Für die Finanzierung von Musikstreaming-Angeboten mit Gratisvariante wie Spotify und Deezer ist es entscheidend, dass Nutzer zu Bezahlkunden konvertieren. Die Arbeit weist in diesem Zusammenhang nach, dass bei Musikstreaming-Angeboten nicht der Verkauf von einzelnen Musikprodukten im Mittelpunkt steht, sondern die Angebotsnutzung. In diesem Fall stiften die Musikrezeption selbst und (soziale) Erfahrungen rund um Musik den Nutzen, der schließlich Musik für die Kunden wertvoll macht. Um in diesem Kontext trotzdem von der Zahlungsbereitschaft einzelner Nutzer zu profitieren, bietet es sich an, das Musikangebot sowohl interaktiv auszurichten und Web 2.0-Elemente zu integrieren als auch eine konsumierende Nutzungsweise zu erlauben. Mithilfe von sekundären empirischen Forschungsergebnissen werden die konkreten nutzenstiftenden Aktivitäten und Handlungen der Kunden ermittelt und Handlungsempfehlungen hinsichtlich der Ausgestaltung von Musikangeboten im Internet gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 AKTUELLE FORMEN DER MUSIKNUTZUNG IN DEUTSCHLAND
2.1 Nutzungsverhalten und verwendete Geräte beim Musikkonsum
2.2 Die Bedeutung von Musik-CDs und Musikdateien bei der Internetnutzung
2.3 Die Bedeutung von Musikangeboten im Internet für den Musikkonsum
2.3.1 Systematisierung von Musikangeboten im Internet
2.3.2 Musikstreaming in Deutschland
2.3.2.1 Nutzungsverhalten und verwendete Geräte beim Musikstreaming
2.3.2.2 Verbreitung von Musikstreaming
2.4 Absatz von Musikprodukten und Anzahl von Musikstreams in Deutschland und den USA
3 FORMEN VON NUTZERAKTIVITÄT BEI INTERAKTIVEN MUSIKANGEBOTEN IM INTERNET
3.1 Identifikation der Geschäftsmodelle von Musikangeboten im Internet
3.1.1 Relevanz der Konvertierung bei Musikangeboten mit Gratisvariante
3.1.2 Musikstreaming-Angebote als Einnahmequelle für Künstler
3.2 Zugang zu Inhalten und Aktivitäten als Anreize zur Angebotsnutzung
3.2.1 Die Rolle von Aktivitätsstufen und ihr Einfluss auf die Zahlungsbereitschaft
3.2.2 Die Rolle von Nutzerdaten und ihr Einfluss auf die Nutzenstiftung
3.3 Der Einfluss von weiteren Angebotseigenschaften auf die Nutzenstiftung
3.4 Analyse der Bedeutung von Inhalten und Aktivitäten bei der Angebotsnutzung
3.4.1 Allgemeine Anmerkungen zur Forschungsarbeit von Lee et al.
3.4.2 Konsum von Inhalten
3.4.2.1 Musik
3.4.2.2 Neue und personalisierte Musikinhalte
3.4.2.3 Musikempfehlungen
3.4.2.4 Informationen über populäre Musik und Künstler
3.4.2.5 Nachrichten/News
3.4.2.6 Informationen über Künstler
3.4.2.7 Musikkritiken
3.4.2.8 Informationen zu Events
3.4.2.9 Lokale Inhalte
3.4.2.10 Liedtexte
3.4.3 Organisation von Inhalten
3.4.3.1 Neue Inhalte automatisch beziehen
3.4.3.2 Ordnen der Inhalte
3.4.3.3 Wiedergabelisten erstellen
3.4.3.4 Verändern der Musiksammlung
3.4.3.5 Pflegen von Musikdaten
3.4.4 Partizipation in der Community
3.4.4.1 Vergemeinschaftung/Austausch
3.4.4.2 Teilen/Empfehlen von Inhalten
4 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung von Nutzeraktivität für das Geschäftsmodell interaktiver Musikangebote im Internet, insbesondere um die Faktoren zu identifizieren, die eine Konvertierung von Gratisnutzern in zahlende Kunden begünstigen oder die allgemeine Zahlungsbereitschaft positiv beeinflussen.
- Aktuelle Formen des Musikkonsums in Deutschland
- Identifikation von Geschäftsmodellen im Kontext des Web 2.0
- Die Rolle von Nutzeraktivität und Selbstwirksamkeitserwartung
- Einfluss von Angebotseigenschaften auf die Nutzenstiftung
- Analyse der Bedeutung spezifischer Inhalte und Community-Funktionen
Auszug aus dem Buch
3.1 Identifikation der Geschäftsmodelle von Musikangeboten im Internet
Überträgt man die allgemeine Differenzierung von Geschäftsmodellen im Internet nach Wirtz auf den Einzelfall Musikangebote, lässt sich feststellen, dass neben den Modellen „Commerce“ (Anbieter von Musikprodukten) und „Content“ (Musik-Streaming-Anbieter) auch das Modell „Connection“ (Communitys) bei Musikangeboten zu finden ist. Letzteres umfasst Eigenschaften des Web 2.0, das sich einerseits dadurch auszeichnen, dass Nutzer selbst Inhalte erstellen und andererseits durch vielfältige Interaktionen (Wechselbeziehungen) der Nutzer mit Inhalten, anderen Nutzern und technischen Systemen. Hierunter fallen beispielsweise Elemente, mit denen Nutzer Inhalte verändern oder Kontakt zu anderen Nutzern aufnehmen können. Musikportale, aber auch Anbieter von personalisierten Radios sowie von Musik-On-Demand (vgl. Abb. 2.1) integrieren teilweise eine Vielzahl solcher Elemente in ihr Angebot, sodass man von interaktiven Angeboten sprechen kann. Interaktivität wird dabei mit Bezug auf Quiring et al. als die Summe von Eigenschaften verstanden, „die (…) Wechselbeziehungen ermöglichen bzw. befördern.“ Sie sind für die Anbieter von Bedeutung, weil ihre Unternehmung nicht primär auf den Verkauf von Musikprodukten abzielt, sondern darauf, die Nutzer zur Zahlung für die Angebotsnutzung zu bewegen. Anil Bawa-Cavia (ehemals bei Last.fm) spricht daher von „Exposure“ statt von „Musikkonsum“ und versteht darunter, „dass man mit Musik in Kontakt tritt bzw. sich damit auseinandersetzt“. In diesem Umfeld sei Interaktion bedeutender als Transaktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, mittels empirischer Studien zu untersuchen, welche Faktoren den Nutzen für Nutzer interaktiver Musikangebote stiften und deren Bereitschaft zum Ressourceneinsatz fördern.
2 AKTUELLE FORMEN DER MUSIKNUTZUNG IN DEUTSCHLAND: Dieses Kapitel analysiert das gegenwärtige Nutzungsverhalten beim Musikkonsum sowie die Rolle verschiedener Musikangebote im Internet und deren Marktentwicklung.
3 FORMEN VON NUTZERAKTIVITÄT BEI INTERAKTIVEN MUSIKANGEBOTEN IM INTERNET: Das Kapitel untersucht die Geschäftsmodelle, die Bedeutung von Nutzerinteraktionen und die verschiedenen Arten von Aktivitäten, die für die Nutzenstiftung und Zahlungsbereitschaft der Nutzer zentral sind.
4 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und leitet Handlungsempfehlungen für Anbieter ab, insbesondere hinsichtlich der Gestaltung der Gratisvariante zur Förderung langfristiger Kundenbindung.
Schlüsselwörter
Musikmanagement, Musikstreaming, Nutzeraktivität, Geschäftsmodelle, Web 2.0, Zahlungsbereitschaft, Konsumverhalten, Community, Konvertierung, Interaktion, Musikportale, Digitaler Musikkonsum, Last.fm, Spotify, Nutzenstiftung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie interaktive Musikangebote im Internet (wie Spotify oder Last.fm) Nutzer durch aktive Einbindung binden und dazu motivieren, für ihre Dienste zu zahlen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die Analyse aktueller Musikkonsumformen, verschiedene Geschäftsmodelle für Musik im Internet sowie die psychologischen und technischen Treiber hinter der Nutzeraktivität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, welche konkreten Handlungen den Nutzen für Nutzer steigern und dadurch ihre Bereitschaft erhöhen, von einer kostenlosen zu einer kostenpflichtigen Variante zu wechseln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf der Auswertung empirischer Studien und Marktdaten zur Musiknutzung im Internet, um daraus Rückschlüsse auf das Nutzerverhalten und die Bedeutung spezifischer Plattform-Elemente zu ziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme des Marktes und eine tiefgehende Analyse verschiedener Aktivitäten der Nutzer – vom bloßen Musikkonsum über das Organisieren von Inhalten bis hin zur Partizipation in Online-Communities.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Musikstreaming, Nutzeraktivität, Geschäftsmodell, Konvertierung, Interaktivität und Nutzenstiftung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Commerce", "Content" und "Connection" wichtig?
Diese Differenzierung hilft zu verstehen, dass interaktive Musikangebote über den reinen Verkauf von Content hinausgehen und durch "Connection"-Elemente des Web 2.0 eine stärkere Bindung zum Nutzer aufbauen.
Was bedeutet "Serendipity" im Kontext der Musiknutzung?
Serendipity beschreibt die positive Erfahrung der zufälligen Entdeckung von neuer, passender Musik, die durch Personalisierungs-Algorithmen unterstützt wird und so den Nutzwert für den Hörer erhöht.
Welche Rolle spielen die sogenannten Aktivitätsstufen?
Die Aktivitätsstufen zeigen, dass die Nutzungsintensität und die Bereitschaft zur Zahlung mit der Anzahl der Interaktionen (von passivem Hören bis hin zur aktiven Community-Partizipation) steigen.
- Arbeit zitieren
- Janina Wittrock (Autor:in), 2014, Die Bedeutung von Nutzeraktivität für das Geschäftsmodell von interaktiven Musikangeboten im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/284844