Im Spätmittelalter, der Zeit seit der Mitte des 13. Jahrhunderts, als eine Epoche der Krise in Gesellschaft und Kirche, fanden sich auf europäischen Boden Vertreter drei großer Religionen, des Christentums, des Islams und des Judentums, wieder. Nicht selten entbrannten hier Konflikte und entluden sich Ängste, in denen die Religion nur mehr Mittel zum Zweck war. Auch die Juden, die als einzige nicht-christliche Minderheit seit der Römerzeit in Europa lebten, vielen oft ihrer labilen Sonderstellung zum Opfer.
Die vorliegende Arbeit hat die Analyse und Bewertung der Erfurter Judenverfolgung von 1349 zum Inhalt. Es gilt zu erörtern, worin mögliche Ursachen dieses Ereignisses zu suchen, und wie diese zu bewerten sind. Im Rahmen des Seminars ist diese Fragstellung vor allem in Hinblick auf die Betrachtung einer Randgruppe der europäischen Stadt des Mittelalters, sowie die Untersuchung mittelalterlicher jüdischer Kultur in Thüringen wertvoll. Judenpogrome waren im späten 13. und im 14. Jahrhundert auf europäischem Gebiet keine Seltenheit. In den meisten Fällen gingen diese mit der rasenden Ausbreitung des schwarzen Todes, der Beulen- und Lungenpest, einher. Der gesellschaftlichen Randgruppe der Juden wurde die Schuldfrage an der tödlichen Seuche zugeschoben. Dies stand, wie auch im Fall der Stadt Erfurt, oft in Verbindung mit innergesellschaftlichen Konflikten. Auch die Forschung widmet sich bezüglich der Betrachtung der Judenpogrome in der Mitte des 14. Jahrhunderts häufig der Analyse von ökonomischen und sozialen Teilaspekten. Die vorliegende Arbeit stellt zunächst die jüdische Gemeinde Erfurts vor der Verfolgung Mitte des 14. Jahrhunderts vor, um anschließend die einzelnen Faktoren, die zu dem Pogrom führten, näher zu beleuchten. Zunächst gilt es zu klären, welche Bezeichnung der Judenfeindschaft des Spätmittelalters zugeordnet werden kann. Weniger sollte hier der im 19. und 20. Jahrhundert rassistisch begründete Terminus „Antisemitismus“ verwendet werden. Eher umschreibt die Abneigung der mittelalterlichen christlichen Gemeinschaft gegen Juden das Wort „Antijudaismus“, welches religiös gerechtfertigt, jedoch auch durch wirtschaftliche und soziale Faktoren hervorgerufen wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jüdische Kultur in Erfurt vor 1349
3. Das Pogrom von 1349
3.1 Schilderung des Pogroms
3.2 Mögliche Ursachen des Pogroms
3.3 Bewertung des Pogroms
4. Schluss und Ausblick
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert und bewertet das Erfurter Judenpogrom von 1349. Ziel der Untersuchung ist es, die komplexen Ursachen dieser Verfolgung aufzuzeigen, wobei insbesondere die ökonomischen, sozialen und religiösen Faktoren sowie die Rolle des Erfurter Stadtrates und der christlichen Bevölkerung in einem regionalen Kontext kritisch beleuchtet werden.
- Analyse der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in Erfurt vor dem Pogrom
- Untersuchung der Hintergründe und Ursachen des Pogroms von 1349
- Rolle der Pestangst und der Legende der Brunnenvergiftung
- Wirtschaftliche Motive und die Rolle der Juden als Kreditgeber
- Interaktion zwischen dem Erfurter Stadtrat und der jüdischen Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
3. Das Pogrom von 1349
Die Pestpogrome Mitte des 14. Jahrhunderts können als größter Einschnitt in der mittelalterlichen Geschichte der jüdischen Gemeinde Europas angesehen werden, und blieben auch von Zeitgenossen nicht unbeachtet. Die Stadt Erfurt kann zu einer relativ großen Gruppe von Städten gezählt werden, in denen das Judenpogrom an einem Samstag, also einem Sabbattag, erfolgten. Hier kann die Vermutung nahe liegen, dass einige der Verfolger bewusst diese Chance genutzt haben, um die Juden während einer Versammlung innerhalb der Synagoge oder ihrer Häuser zu überraschen. Die Vorgänge der Erfurter Verfolgung sollen im Folgenden dargelegt und bewertet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der Judenverfolgung im Spätmittelalter und skizziert die wissenschaftliche Fragestellung unter Berücksichtigung ökonomischer und sozialer Aspekte.
2. Jüdische Kultur in Erfurt vor 1349: Dieses Kapitel zeichnet die frühe Ansiedlung der jüdischen Gemeinde in Erfurt nach und beleuchtet das Verhältnis zwischen den Juden und der christlichen Mehrheitsgesellschaft sowie dem Mainzer Erzbischof.
3. Das Pogrom von 1349: Dieser Hauptteil analysiert den Ablauf des Pogroms, die angeführten Gründe wie Brunnenvergiftung, wirtschaftliche Spannungen durch Schuldenlasten sowie die ambivalente Rolle des Stadtrates.
3.1 Schilderung des Pogroms: Hier wird der unmittelbare Ablauf der Verfolgung anhand zeitgenössischer Quellen, insbesondere der Chronica St. Petri Erfordensis, detailliert rekonstruiert.
3.2 Mögliche Ursachen des Pogroms: Das Kapitel untersucht das Zusammenspiel von Pestangst, religiösen Vorurteilen und wirtschaftlichen Interessen als Ursachenbündel für die Katastrophe.
3.3 Bewertung des Pogroms: Abschließend wird die Rolle des Stadtrates und die ökonomische Situation nach der Zerstörung der jüdischen Gemeinde bewertet.
4. Schluss und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und schlägt eine weiterführende komparative Betrachtung mit anderen Städten wie Straßburg oder Koblenz vor.
5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Erfurt, Judenpogrom, 1349, Spätmittelalter, Pest, Brunnenvergiftung, Antijudaismus, Stadtgeschichte, Kreditwesen, Stadtrat, Chronica St. Petri Erfordensis, Mittelalter, Verfolgung, Antisemitismus, Wirtschaftsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse und Bewertung der Judenverfolgung in Erfurt im Jahr 1349 und untersucht die komplexen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dieses Ereignisses.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die jüdische Kultur im mittelalterlichen Erfurt, der Ablauf des Pogroms, die Ursachenforschung und die Rolle der städtischen Autoritäten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass das Pogrom nicht allein durch religiöse Vorurteile oder die Pestangst zu erklären ist, sondern ein Ursachenbündel aus sozialen und wirtschaftlichen Interessen vorlag.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Quellenanalyse, insbesondere unter Heranziehung mittelalterlicher Chroniken und städtischer Urkundenbücher.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Schilderung der Ereignisse, die Erörterung der Ursachen wie die Brunnenvergiftungslegende sowie die ökonomische Analyse des Kreditwesens zwischen Juden und christlicher Bevölkerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Erfurt, Judenpogrom, Pest, Stadtrat, Kreditwesen und Antijudaismus maßgeblich geprägt.
Welche Rolle spielte der Stadtrat von Erfurt bei dem Pogrom?
Der Autorin zufolge agierte der Stadtrat nicht eindeutig, wobei Hinweise darauf hindeuten, dass einzelne Ratsmitglieder die Verfolgung indirekt unterstützten oder wirtschaftliche Interessen verfolgten.
Warum wird im Text der Begriff „Antijudaismus“ dem „Antisemitismus“ vorgezogen?
Der Begriff Antijudaismus wird gewählt, um der mittelalterlichen religiösen Motivation gerecht zu werden und den modern-rassistischen Begriff des Antisemitismus zu vermeiden.
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- Saskia Jungmann (Author), 2013, Das Erfurter Judenpogrom von 1349. Analyse und Darstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/284943