Organisationsgeschehen liefern. Daraus können sich – wie in den vorigen drei Unterkapiteln aufgezeigt – Probleme etwa hinsichtlich der Erfüllung von spezifischen Erwartungshaltungen ergeben. Eine Art diesen Formen von Verletzungen des psychologischen Kontrakts zu begegnen, welche in der Formalstruktur von Organisationen gründen, stellt eine Umstrukturierung der formalen Rahmung des Organisationsgeschehens dar. Dies bedarf jedoch der Fähigkeit, Problemlagen im größeren organisationalen Kontext unter spezifischer Berücksichtigung der strukturellen Rahmenbedingungen zu erkennen um diese nachfolgend bearbeiten zu können. Anstatt Probleme – etwa das Unvermögen auf spezielle Bedürfnisse der TeilnehmerInnen einzugehen – seitens der Unternehmensleitung systemisch zu sehen, zeigte sich im Zuge der durchgeführten Untersuchung weitgehend, dass der Mechanismus der Personalisierung zum Tragen kommt: Die Problemlösung wird häufig den Individuen – in jenem Fall den TrainerInnen – aufgebürdet.
Auch Ulrich Oevermann (2001) weist mit den Ergebnissen seiner Untersuchung von Fall Supervisionen darauf hin, dass externe Begrenzungen zeitlicher, räumlicher und organisatorischer Natur strukturelle Probleme für die berufliche Tätigkeitsausübung darstellen können. Oevermann konnte diesbezüglich ebenso aufzeigen, dass diese strukturellen Problemlagen oftmals personalisiert werden, anstatt sie auf die Organisation und Steuerung der Unternehmen zurückzuführen (vgl. Kühl, 2009, S. 133; Oevermann, 2001, S. 76ff.). Stefan Kühl (2009) verweist daran anknüpfend darauf, dass der Mechanismus der Personalisierung durchaus funktional ist und das Organisationsgeschehen sichert: „Letztlich wird von jeder Stelle in der Organisation erwartet, dass die Personen, die diese Stellen besetzen, Probleme der Organisation – wenigstens teilweise – zu ihren eigenen machen“ (Kühl, 2009, S. 134). Diese Notwendigkeit ergibt sich wiederum aus der bereits aufgezeigten Unzulänglichkeit seitens der Unternehmensleitung sämtliche Prozesse in Unternehmen detailliert steuern zu können (siehe dazu Kapitel 3.2. & 3.3.). Der Umgang mit spezifischen Situationen muss demnach den Personen, welche eine Funktion im Unternehmen ausüben, gewissermaßen selbst überlassen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Wissensgesellschaft, die Bedeutung des quartären Bildungssektors und die Relevanz des psychologischen Kontrakts für TrainerInnen.
1. Die Relevanz der TrainerInnenbranche in der (wissensbasierten) Gesellschaft: Die Herausbildung eines quartären Bildungssektors: Analyse der gesellschaftlichen Transformation und der steigenden Bedeutung von Humankapital und Weiterbildung.
2. Die Weiterbildungsbranche und das Berufsbild von TrainerInnen der Weiterbildung in Österreich: Untersuchung der österreichischen Branche, der Finanzierung und der heterogenen Rolle der KursleiterInnen.
3. Theoretische Einbettung der Untersuchung: Der psychologische Kontrakt: Detaillierte Herleitung des Begriffs nach Rousseau, der Funktionen des Kontrakts und des aktuellen Forschungsstandes.
4. Methodologie, Forschungsmethoden und Forschungsprozess: Darlegung des qualitativen Designs, der Methodentriangulation und der hermeneutischen Analyseverfahren.
5. Ergebnisse der empirischen Forschung: Hauptteil, der die strukturellen Bedingungen (Formalstruktur, Rollenkonflikte, Lebenswelt) für Vertragsbrüche und Bewältigungsmechanismen aufzeigt.
6. Zusammenfassung der Ergebnisse: Synthese der empirischen Erkenntnisse und Rückbezug auf die theoretischen Annahmen zur Entstehung von Vertragsverletzungen.
Conclusio und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten im Bereich der TrainerInnenbranche.
Schlüsselwörter
psychologischer Vertrag, Wissensgesellschaft, Organisation, quartärer Bildungssektor, Weiterbildungsbranche, TrainerInnen, Mitarbeitermotivation, Loyalität, Erwartungen, Rollenkonflikte, Personalisierung, informelle Strukturen, Arbeitsqualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Entstehungsbedingungen von Verletzungen des psychologischen Kontrakts (informelle Erwartungen und Versprechen) bei TrainerInnen in der österreichischen Weiterbildungsbranche.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die soziale Ordnung innerhalb von Weiterbildungsorganisationen, die Rolle informeller vs. formaler Strukturen sowie die Auswirkungen von Arbeitsrahmenbedingungen auf das Erleben von Vertragsbrüchen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Unter welchen strukturellen Konditionen (soziale Logik/Ordnung) entstehen Verletzungen und Einhaltungen von psychologischen Kontrakten in der österreichischen TrainerInnenbranche?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf Methodentriangulation basiert: problemzentrierte Interviews, teilnehmende Beobachtungen und eine Artefaktsammlung, ausgewertet durch hermeneutische Verfahren.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Im Hauptteil wird aufgezeigt, wie formale Strukturen, Rollenkonflikte und lebensweltliche Kontextlagen der TrainerInnen dazu führen können, dass gegenseitige Erwartungen nicht erfüllt werden können und wie die Akteure damit umgehen.
Welche Keywords charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung ist durch Begriffe wie psychologischer Vertrag, Wissensgesellschaft, quartärer Bildungssektor, TrainerInnen, Rollenkonflikte und Personalisierung geprägt.
Welche Rolle spielt der "Mechanismus der Personalisierung"?
Die Personalisierung fungiert als Bewältigungsstrategie, bei der strukturelle Probleme der Organisation (z.B. Zeitmangel) auf die TrainerInnen abgewälzt werden, was diese dazu zwingt, Probleme in ihre private Sphäre auszulagern.
Warum sind "Intrarollenkonflikte" für die Arbeit relevant?
Sie beschreiben die Dilemmata, in denen sich TrainerInnen befinden, wenn verschiedene Akteure (z.B. Arbeitgeber vs. Kursteilnehmer) widersprüchliche Erwartungen an ihre Rolle stellen, was zwangsläufig zu Vertragsverletzungen gegenüber einer der Gruppen führt.
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- Birgit Winkler (Author), 2014, Die Weiterbildungsbranche Österreichs. Konditionen von Verletzungen des psychologischen Kontraktes, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/285045