Gegenstand dieser Hausarbeit wird der (anfängliche) Konflikt zwischen Theater und Kino sein. Zunächst wird ein Vergleich zwischen Theater und Film angestellt, um die Unterschiede, die Faszination, die beide Seiten ausüben und den Grund der Rivalität zu verdeutlichen. Danach wird die Schnittstelle, der Übergang zwischen den beiden Bereichen Thema sein.
Marcel Pagnol, der eine Ausnahme darstellt, zunächst als Dramaturg tätig ist und sich dann dem Film zuwendet, zeigt, dass Theater und Film nicht unbedingt Rivalen sein müssen, sondern sich auch miteinander verbinden lassen und voneinander profitieren können.
Marcel Pagnol, der in Zeiten der Rivalität dieser beiden Medien, eine Sonderrolle einnimmt, schafft es, die scharfe Trennung zwischen diesen beiden Medien aufzuheben. Wenn auch anfangs vielmals kritisiert, so schafft Pagnol doch einen entscheidenden Schritt in Richtung Kino und stellt sich den Schwierigkeiten, die eine filmische Adaptation mit sich bringt.
Nachdem also die beiden Medien Theater und Film im Hinblick auf ihre Eigenschaften und Möglichkeiten verglichen werden, wird die Adaptationsproblematik Thema sein. Schwierigkeiten, die bei der Adaptation auftreten können, werden anhand des Films Marius aufgezeigt. Viele für das Theater typische Elemente finden sich hier im Medium Film wieder. Dies gelingt oft, kann jedoch an einigen Stellen auch komisch wirken. Es wird die Schwierigkeit der filmischen Adaptation von Theaterstücken anhand der technischen Hindernisse (vor allem für die technischen Möglichkeiten des Films der damaligen Zeit) und des Schauspiels untersucht. Darauf folgend wird versucht die theatralischen Elemente im Film „Marius“ hervorzuheben. Es wird vor allem auf die Gestik und Mimik der Schauspieler eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theater und Film
2.1. Anfängliche Konkurrenz und die Abhängigkeit des Films
2.2 Die technische Überlegenheit des Films und die Entwicklung zur Eigenständigkeit
3. Die Adaptationsproblematik bei Marius
3.1.Die technische Umsetzung
3.2.Das Schauspiel (Gestik und Mimik)
4. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Wechselbeziehungen zwischen dem Medium Theater und dem frühen Tonfilm am Beispiel der Adaption von Marcel Pagnols Werk "Marius". Das primäre Ziel ist es, die filmischen Adaptationsschwierigkeiten zu analysieren, die durch den starken Einfluss theatralischer Konventionen und die bewusste Entscheidung Pagnols für Theaterschauspieler entstanden sind, um aufzuzeigen, wie sich das Medium Film von seiner Abhängigkeit gegenüber dem Theater emanzipierte.
- Die historische Konkurrenz und Interdependenz von Theater und Kino.
- Technische Grenzen und Möglichkeiten der frühen Filmadaption.
- Die Rolle der Theatralität in Bezug auf Schauspiel, Gestik und Mimik.
- Die Entwicklung von der bloßen Abfilmung hin zur filmischen Eigenständigkeit.
- Pagnols Sonderrolle als Vermittler zwischen literarischem Text und filmischer Inszenierung.
Auszug aus dem Buch
3.2. Das Schauspiel (Gestik und Mimik)
Nicht nur die Leuchtturmszene, sondern auch das Schauspiel in Marius wirkt häufig sehr künstlich. Dies ist unter anderem auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Film vor allem, auf Pagnols Wunsch hin, mit Theaterschauspielern gedreht wurde. „Pagnol lehnt die Paramount-Stars ab und besteht auf seine Midi-ProtagonistInnen, die Marius zur Theaterpremiere gebracht, aber keinerlei Film- geschweige denn Tonfilmerfahrung hatten.“, so Winkler. Pagnol glaubte also, die Darsteller, die Marius im Theater Erfolg einbrachten, würden diesen auch im Kino erzielen. Dies hat schließlich auch geklappt und der Film Marius wurde ein Kassenschlager, doch entspricht er, aufgrund seines großen Anteil an Theatralität, sehr dem „théâtre en conserve“, für das Pagnol oft von Regisseuren und anderen Leuten vom Film kritisiert wurde. Die gestischen und mimischen Ausführungen der Schauspieler vor der Kamera wirken an vielen Stellen überzogen und künstlich, eben gespielt.
Ganz besonders deutlich wird der Einfluss des Theaters relativ zu Anfang, ab 08:30min., wenn Piquoiseau das erste Mal auftritt. Die Figur Piquoiseau wirkt besonders stilisiert. Schon seine Kleidung wirkt irgendwie unecht und gleicht einem Kostüm. Mit seiner umgehängten Papprolle als Fernrohr und den angehängten Orden wirkt Piquoiseau künstlich und verkleidet, nicht wie ein richtiger Bettler. Und sein Auftritt wirkt ebenfalls gestellt, selbst ein Verrückter oder Betrunkener würde nicht so auftreten, wie hier Piquoiseau. Während er seine Rede hält, wirkt es so, als spräche er zu einem Publikum im Theatersaal.
Es sind auch immer wieder kleine Gesten, die unnatürlich wirken, da man sie so nicht ausführen würde, sie auf der Theaterbühne aber nötig sind, um die Gefühle der Figuren sichtbar zu vermitteln. So zum Beispiel in 06:10min., als Fanny sich beleidigt wegdreht, aber zur Kamera hin, und nach unten schaut, nachdem César zu ihr sagt: „Eh! De quoi tu te mêle, toi?“. Diese Haltung wirkt unnatürlich. Man hätte ihr Schmollen ebenso durch eine Großeinstellung ihres Gesichts und somit ihres nach unten gerichteten Blicks und ihres Mundes ausdrücken können. Eine der Figuren, die am meisten Theatralik zeigen, ist César.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Schnittstelle von Theater und Film ein und skizziert die besondere Rolle Marcel Pagnols sowie die Problemstellung hinsichtlich der filmischen Adaption seines Werkes.
2. Theater und Film: Dieses Kapitel vergleicht die mediale Rivalität und beleuchtet den Übergang von der Abhängigkeit des Kinos vom Theater hin zur Entwicklung einer eigenständigen Filmkunst.
3. Die Adaptationsproblematik bei Marius: Hier werden anhand konkreter Beispiele aus dem Film "Marius" die technischen Herausforderungen und die Künstlichkeit des Schauspiels durch den Einfluss theatralischer Konventionen analysiert.
4. Konklusion: Das Schlusskapitel fasst zusammen, dass Pagnols Film zwar theatralisch überladen wirkt, jedoch einen wichtigen Schritt in der Entwicklung intermedialer Beziehungen und der Anerkennung des Drehbuchs als eigenständiges literarisches Medium darstellt.
Schlüsselwörter
Marcel Pagnol, Marius, Theater, Film, Adaptation, Intermedialität, Theatralität, Schauspiel, Stummfilm, Tonfilm, Medienwechsel, Regie, Gestik, Mimik, Filmgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Wechselbeziehung zwischen dem Theater und dem frühen Tonfilm, wobei der Fokus auf dem Werk von Marcel Pagnol und der Verfilmung seines Stücks "Marius" liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der historische Konkurrenzkampf zwischen den Medien, der Einfluss theatralischer Erzählmuster auf den Film und die spezifische Adaptationsproblematik bei der Übersetzung von Bühnenstoffen in das filmische Medium.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich der Film "Marius" trotz seiner starken Theaterlastigkeit behaupten konnte und inwiefern Marcel Pagnol durch seine Vorgehensweise die Trennung zwischen Theater und Film aufhob.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Vergleichsanalyse, die sowohl theoretische Grundlagen (Medienwechsel/Intermedialität) als auch eine detaillierte Filmanalyse von Szenenausschnitten umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über die Beziehung von Theater und Film sowie eine detaillierte Untersuchung der technischen Umsetzung und der schauspielerischen Leistungen im Film "Marius".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Theatralität", "Intermedialität", "Adaptationsproblematik" und "théâtre filmé" bestimmt.
Warum wird Piquoiseaus Auftritt im Film als besonders kritisch betrachtet?
Sein Auftritt wird als überstilisiert und künstlich wahrgenommen, da er theatralische Konventionen und Kostümierung beibehält, die vor der Kamera als unglaubwürdig und gestelzt wirken.
Welche Rolle spielt die Leuchtturmszene für die Argumentation des Autors?
Die Leuchtturmszene dient als Beispiel für die technischen Grenzen der damaligen Zeit, in der das künstliche Modell auf der Leinwand nicht die von einem Film erwartete Realitätsnähe erreicht, wie sie es auf einer Theaterbühne getan hätte.
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- Laura-Melina Vogt (Author), 2014, Marcel Pagnol: Die Wechselbeziehung zwischen Theater und Film am Beispiel Marius, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/284900